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Tatort Treppenhaus: Diebe machen in Leipzig Jagd auf Kinderwagen

Diebstahlserie Tatort Treppenhaus: Diebe machen in Leipzig Jagd auf Kinderwagen

Erst drei Wochen war Vivien alt, als sie das erste Mal in ihrem Leben bestohlen wurde: Durch einen gestohlenen Kinderwagen entstand ihren Eltern ein Schaden von etwa 450 Euro. Und sie sind mit diesem Problem nicht allein.

Nadine Thomasius schließt das Kinderwagenunterteil jetzt immer im Treppenhaus an, schleppt das Oberteil mit in die Wohnung.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Die kleine Vivien war gerade mal drei Wochen alt, als sie zum ersten Mal in ihrem Leben bestohlen wurde. Unbekannte klauten ihren nagelneuen Kinderwagen aus einem Treppenhaus in der Leutzscher Prießnitzstraße. Ihre Eltern Nadine (29) und Jan (32) Thomasius waren geschockt. „Wenn man frisch Mama und Papa geworden ist, rechnet man mit so etwas gar nicht“, so die Diplomkauffrau. Dabei ist der Kinderwagen-Klau auch in Leipzig längst kein Einzelfall mehr, wie aktuelle Diebstahlszahlen zeigen.

Die Polizei führt dazu noch keine gesonderte Statistik, das Lagebild sei somit „nicht vollumfänglich“, erläutert Behördensprecher Andreas Loepki. Nach umfassender Recherche kam heraus: Voriges Jahr wurden 41 Kinderwagen gestohlen, bis Anfang Juni 2015 schon wieder 22. Das ist, verglichen etwa mit der Zahl gestohlener Fahrräder (2014: 6933) verschwindend wenig. Doch für junge Eltern wiegt der Verlust schwer. „Das ist sehr ärgerlich, zumal die Baby-Erstausstattung schon enorm ins Geld geht und Kinderwagen nicht gerade günstig sind“, sagt Nadine Thomasius. Ihr sei knapp 450 Euro Schaden entstanden. „Am schlimmsten trifft es die Kleinsten, die schon lernen müssen, wie gemein es in der Welt zugehen kann“, so die Mutter. „Unsere Vivien konnte keinen Spaziergang an der frischen Luft machen, weil wir erst einen neuen Kinderwagen kaufen mussten.“

Die Familie hatte Glück, dass ihre Hausratversicherung so kulant war, den Schaden zu ersetzen. Hasso Suliak vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin erklärt, dass der Verlust durch die Hausratversicherung normalerweise nur dann abgedeckt werde, wenn der Kinderwagen aus einer Wohnung oder einem abschließbaren Raum im Haus, etwa einem Fahrradkeller, gestohlen wurde. Auch der Umstand, dass manche Eltern wie Familie Thomasius ihren Wagen mit Fahrradschloss im Treppenhaus sichern, spiele für die Versicherungsleistung meist keine Rolle, so Suliak. Doch wenigstens könnte ein Schloss Diebe abschrecken, hoffen verunsicherte Eltern.  

Allzu viele Möglichkeiten, die mitunter bis zu 1000 Euro teuren Modelle zu sichern, gibt es ohnehin nicht. Wer in einem Altbau ohne Aufzug wohnt, kann nicht jeden Tag den Kinderwagen und vielleicht noch die Beutel voller Einkäufe ein paar Stockwerke hochschleppen. Auch die Notlösung, den Kinderwagen über Nacht im Auto einzuschließen, ist in einer Stadt wie Leipzig keine allzu sichere Option: Allein voriges Jahr wurden im Stadtgebiet 6403 Autos aufgebrochen und geplündert, 613 Fahrzeuge kamen komplett weg. Eine besonders rigide Methode empfiehlt das Elternportal Babycenter.de: „Sie können ein oder zwei Räder abmontieren und mit in die Wohnung nehmen. Das erschwert den Dieben den Abtransport und macht den Wagen uninteressant.“ Entscheidender Nachteil dieser Präventionsmaßnahme: Das ständige Ab- bzw. Anmontieren wird schnell lästig und ist in Alltagssituationen nicht besonders praktikabel. Denn auch vor Kinderarzt-Praxen oder Krankenhäusern  schlagen Wagen-Diebe immer häufiger zu, warnt Babycenter.de

Hochburg des Kinderwagen-Klaus ist Berlin. Und das schon seit Jahren: So kam es nach Informationen des Tagesspiegel etwa 2007 innerhalb eines halben Jahres allein im Stadtteil Prenzlauer Berg zu 50 solcher Fälle. Eltern vermuteten hier, dass organisierte Banden dahinterstecken, die mit Lastwagen vorfahren, um das Diebesgut aus den Treppenhäusern abzutransportieren. Abgesetzt wird die erbeutete Ware anonym über Internetportale wie Ebay. Weil der Bedarf nach gebrauchten Modellen groß ist, boome das Geschäft, heißt es in Fachkreisen.

Es klingt mithin fast ein wenig resignierend, was die Experten von Babycenter.de ihrer Zielgruppe ans Herz legen: „Lassen sie nicht das Lieblingskuscheltier Ihres Babys im Kinderwagen zurück.“ Damit würde zumindest der größtmögliche Schaden abgewendet. Denn das allerliebste Plüschtier ist in aller Regel unersetzlich.

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