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Tödlicher Drahtseilakt in Leipzig - Organisator: Passagenfest fortgesetzt, um Panik zu vermeiden

Tödlicher Drahtseilakt in Leipzig - Organisator: Passagenfest fortgesetzt, um Panik zu vermeiden

Leipzig. Seit Jahren schon vollführte er seine spektakuläre Kletter-Show. Saxofon spielend seilte sich Finn M. an Hausfassaden ab – teilweise aus über 100 Metern Höhe.

Doch an diesem Freitagabend in Leipzig endete der gefährliche Drahtseilakt tödlich. Nach dem fatalen Absturz des 49-jährigen Musikers aus Schweden beim Passagenfest ermittelt die Kriminalpolizei zur Ursache der Tragödie. Die Beamten bitten dabei auch um Hinweise aus der Bevölkerung.

Dutzende Besucher hatten sich am späten Freitagabend in der Reichsstraße vor Speck's Hof versammelt, um die Show des Musikers zu verfolgen. Vier Aufführungen waren geplant. Zwei Mal ging alles gut. Als M. gegen 22.50 Uhr zum dritten Mal über die Balkonbrüstung in 20 Metern Höhe stieg und aufrecht die Hauswand hinunter laufen wollte, riss plötzlich seine Sicherung. Die Zuschauer konnten kaum glauben, was sich da vor ihren Augen abspielte – manche dachten zunächst, der Absturz sei Teil der Show.

Passagenfest nicht abgebrochen, um Panik zu vermeiden

 

„Die eintreffenden Rettungskräfte konnten nur noch den Tod des Mannes feststellen“, sagte Polizeisprecherin Uta Barthel am Samstag. Sofort wurde der Unglücksort polizeilich abgesperrt – das Passagenfest lief jedoch bis gegen 24 Uhr weiter. Nach Informationen von LVZ-Online bekamen viele Geschäftsinhaber gar nichts von dem Unglück mit.

 

Mitorganisator Thomas Paarmann war vor Ort, als sich das Unglück ereignete. Vom Balkon aus musste er den tödlichen Sturz miterleben. „Unsere Leute haben sofort die Unfallstelle gesichert und die Rettungskräfte alarmiert“, sagte er am Samstag gegenüber LVZ-Online. In der Passage Speck’s Hof sei das Programm abgebrochen worden.

 

Über 100 Menschen, schätzt Paarmann, seien zu diesem Zeitpunkt am Unglücksort anwesend gewesen. Tausende waren in der gesamten Innenstadt unterwegs.

 

Die Entscheidung, das Passagenfest nicht abzubrechen, sondern „die Programmpunkte auslaufen zu lassen“ hätten Vertreter der Leipzig Tourismus und Marketing GmbH, als Veranstalter des Passagenfestes, sowie die Koordinatoren, Falk-Gert Pasemann und Thomas Paarmann, nach kurzer Rücksprache getroffen. “Wir wollten eine Panik unbedingt vermeiden“, sagte Paarmann. Ein abruptes Ende der Veranstaltung sei ihnen zu riskant erschienen. „Und ich glaube, das war auch die richtige Entscheidung.“

 

Spurensicherung und Suche nach der Unglücksursache

 

Bis in die Nacht hinein sicherten die Ermittler am Speck's Hof Spuren und befragten auch einen Kollegen von M., der für die Sicherung des Schweden zuständig war. Konkret wollte sich die Polizei nicht dazu äußern. Die Leiche des 49-jährigen Musikers wurde zur Obduktion in die Gerichtsmedizin gebracht.

 

Laut Barthel ist bislang noch unklar, was genau zu dem Unglück führte. „Es wird geprüft, ob ein Materialfehler vorlag, ob es zu einem Fehler bei der Absicherung kam oder es eine andere Ursache für den Absturz gab“, sagte die Polizeisprecherin. Erste Angaben, wonach eine Sicherheitsvorrichtung am Haltegurt gerissen sei, wollte Barthel gegenüber LVZ-Online nicht bestätigen.

 

Mit ersten Ergebnissen von Obduktion und Ursachensuche sei nicht vor Montag oder Dienstag zu rechnen, sagte Bartel.

 

2005 lief der Saxofonist einen 150 Meter hohen Turm hinab

 

Bei seinen spektakulären Drahtseil-Shows hatte M. jahrelange Erfahrung. So lief der Schwede im Jahr 2005 den knapp 150 Meter hohen Köln-Turm ebenfalls Saxofon spielend hinunter. Paarmann sei im Vorfeld mehrfach mit dem Künstler in Kontakt gewesen, habe ihn in Monaco, Mexiko und den USA erreicht. Seine Performance beim Passagenfest sollte einer der Höhepunkte des Abends werden – bei allen, die das Unglück beobachtet haben, sitzt nun der Schock tief.

 

Um den Fall aufzuklären, bittet die Polizei auch um Hinweise von Zeugen. „Es waren viele Leute vor Ort, die das Geschehen beobachtet haben“, so Barthel. Wer Hinweise zum Ablauf geben könne, wird gebeten sich bei der Polizeidirektion Leipzig in der Dimitroffstraße 1 oder telefonisch unter 0341 / 96 64 66 66 zu melden.

Robert Nößler/Christiane Lösch

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