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Tragisches Unglück in der Goethestraße – Stadt Leipzig sieht keine Unfallhäufung

ADFC fordert Fahrradstreifen Tragisches Unglück in der Goethestraße – Stadt Leipzig sieht keine Unfallhäufung

Nach dem tragischen Unfall, bei dem am Donnerstag in Leipzig eine 48-jährige Radfahrerin ums Leben kam, ermittelt die Polizei wegen fahrlässiger Tötung. Die Stadt kennt die Straße als Nadelöhr und kontrolliert in dem Bereich täglich mehrfach.

Am Donnerstagabend wurde eine 48-jährige Radfahrerin in der Leipziger Goethestraße von einer Straßenbahn erfasst.
 

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig.  Nach dem tragischen Unfall in der Leipziger Goethestraße, bei der am Donnerstagabend eine 48-jährige Radfahrerin ums Leben kam, ermittelt die Polizei derzeit die genauen Umstände des Vorfalls. Anhand von mehreren Zeugenaussagen – darunter auch von einem Radfahrer, der am Donnerstag hinter der 48-Jährigen fuhr – ist aber schon klar: Die Frau war auf der Goethestraße einer plötzlich geöffneten Fahrertür eines am Straßenrand geparkten Autos ausgewichen. Die hinter ihr fahrende Straßenbahn konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen, die 48-Jährige geriet unter den Triebwagen.

Das Auto des Unfallverursachers stand zwar regelkonform im eingeschränkten Halteverbot, aufgrund der plötzlich und womöglich ohne Umsicht geöffneten Tür ermitteln die Beamten nun gegen den 54-jährigen Fahrer aber wegen fahrlässiger Tötung. Der Autofahrer erlitt am Donnerstagabend einen Schock, befindet sich derzeit in ärztlicher Behandlung, so ein Polizeisprecher gegenüber LVZ.de.

Verkehrs- und Tiefbauamt: Keine Unfallhäufung

Der Stadt ist die Goethestraße als Nadelöhr bekannt. Den engen Verkehrsraum teilen sich Bahnen, Auto- und Radfahrer sowie Fußgänger. Am Schwanenteich halten außerdem die Fernbusse. Trotzdem gebe es in der Goethestraße "keine Unfallhäufungsstelle", so Michael Jana, Leiter des Verkehrs- und Tiefbauamtes am Freitag gegenüber LVZ.de. Vergleichbare Unfallsituationen seien nicht bekannt, der Bereich sei nicht grundsätzlich unsicher.

Bahnen würden aber Radfahrer in Richtung Augustusplatz nicht überholen, weil zwischen den haltenden Fahrzeugen und Gleisen so wenig Platz zur Verfügung stehe. Auch nach dem Unfall vom Donnerstag stehe eine vollständige Sperrung der Goethestraße für Autofahrer nicht auf der Tagesordnung. Für die Erreichbarkeit der Tiefgarage unter dem Augustusplatz, von Läden etc. müsse der Straßenabschnitt generell zur Verfügung stehen.

Mit Blick auf das Unglück sagte Jana: "Meine Mitarbeiter und ich sind tief betroffen und in Gedanken bei den Angehörigen." Sobald der genaue Hergang des Unglücks geklärt sei, könne man mit der Polizei über Verbesserungen zur Verkehrssicherheit nachdenken.

Wie das Ordnungsamt auf Anfrage mitteilte, achte die Behörde in der Goethestraße schon jetzt intensiv auf die Einhaltung der Verkehrsregeln. Üblicherweise werde die Straße täglich mehrfach überprüft. Vergleichsweise viele Verstöße gegen Vorschriften zum Parken und im fließenden Verkehr machten das auch nötig. Selbst die intensiven Kontrollen könnten individuelles Fehlverhalten im Einzelfall aber leider nicht verhindern, so Behördenleiter Helmut Loris.

Park- und Halteverbote in der Goethestraße

  • Zwischen Goethestraße 1 und Grimmaischer Straße besteht Haltverbot (Zeichen 283 StVO). Hier darf nicht gehalten werden, auch nicht kurz oder ausnahmsweise, weil hier der Straßenraum zu schmal ist. Es beginnt der separate Bahnkörper der Straßenbahn, der nicht überfahren werden darf.
  • Zwischen Ritterstraße und Goethestraße 1 besteht Eingeschränktes Haltverbot (Zeichen 286 StVO). Hier darf nur zum Ein- und Aussteigen und zum Be- und Entladen gehalten werden. Ein- und Aussteigen sind sowie Be- und Entladen sind zeitlich nicht festgelegt. Es wird davon ausgegangen, dass insbesondere Be- und Entladen etwa 10 Minuten dauern kann. Es darf jedoch nicht geparkt werden. Es parkt, wer sein Fahrzeug verlässt oder länger als 3 Minuten hält (ausgenommen zu Zwecken des eingeschränkten Halteverbots).
  • Ausnahme in diesem Abschnitt ist von Ritterstraße bis Goethestraße 3/5 der Zeitraum von 18 bis 24 Uhr, in welchem das eingeschränkte Haltverbot für Busse nicht gilt. Diese können also, insbesondere für Operngäste gedacht, dort zwischen 18 und 24 Uhr parken. Quelle: Stadt Leipzig, Verkehrs- und Tiefbauamt

ADFC empfiehlt Radstreifen

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Leipzig hat die Goethestraße schon länger als eine besonders kritische Stelle für Radfahrer ausgemacht. „Das ist in der Tat ein neuralgischer Punkt“, erläutert der Vorsitzende Christoph Waack gegenüber LVZ.de, „den wir schon immer als Gefahrenpunkt wahrgenommen haben“. Das große Risiko für Radfahrer ergebe sich aus dem äußerst schmalen Fahrstreifen, der für sie zwischen parkenden Autos und der Straßenbahn zur Verfügung steht.

Allerdings ist eine Umgehung der Goethestraße nur schwer möglich. Die Straße diene schließlich für Radfahrer als Hauptverbindung zwischen Bahnhof und Augustusplatz, betont Waack. Zumal die parallel verlaufende Ritterstraße nur teilweise mit dem Fahrrad genutzt werden kann. Laut Waack sei es deshalb sinnvoll, den Bereich der parkenden Autos durch einen Fahrradstreifen zu ersetzen. Die Autos müssten dann im nahe gelegen Parkhaus untergebracht werden – die Stadt stehe hier in der Pflicht. Diese Empfehlung wolle der ADFC Leipzig nun mit Nachdruck aufgreifen.

Sperrungen in der Weihnachtszeit

Mit Beginn der Weihnachtszeit steigt der Passantenstrom in der Goethestraße Jahr für Jahr noch an – vor allem am Übergang von der Grimmaischen Straße zum Augustusplatz. Die Stadt kündigte an, dass an den Adventswochenenden die nördliche Mittelfahrbahn des Augustusplatzes und die Goethestraße in Höhe Brühl zeitweise für den Verkehr gesperrt werden. Die Einschränkungen gelten laut Ordnungsamt freitags von 16 bis 21 Uhr, samstags von 12 bis 21 Uhr und sonntags von 12 bis 20 Uhr.

Von Matthias Puppe / Evelyn ter Vehn / Matthias Klöppel

Leipzig Goethestraße 51.341331 12.380626
Leipzig Goethestraße
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