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Tragödie in Leipzig-Gohlis: Sozialarbeiter weist Schuld zurück

Verdurstetes Kind Tragödie in Leipzig-Gohlis: Sozialarbeiter weist Schuld zurück

Vor fast genau drei Jahren starben in Leipzig eine drogensüchtige Mutter und ihr kleiner Sohn. Erneut steht nun die Frage im Raum, ob das Jugendamt eine Mitschuld trifft. Im Berufungsprozess vor dem Landgericht bezeichnete der zuständige Sozialarbeiter die Tragödie am Donnerstag als "nicht vorhersehbar".

Ein 42-jähriger Sozialarbeiter steht nach dem Tod einer drogensüchtigen Mutter und ihres kleinen Sohnes in Leipzig erneut vor Gericht.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Eine junge Mutter stirbt in Leipzig an einem Drogencocktail, ihr zweijähriger Sohn verhungert und verdurstet in der Wohnung. Diese Tragödie ist inzwischen fast auf den Tag genau drei Jahre her - und noch immer ist nicht geklärt, ob das Jugendamt eine Mitschuld trägt. Am Donnerstag begann vor dem Landgericht Leipzig ein Berufungsprozess.

Ein beschuldigter Sozialarbeiter bestritt zum Auftakt erneut, dass er eine Verantwortung für das Drogen-Drama trage. „Ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck einer Gefährdung“, sagt der 42-Jährige. In erster Instanz war der Mann vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen zu 3600 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Er soll nicht genug unternommen haben, um das Leben des kleinen Jungen zu schützen. Auf Alarmzeichen, dass der 26 Jahre alten Mutter ihr Leben zunehmend außer Kontrolle geriet, habe er nicht angemessen reagiert.

Eine 42 Jahre alter Sozialarbeiter muss sich in Leipzig wegen des Todes einer drogensüchtigen Mutter und ihres Kindes verantworten.

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Der Sozialarbeiter legte Berufung ein. Er will einen Freispruch erreichen. Die Staatsanwaltschaft verlangt dagegen eine höhere Strafe. „Das, was wir in den nächsten Wochen zu verhandeln haben, ist kein alltäglicher Fall“, sagt Richter Klaus Kühlborn gleich zu Beginn. „Er berührt so ziemlich jeden, er berührt auch das Gericht.“ Und er habe auch eine gewissen „Breitenwirkung“ - Stadtverwaltungen warteten auf das Urteil.

Wann darf der Staat eingreifen und überforderten Eltern ein Kind wegnehmen? Wann macht sich ein Sozialarbeiter strafbar, wenn er mit einer Einschätzung daneben liegt - das sind Fragen, die über diesem Verfahren (AZ.: 9Ns 603 JS 32283/12) schweben. Der Sozialarbeiter wirkt im Gerichtssaal angespannt, aber gefasst. Ruhig und ausführlich schildert er seine Sicht der Dinge. Immer wieder betont er, dass er bei Mutter und Sohn keine Hinweise gesehen habe, dass etwas aus dem Ruder läuft. Die Mitteilung über den Tod der 26-Jährigen und des zweijährigen Kieron-Marcel im Juni 2012 „hat mich erschüttert, hat mich schockiert, weil ich ausgerechnet bei dieser Klientin das nicht erwartet hatte“, sagt der 42-Jährige.

In den nächsten Wochen will die 9. Strafkammer zahlreiche Zeugen hören, darunter den damaligen Chef des Leipziger Jugendamtes, Kollegen des Sozialarbeiters und Polizisten, die Monate vor dem Tod der Frau zu einem Einsatz gerufen wurden, weil die Frau im Wahn Möbel aus ihrer Wohnung warf. Das Landgericht beschäftigt nach Auskunft von Richter Kühlborn derzeit auch noch eine zweite Facette der Tragödie. Die Staatsanwaltschaft hat den Dealer, der der 26-Jährigen die Drogen verschafft und sie auch mit dem letzten, tödlichen Drogenmix aus Heroin und Kokain versorgt haben soll, angeklagt. Über die Eröffnung dieses Prozesses ist aber noch nicht entschieden worden. Birgit Zimmermann

AZ.: 9Ns 603 JS 32283/12

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