Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Täter des sexuellen Übergriffs polizeibekannt – Bundespolizei will genauer hinschauen

Vorfall am Hauptbahnhof Leipzig Täter des sexuellen Übergriffs polizeibekannt – Bundespolizei will genauer hinschauen

Nach dem sexuellen Übergriff auf eine 31-Jährige, will die Bundespolizei am Leipziger Hauptbahnhof die Beamten stärker für das Thema sensibilisieren – und notfalls mehr Präsenz zeigen. Ein Anstieg solcher Taten sei laut der Behörde nicht zu erkennen.

Leipzig. LeipzigNach dem sexuellen Übergriff vom Wochenende am Leipziger Hauptbahnhof hat die Polizei am Montag bestätigt, dass die beiden Tatverdächtigen einschlägig polizeibekannt sind. Den beiden Asylbewerbern – einem 31-jährigen Libyer und einem 27-jährigen Tunesier – werden bereits Eigentumsdelikte, Drogenhandel und Körperverletzungen vorgeworfen. „Die entsprechenden Verfahren laufen noch“, sagte Polizeisprecherin Katharina Geyer auf Nachfrage. Mit Sexualdelikten seien beide bislang nicht aufgefallen.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach der sexuellen Belästigung in der Nacht zum Sonnabend dennoch keine Gründe für eine Inhaftierung der Männer gesehen. Die beiden 31- und 27-Jährigen kamen nach ihrer Vernehmung durch die Kriminalpolizei wieder auf freien Fuß. Wie Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz auf Anfrage erklärte, habe sich der Anfangsverdacht der sexuellen Nötigung bisher nicht weiter bestätigt, „weil es hierfür an der Anwendung von Gewalt fehlt“. Strafrechtlich laute der Vorwurf „sexuell motivierte tätliche Beleidigung“. Laut Staatsanwaltschaft ist zudem nur der 27-jährige Tunesier tatverdächtig. Allerdings ist der Mann bisher nicht vorbestraft, deshalb liegt laut Schulz auch kein Grund für eine Haft vor. Gegen den Lybier habe sich der Anfangsverdacht bisher nicht bestätigt.

Frau wurde von hinten in den Schritt gefasst

Die Polizei schilderte gestern noch einmal im Detail, wie es zu der Tat kam. Die 31-Jährige wollte demnach mit ihrem Freund helfen, wurde dabei jedoch unsittlich berührt. Wie Geyer berichtete, stand die Frau in der Nacht zum Sonnabend gegen 0.30 Uhr mit ihrem 28-jährigen Begleiter an der Straßenbahnhaltestelle am Willy-Brandt-Platz, als sie von einer Gruppe von fünf bis zehn alkoholisierten Männern durch den Libyer angesprochen wurde. Der Freund habe versucht, dem Mann den Weg auf Deutsch und Englisch zu erklären. Dabei soll sich der 27-jährige Tunesier der Frau von hinten genähert und ihr „unvermittelt über der Hose in den Schritt“ gefasst haben, so Geyer.

Die 31-Jährige erstattete Anzeige wegen sexueller Nötigung bei der Bundespolizei, die die beiden Männer wenig später auf dem Bahnhofsvorplatz festnehmen konnte. Die Beamten hatten bereits Hinweise erhalten, wonach an der Haltestelle eine Gruppe von Ausländern Taschendiebstähle verüben soll. „Die beiden Täter, die daraufhin durch die Bundespolizei festgehalten wurden, sollten wohl aus dieser Gruppierung stammen. Den beiden Genannten konnte jedoch kein Diebstahl nachgewiesen werden“, so Geyer.

Auch zum Aufenthaltsstatus wurden am Montag genauere Angaben gemacht. Laut Polizei befinden sich beide Männer in einem Asylverfahren und haben einen festen Wohnsitz in Leipzig. Der 31-Jährige ist seit 2014 in Deutschland und seit Frühjahr vorigen Jahres in der Messestadt, der 27-Jährige seit Ende 2015. Die Tatzeit wurde am Montag korrigiert: Zunächst hatte es geheißen, der Übergriff sei am Sonntagmorgen passiert. „Die Ermittlungen werden fortgeführt“, hieß es abschließend.

Bundespolizei will genauer hinschauen und notfalls reagieren

Nach den Vorfällen in Köln und als Reaktion auf die Leipziger Tat will die für Bahnanlagen zuständige Bundespolizei die Beamten am Hauptbahnhof stärker für das Thema sensibilisieren – und notfalls mehr Präsenz zeigen. Ein Anstieg solcher Taten sei laut der Behörde nicht zu erkennen. „Natürlich ist dieser Tatkomplex angesichts der Ereignisse in Köln gerade ein Top-Thema bei uns“, erklärte Christian Meinhold, Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Pirna, auf Anfrage. Im Rückblick könne man allerdings keine besondere Häufung von derartigen Fällen feststellen. „Was wir allerdings bemerken, ist eine Tendenz zu einem erhöhten Anzeigeverhalten“, so Meinhold.

Ob dies jedoch mit einem tatsächlichen Anstieg an Fällen sexueller Gewalt zusammenhänge oder aber einfach ein Ausdruck erhöhter Sensibilisierung in der Bevölkerung sei, konnte Meinhold noch nicht abschließend bewerten. Er betonte aber: „Wir informieren über alle Fälle, wenn die Sachlage klar ist.“ Eine gesteigerte Streifentätigkeit werde es angesichts des Falles vom Sonnabend vorerst nicht geben, so Meinhold. Die momentane Personaldichte am Hauptbahnhof reiche aus. „Wir werden die Kolleginnen und Kollegen aber weiter für den Sachverhalt sensibilisieren, damit sie hier und da genauer hinschauen. Und wenn es nötig wird, werden wir auch umgehend reagieren“, stellte er klar.

nöß/bfi

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr