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Taschenklau beim Abendmahl: Diebe machen Leipziger Kirchen unsicher

Taschenklau beim Abendmahl: Diebe machen Leipziger Kirchen unsicher

Leipzigs Innenstadtkirchen St. Nikolai und St. Thomas ziehen an - Gläubige und Touristen. Und ungebetene Gäste. Die sind weder aufs Seelenheil noch auf den Kulturgenuss aus, sondern allein auf das Geld von Fremden.

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Gestellte Szene: Taschendiebstahl in der Nikolaikirche.

Quelle: André Kempner

Zwar spricht die Polizei davon, dass Handtaschendiebstähle in den Gotteshäusern der City zurzeit "keinen Schwerpunkt" bilden, doch haben die Ordnungshüter zuletzt vermehrt Anzeigen aufnehmen müssen. Weil Langfingern das siebte Gebot so ziemlich egal ist: "Du sollst nicht stehlen!"

Die Kirche ist berühmt dafür, dass sie schon immer einladend war. Die Schilder "Nikolaikirche - offen für alle" sprechen diesbezüglich eine deutliche Sprache. Leider wird der geschichtsträchtige Slogan von einigen Zeitgenossen gerade gründlich missverstanden. Es sind die Taschendiebe, die der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde St. Nikolai Sorgen bereiten. Zuletzt habe er beobachtet, wie sich zwei unbekannte Männer und deren junge Komplizin einer Schweizer Reisegruppe näherten und einer aus dem Trio zum Griff in die fremde Umhängetasche ansetzte. "Da habe ich ganz laut ,Vorsicht!' gerufen und so das Schlimmste verhindern können", erzählt Matthias Müller. "Die Nikolaikirche ist offen für alle, aber nicht für alles", stellt der 48-jährige Küster klar. Doch Müller kann nicht überall sein, nicht jeden Winkel des Sakralgebäudes gleichzeitig einsehen. Oft bleibt daher nur der Trost für die Opfer. "Am ersten September-Sonntag stand ein Tourist aus Erfurt vor mir und berichtete geknickt davon, dass er tags zuvor in unserer Kirche beklaut worden sei. Ob ich vielleicht die Brieftasche mit den Papieren gefunden habe, die die Diebe ihm zusammen mit der Geldbörse entwendet hatten, wollte er wissen. Ich konnte ihm nicht helfen."

Auch Thomaspfarrer Christian Wolff kennt das Problem. "Taschendiebstähle kommen auch bei uns immer wieder vor - sogar und vor allem während des Abendmahls, wenn die Leute nach vorne gehen." Ein besonders drastischer Fall ereignete sich Ende vergangenen Jahres. Zum Gesang des Quempas am zweiten Weihnachtsfeiertag wurden die Gottesdienstbesucher auf die drei Emporen gebeten, um von dort zu singen. Ein beeindruckendes Klangerlebnis. Für eine Kolumbianerin, die zu Besuch war, endete das Ganze tragisch. Die Frau, deren Tochter in Leipzig studiert, bemerkte nach der Rückkehr in die Kirchenbank, dass ihre Handtasche gestohlen worden war - mitsamt Ausweis, Schecks und Kredit-Karten. Ein anderer Fall ereignete sich während eines Tauf-Gottesdienstes. Eine Dame hatte ihre Tasche kurz zur Seite gelegt, damit ein Foto gemacht werden konnte. Auch hier war die Tasche anschließend verschwunden.

In der Thomaskirche haben sie nach einer Beratung mit der Polizei inzwischen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Während der Gottesdienste beobachten Helfer von verschiedenen Punkten in der Kirche aus mit geschärftem Blick aufmerksam das Geschehen. Und: Der Pfarrer rät vor dem Abendmahl, dass die Besucher ihre Wertsachen bei sich tragen sollten. "Wir wollen nichts dramatisieren, aber wir benennen das Problem klar und deutlich." Wolff hofft, dass "die Täter mitbekommen haben, dass wir jetzt mehr aufpassen".

Doch die jüngsten Zahlen aus der Polizeistatistik sprechen eine etwas andere Sprache: In den vergangenen vier Wochen gingen bei den Ordnungshütern allein im Fall St. Thomas drei Strafanzeigen ein. Drei Damen aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden waren Opfer von Taschendieben geworden. Zudem gab es laut Polizeisprecherin Birgit Höhn jeweils im Juli, August und September eine verschwundene Reisetasche aus einem der vielen Busse, die an Wochenenden vor der Thomaskirche parken und Besucher zu den Motetten am Freitagabend und Samstagnachmittag bringen. "So traurig es ist, aber die Leute sind oft erschreckend leichtsinnig, wenn es um ihre Taschen und Rucksäcke geht. Ich beobachte das auch regelmäßig in unseren Straßenbahnen", sagt die Polizeisprecherin. Und empfiehlt die Abkehr von der Leichtgläubigkeit. "Viele denken: ,Mich betrifft das schon nicht.' Und prompt ist das Portemonnaie weg."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.09.2013

Dominic Welters, Björn Meine

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