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Polizeiticker Leipzig Stundenlange Gewaltorgie in Leipziger Mietshaus
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Stundenlange Gewaltorgie in Leipziger Mietshaus
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00:44 11.09.2015
Stefan H. (rechts) soll bei der Misshandlung des Opfers spezielle Quarzsandhandschuhe getragen haben.  Quelle: André Kempner
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Leipzig

Baseballschläger, Quarzsandhandschuhe und ein paar Bier: Die Täter hatten alles vorbereitet für ihre ganz private Horrorshow. Sogar das Küchenfenster der Ein-Raum-Parterrewohnung an der Zschampertaue in Lausen-Grünau war mit einem Bettlaken verhängt. Niemand sollte sehen, wie sie über Stunden hinweg auf einen völlig wehrlosen Mann einschlugen und eintraten. Fast drei Jahre nach dieser Gewaltorgie begann am Dienstag am Landgericht der Prozess gegen drei mutmaßlich Beteiligte.

Gemeinschaftlicher schwerer Raub, Körperverletzung, erpresserischer Menschenraub und Freiheitsberaubung: Die Tatvorwürfe gegen die Angeklagten sind erheblich. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sollen Sebastian S. (27), Stefan H. (24) und Jessica V. (18) sowie weitere Mittäter, gegen die gesonderte Verfahren laufen, am 9. November 2012 ihren Bekannten Marc S. (26) brutal misshandelt und erheblich verletzt, ihm Handy und EC-Karte geraubt haben. Über Stunden hinweg, von 19.30 Uhr bis in die Nacht gegen 3 Uhr, habe das Opfer wehrlos in der Küche gelegen. Offenbar fast jeder aus der Partyrunde schlug und trat mal zu, selbst zierliche Mädchen im Teenageralter. Einer der beiden mutmaßlichen Haupttäter – gegen sie laufen ebenfalls Verfahren – drosch sogar mit einem Stuhlbein auf Marc S. ein. Um jede Fluchtmöglichkeit zu unterbinden, wurde die Wohnungstür abgeschlossen. Schließlich hielt einer der Drahtzieher dem blutenden Mann ein Küchenmesser an die Kehle und drohte: „Du wirst umgebracht, wenn du uns anzeigst.“ Mitten in der Nacht wurde der krankenhausreif zugerichtete Minijobber vor dem Haus abgelegt und ein Rettungswagen gerufen. Den Einsatzkräften erzählten die Täter, sie hätten den Schwerverletzten auf der Straße gefunden und mit in die Wohnung genommen.

Marc S. erlitt durch die Prügelorgie unter anderem eine Fraktur der linken Augenhöhle und des Nasenbeins sowie Platzwunden und Hämatome. Drei Tage musste er stationär in einem Krankenhaus behandelt werden, war danach noch mehrere Wochen krankgeschrieben. Erst neun Tage später gab er dem Drängen seiner Mutter nach und erstattete Strafanzeige. „Ich hatte einfach Angst“, sagte er vor Gericht. Noch immer würden ihn einige der damaligen Täter bedrohen.

Im Prozess vor der 3. Strafkammer bestätigten die drei Angeklagten den massiven Übergriff. Jessica V., die mit Marc S. befreundet war: „Er wurde über mehrere Stunden geschlagen und getreten, alle waren daran beteiligt.“ Sie selbst jedoch nicht, aber sie habe ihm aus Angst auch nicht geholfen. Lediglich Kissen und Decke habe sie ihm gebracht, als er am Boden lag. Marc S. konnte sich hingegen erinnern, von der damals 15-Jährigen eine Ohrfeige bekommen zu haben. „Ich schäme mich für das, was passiert ist“, so die Jugendliche. „Danach hatte ich Selbstmordgedanken und mich auch geritzt.“

Stefan H. war nach eigenen Angaben nur in der Wohnung, weil Jessica V. ihn gebeten hatte, sie abzuholen. „Die Stimmung war sehr aufgeheizt“, erinnerte er sich. Er habe dann auch zugeschlagen, mehrfach mit Quarzsandhandschuhen ins Gesicht. Dann habe er sich mit dem Knie auf den Brustkorb des am Boden liegenden Opfers fallen lassen. Er führe den Übergriff auf seinen damaligen Crystal-Konsum zurück, so der Angeklagte. Über zwei, drei Jahre habe er täglich ein Gramm Crystal gebraucht – Portionspreis: 70 Euro. Auch Sebastian S. räumte ein, zugeschlagen zu haben. „Mir wurde gedroht, wenn ich nicht zuhaue, passiert mir was“, so der stämmige Mann, dem die Staatsanwaltschaft zwei weitere Körperverletzungen vorwirft. „Es tut mir leid.“

Warum es überhaupt zu dem unfassbaren Gewaltausbruch kam, kann sich das Opfer bis heute nicht erklären. „Die haben mir vorgeworfen, ich hätte Kinder angefasst und geklaut, aber das stimmt nicht“, so Marc S. „Keine Ahnung, warum mir das passiert ist.“

Für den Prozess sind noch vier Verhandlungstage bis Ende September geplant.

Von Frank Döring

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