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Tod eines Jungen und seiner Mutter in Gohlis: Gereizte Stimmung im Gerichtssaal

Tod eines Jungen und seiner Mutter in Gohlis: Gereizte Stimmung im Gerichtssaal

Ausgesprochen gereizte Stimmung gestern im Prozess um den erschütternden Tod eines Jungen und seiner drogensüchtigen Mutter 2012 in Gohlis: Ein am Amtsgericht als Zeuge gehörter Notarzt wurde mehrfach ermahnt, seinen Aussagepflichten nachzukommen.

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Ein am Amtsgericht als Zeuge gehörter Notarzt wurde mehrfach ermahnt, seinen Aussagepflichten nachzukommen. (Symbolbild)

Quelle: Uwe Zucchi

"Ich finde es nicht angemessen, dass Sie mit Unlust auf Fragen antworten", warf Verteidiger Stephan Flemming gestern Mediziner Michael W. (47) vor. Der Notarzt galt als wichtiger Zeuge, weil ihn die Polizei am 9. Februar 2012, wenige Monate vor dem Tod von Mutter und Kind, in deren Wohnung in die Möckernsche Straße gerufen hatte. Grund dafür war, dass Christin F. (26) womöglich im Drogenrausch randaliert und gesagt hatte, von Schnaken gebissen worden zu sein. "Die Polizeibeamten hofften, dass ich die Frau in eine Klinik einweise. Ich habe ihnen aber klar gemacht, dass es dafür keine Handhabe gibt", so der Arzt. Offenbar fühlte er sich vom Verteidiger examiniert, als ihn dieser nach gesetzlichen Voraussetzungen für die Einweisung eines Patienten beziehungsweise für freiheitsentziehende Maßnahmen befragte. Der Mediziner genervt: "Wenn eine Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt. Ich sah aber keine Notwendigkeit, sie stationär einzuweisen. Außerdem wollte die Frau nicht ins Krankenhaus."

Offenbar befürchtet der Notarzt, dass die Staatsanwaltschaft auch gegen ihn - was bislang nicht geschehen ist - ermitteln könnte. Zumal er von Amtsrichterin Elke Kniehase belehrt worden war, dass er nicht antworten müsse, sollte er sich dabei einer strafbaren Handlung bezichtigen. So wollte der Notarzt etwa auch auf die Frage, ob Christin F. an jenem Februar-Tag abgemagert war und Geschwüre an den Händen hatte, mit Verweis auf seine ärztliche Schweigepflicht keine Auskunft geben. Kniehase: "So leicht kommen Sie aus dieser Nummer nicht heraus! Jeder Zeuge konnte das damals sehen. Es hat mit dem Patienten-Arzt-Verhältnis nichts zu tun." Daraufhin zeigte sich der Notarzt zumindest etwas kooperativer. Kurz zuvor hatte es auch noch einen Disput zwischen Verteidiger und Richterin gegeben, worauf der Zeuge antworten müsse - und worauf nicht. Kniehase zu Flemming: "Sie können sich entspannen. Ich führe die Verhandlung. Alles der Reihe nach." Wie berichtet, vertritt der Verteidiger Sozialarbeiter Tino H. (41), dem fahrlässige Tötung durch Unterlassen vorgeworfen wird. Der frühere Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialdienstes (ASD) soll Kontroll- und Überwachungspflichten verletzt und dadurch den Tod des zweijährigen Kieron-Marcel fahrlässig verursacht haben. Laut Staatsanwaltschaft starb Christin F. zwischen dem 7. und 10. Juni 2012, ihr Sohn Kieron-Marcel verdurstete neben der Leiche. Todeszeitpunkt des Kindes: 13. oder 14. Juni.

Sozialarbeiter Tino H. fühlt sich jedoch unschuldig. Christin F. habe einen stabilen Eindruck gemacht. Diese Angabe bestätigte gestern auch Ricardo M. (40), Bewährungshelfer für die vorbestrafte Frau. Bei einem letzten Treffen am 10. April "wirkte sie gefestigt", kam mit neuem Freund und Sohn, so der Zeuge. Prozessfortsetzung: heute.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.04.2014

Kreuz, Sabine

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