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Todesschüsse in der Eisenbahnstraße fielen vor den Augen der Polizei

Mordprozess in Leipzig Todesschüsse in der Eisenbahnstraße fielen vor den Augen der Polizei

„Wir trinken hier Milch“, sagte einer der Hells Angels – danach fielen Schüsse. Der Prozess gegen vier Männer nach der tödlichen Schießerei 2016 auf der Eisenbahnstraße ist am Dienstag in Leipzig fortgesetzt worden. Der wichtigste Zeuge wurde vor Gericht gehört. Der Beamte hatte seine Waffe auf den Schützen angelegt.

Unmittelbar nach den tödlichen Schüssen in der Eisenbahnstraße: An der Kreuzung zur Neustädter Straße setzt die Polizei am 25. Juni 2016 Mitglieder der Hells Angels fest.

Quelle: dpa

Leipzig.  Dieser Mord geschah unmittelbar vor den Augen der Polizei. Als die tödlichen Schüsse am 25. Juni vorigen Jahres in der Leipziger Eisenbahnstraße fielen, stand Polizeihauptkommissar Mike J. (43) nur etwa vier bis fünf Meter von dem Schützen entfernt. „Ich hatte einen Tunnelblick und war ausschließlich auf den Schützen und seine Waffe konzentriert“, berichtete der Beamte am Dienstag, dem zweiten Tag im Prozess um den Mord im Rockermilieu, über die hochdramatischen Minuten an jenem Nachmittag. Der Außendienstleiter der Polizei gilt als der wichtigste Zeuge der Staatsanwaltschaft.

Sie wirft vier Mitgliedern des Motorradclubs Hells Angels gemeinschaftlichen Mord an einem Anwärter des verfeindeten Clubs United Tribunes (UT) vor. Nach Ansicht der Ankläger feuerte Höllenengel Stefan S. (31) sieben Mal auf die UT-Gruppe. Zwei Schüsse trafen Veysel A.; für den 27-jährigen Türken kam jede Hilfe zu spät. Zwei weitere Personen, einer davon war UT-Vizepräsident Sooren O. (32), erlitten lebensgefährliche Verletzungen.

„Ich stand an der Nahtstelle zwischen beiden Gruppierungen“, sagte Polizeiaußendienstleiter Mike J. am Dienstag vor dem Landgericht. Er und sein Führungsgehilfe Jens M. (55) waren an jenem 25. Juni in die Eisenbahnstraße beordert worden, als das Lagezentrum der Polizei gegen 15 Uhr den Tipp erhalten hatte, dass Hells Angels in ihren Kutten ausgerechnet im Hoheitsgebiet der United Tribunes auflaufen – sich auf dem Freisitz einer Gaststätte an der Eisenbahn-, Ecke Neustädter Straße versammeln. „Das riecht nach Ärger“, hätten alle gewusst. „Ich bin von einer Schlägerei ausgegangen.“

Das lediglich aus den zwei Beamten bestehende Team entschloss sich, die 15 bis 20 Mann starke Hells-Angels-Gruppe anzusprechen. „Wir trinken hier Milch“, hätte einer geantwortet, so der Außendienstleiter. „Sie wirkten ruhig, waren aber nicht sonderlich gesprächig.“ Mike J. forderte daraufhin Einsatzkräfte an. Sein Ziel: „Ich wollte Platzverweise aussprechen.“ Daraufhin sollen drei Streifenwagen geschickt worden sein, zudem Bundespolizisten. Nach Schätzung von Mike J. waren dann 14 Beamte vor Ort. Für 16 Uhr sei ihm ein Einsatzzug der Bereitschaftspolizei zugesagt worden.

In Leipzig waren aufgrund des Udo-Lindenberg-Konzerts im Stadion viele Polizeikräfte gebunden. Doch bereits 15.30 Uhr hatte sich die Lage dramatisch zugespitzt. Etwa 15 bis 20 Anhänger der United Tribunes marschierten auf die Hells Angels zu. Er habe Sooren O., den er als Einzigen kannte, mit seinem Vornamen angesprochen. „Doch er reagierte nicht. Ich bin als Polizeibeamter nicht beachtet worden“, so der Außendienstleiter. Sooren O. habe einem Hells Angel einen Tritt und einen Faustschlag verpasst. „Im selben Moment zog ein anderer eine Pistole und schoss. Daraufhin legte ich auf den Schützen an. Ich wollte ihm gerade ins Gesicht schießen, als seine Schüsse aufhörten“, so Mike J. weiter. Der Schütze wurde festgenommen.

Laut Anklage soll es sich um einen Vergeltungsschlag der Hells Angels gehandelt haben, um sich für einen zuvor erfolgten Übergriff zu rächen. Mit weiteren Zeugen wird der Prozess am Mittwoch fortgesetzt.

Von Sabine Kreuz

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