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Polizeiticker Leipzig Tödlicher Streit in Leipziger Asylheim – Angeklagter fürchtet Vergeltung
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00:18 04.02.2016
Tatort Asylbewerberheim Leipzig-Eutritzsch: Hier wurde ein 18 Jahre alter Syrer getötet. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Waled H. leidet unter Alpträumen. Er habe „Angst vor Blutrache“, sagte der 25-jährige Angeklagte am Montag im Prozess um einen Streit mit tödlichen Folgen im Asylbewerberheim an der Zschortauer Straße in Eutritzsch. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Syrer vor, seinen Mitbewohner von Zimmer 210 am 4. Juli 2015 getötet zu haben. Mit einem abgebrochenen Weinglas soll er seinem Freund, einem nur 18 Jahre alten Landsmann, schwerste Stichverletzungen zugefügt haben. Eine Glasspitze war dabei bis ins Herz vorgedrungen, hatte Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller zum Prozessauftakt Mitte Dezember vorigen Jahres erklärt.

Waled H. fürchtet nun die Rache der Familie des Opfers, räumte er auf Nachfrage seines Verteidigers Curt-Matthias Engel am Landgericht ein. Nachdem der Beschuldigte im Juli in Untersuchungshaft genommen worden war, habe er weder etwas gegessen noch getrunken, sodass er ins Haftkrankenhaus verlegt und dort zunächst künstlich per Infusion ernährt werden musste. Nach wie vor wird er in der Klinik behandelt.

Zu seiner Person hat sich der Angeklagte am Montag erstmals geäußert, zu den Tatvorwürfen aber nach wie vor geschwiegen. Ob er den vorerst letzten anberaumten Prozesstag an diesem Donnerstag dazu nutzen wird, blieb offen.

Die Staatsanwaltschaft lastet dem 25-Jährigen Totschlag an. Nach den Hinweisen eines Psychiaters, dass der Angeklagte aber möglicherweise zur Tatzeit unter einer krankhaften seelischen Störung gelitten habe, muss die 1. Strafkammer des Landgerichts auch die Schuldfähigkeit des Mannes sowie seine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus prüfen. Schon in Syrien habe er Probleme mit den Nerven gehabt. „Ich kann mich nicht kontrollieren, nicht beherrschen bei Streit und Stress“, sagte er auf eine Frage des Vorsitzenden Richters Hans Jagenlauf. Die Anklagebehörde geht bisher davon aus, dass sich Waled H. und das spätere Opfer um Politik gestritten haben. Die genauen Hintergründe liegen aber noch im Dunkeln – trotz eines unmittelbaren Tatzeugen. Dessen Angaben zufolge hatten die Widersacher kurdisch miteinander gesprochen, er sie nicht verstanden.

Polizisten und Medizinern gelang damals zwar noch am Tatort, das schwer verwundete Opfer zu reanimieren. Aber schon auf dem Weg zum Krankenhaus kam es zum erneuten Kreislaufstillstand, berichtete der Notarzt am Landgericht.

Von Sabine Kreuz

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