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Tödlicher Streit in Leipziger Asylheim: Angeklagter schweigt

Landgericht Leipzig Tödlicher Streit in Leipziger Asylheim: Angeklagter schweigt

Nach dem Tod eines Syrers (18) in einem Leipziger Asylheim steht seit Donnerstag ein Landsmann vor Gericht. Dem 25-Jährigen wird vorgeworfen, ihn ihm Streit um Politik mit einem abgebrochenen Glas tödlich verletzt zu haben. Offenbar ist der Angeklagte psychisch krank, zum Prozessauftakt äußerte er sich nicht.

Das Landgericht Leipzig verhandelt den tödlichen Streit in einer Asylunterkunft vom Juli 2015.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  Nur so viel steht bislang fest: Ein Streit um politische Fragen endete am 4. Juli dieses Jahres mit einer Bluttat in einem Leipziger Asylheim. Worum es bei der Auseinandersetzung mit tödlichen Folgen in der Unterkunft in der Zschortauer Straße genau ging, konnten die Ermittler aber noch nicht aufklären. Wegen Totschlags an einem Landsmann steht seit Donnerstag ein 25 Jahre alter Syrer vor dem Landgericht Leipzig. Zum Prozessauftakt allerdings schweigt der Angeklagte zu den Vorwürfen, seinem Zimmernachbarn mit einem abgebrochenen Weinglas erhebliche Stichwunden zugefügt zu haben. „Eine Glasspitze drang dabei bis ins Herz vor“, sagt Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller. Das 18 Jahre alte Opfer erlag seinen schwersten Verletzungen.

Waled H., der seit dem Tattag in Untersuchungshaft sitzt, beantwortet vor Gericht mit leiser Stimme lediglich die Fragen der Richter nach seinen Personalien. Er sei Steinleger, ledig, so der Mann. „Zur Sache wird er sich am ersten Prozesstag aber nicht äußern“, stellt Verteidiger Curt-Matthias Engel gleich klar. Zunächst müssten er und Co-Verteidiger Martin Lindemann das komplette schriftliche Gutachten des Sachverständigen – eines Psychiaters – zur Kenntnis nehmen.

Wie der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf sagt, hat sich seit der Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft Ende August ein neuer Stand ergeben. Inzwischen bestehe der dringende Verdacht, dass der Angeklagte schon geraume Zeit unter einer akuten Psychose leidet und Stimmen hört. So habe möglicherweise zur Tatzeit eine krankhafte seelische Störung vorgelegen, die Auswirkungen auf die Schuldfähigkeit hat. Diese Erkenntnisse habe der mit der Begutachtung beauftragte Psychiater den zuständigen Richtern am 23. November mitgeteilt, nachdem er den Beschuldigten befragt und untersucht hatte. Das Gericht muss nun prüfen, ob auch die Unterbringung des Angeklagten in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht kommt. Hintergrund ist, dass der Mann auch weiterhin gefährlich für die Allgemeinheit sein könnte. Und zu prüfen ist im Falle des Tatnachweises außerdem die rechtliche Bewertung: vorsätzliches Tötungsdelikt oder Körperverletzung mit Todesfolge, für die die Strafandrohung weitaus geringer ist – weil das Opfer zwar verletzt, im Unterschied zum Mord oder Totschlag jedoch nicht getötet werden sollte.

Mit Hilfe eines unmittelbaren Tatzeugen versucht das Gericht zunächst, den Hergang des tödlichen Streits im Zimmer 210 zu klären. Hassan A. (23) berichtet, dass seine zwei Zimmerkollegen in jener Nacht kurz nach 3 Uhr plötzlich aufeinander losgegangen seien und er versucht habe, sie zu trennen. Er sei zwar auch Syrer, habe sie dennoch nicht verstanden. Beide seien Kurden, sie hätten kurdisch gesprochen. „Beide waren aufgeregt. Ich hatte aber nicht erwartet, dass Waled zusticht“, sagt der Zeuge. „Wir waren alle miteinander befreundet“, so der Mann. Waled H. wirkt während der Verhandlung oft teilnahmslos, starrt ins Leere.

Noch bis 4. Februar will das Gericht über den Fall verhandeln. Im Dezember 2014 waren die ersten Flüchtlinge in das Asylheim in Eutritzsch, in das einstige Signal-Iduna-Haus, eingezogen, in dem rund 200 Personen leben.

Von Sabine Kreuz

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