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Trotz Rückgang: Kriminalität in Leipzig auf zweithöchstem Stand seit 2000

Drogen, Einbrüche & Co. Trotz Rückgang: Kriminalität in Leipzig auf zweithöchstem Stand seit 2000

Nach dem Jahr 2016, als in Leipzig die Kriminalität um mehr als 20 Prozent zunahm, gingen nun die Fallzahlen wieder zurück. Die Polizei meldete am Montag Rückgänge bei Diebstählen, Raub und Körperverletzungen. Polizeichef Bernd Merbitz sieht aber auch Grund zur Besorgnis.

Kiffen ist auf dem Vormarsch: Die Zahl der Cannabis-Fälle in Leipzig hat enorm zugenommen, weil der Stoff von Crystal-Konsumenten als „Downer“ verwendet wird.

Quelle: dpa

Leipzig. Im Schnitt sind es 217 Delikte pro Tag: Die Zahl der Straftaten in der Stadt Leipzig ist im Jahr 2017 um 10,4 Prozent gesunken. 79.383 Fälle erfasste die Polizei, 9232 weniger als 2016. Damals war die Kriminalität in der Stadt um mehr als 20 Prozent auf 88.615 Fälle angewachsen.

„Der Rückgang der Fallzahlen ist erfreulich“, erklärte Polizeipräsident Bernd Merbitz am Montag, „da ich diesen nicht für eine ausschließlich statistische Schwankung halte, sondern auch auf die erfolgreiche Arbeit der Polizeidirektion Leipzig, eine intensiv täterorientierte Sachbearbeitung und die ausgeprägte Vernetzung mit verschiedenen Kooperationspartnern zurückführe.“ Gleichwohl steche die Situation im Stadtgebiet von Leipzig weiterhin in auffälligem Maße heraus.

In der Tat: Die Kriminalität in Leipzig befindet sich auf dem zweithöchsten Stand seit dem Jahr 2000.

Morde: Zehn Mordfälle sind in der aktuellen Statistik für 2017 erfasst – einer weniger als im Jahr zuvor. So tötete Ghulam Abas R. (39 Jahre) am 11. August seine im achten Monat schwangere Ehefrau (34) mit vier Messerstichen. Das Urteil ist rechtskräftig. Noch ungelöst ist der Mord an dem Leipziger Stefan M., der am 1. Oktober 2017 vor seinem Haus in der Eduardstraße 1 erstochen wurde. Insgesamt wurden 30 Straftaten gegen das Leben registriert.

Raub und Körperverletzung: Abgenommen hat die Zahl der Raubstraftaten von 657 auf 537. Auch bei Fällen der gefährlichen und schweren Körperverletzung gab es einen Rückgang von 1488 auf 1285 Delikte. Die Zahl der vorsätzlichen einfachen Körperverletzungen sank von 3096 auf 2954. Rückläufig war die Entwicklung ebenso bei Nötigung (von 757 auf 706) und Bedrohung (von 795 auf 661).

Sexualdelikte: Explodiert sind die Fallzahlen bei Vergewaltigung und schwerer sexueller Nötigung. Gelangten 2016 noch 29 Fälle zur Anzeige, waren es ein Jahr darauf 115. Auch Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern nahmen zu – von 110 auf 121. Insgesamt konstatierte die Polizei bei den sogenannten Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung 450 Delikte – ein Plus von 51.

Diebstähle: Sie dominieren laut Polizeichef Merbitz weiterhin die breite Palette der Kriminalität. Doch auch hier ist ein Rückgang zu verzeichnen: 44.967 Diebstähle wurden 2016 registriert, ein Jahr darauf waren es noch 43.002. Während etwa Ladendiebstahl (von 6786 auf 6609) und Wohnungseinbruchsdiebstahl (von 2179 auf 1917) zurückgingen, wuchs die Zahl der Fahrraddiebstähle (von 9642 auf 10.027) und der Diebestouren auf Baustellen (von 617 auf 684).

Auto-Aufbrüche: 486 Fahrzeuge wurden im Jahr 2017 entwendet – das waren 188 weniger als im Vorjahr. Auch die Zahl der Diebstähle aus Autos sank von 6115 auf nunmehr 5485. Dennoch ist der Schaden immens: Die gestohlenen Fahrzeuge hatten einen Gesamtwert von 7,9 Millionen Euro. Bei Aufbrüchen entstanden Schäden in einer Gesamthöhe von rund 5,3 Millionen Euro.

Drogendelikte: Massiv zugenommen haben Delikte mit Cannabis-Produkten wie Marihuana und Haschisch. Allein hier war 2017 ein Plus von 874 auf 1585 Fälle zu verzeichnen. Die Polizei erklärt das damit, dass Cannabis als „Downer“ nach vorherigem Konsum von Methamphetamin (Crystal) verwendet wird. Die Crystal-Fälle wuchsen von 626 auf 725 an. Auch bei Heroin (von 104 auf 118) und Kokain/Crack (von 42 auf 87) gab es Zuwächse. Insgesamt 2598 Drogendelikte zählte die Polizei. Fünf Abhängige kamen ums Leben, überwiegend durch Heroin-Überdosis. Das Rauschgiftproblem sorgt laut Merbitz auch für eine ausgeprägte Beschaffungskriminalität, was sich in den hohen Diebstahlszahlen, aber auch bei Raub und Betrug widerspiegele.

Aufklärungsquote: 45,4 Prozent aller Straftaten konnten aufgeklärt werden – weniger als im Jahr zuvor (47,2 Prozent). So wurden 45,7 Prozent der einfachen Diebstahlsfälle gelöst, aber beispielsweise nur 8,5 Prozent der Diebstähle aus Fahrzeugen.

Tatverdächtige: 21.825 Tatverdächtige wurden ermittelt. Der Anteil der Ausländer lag bei 33,6 Prozent (Vorjahr: 40,2 Prozent) bei einem Bevölkerungsanteil von rund 9,5 Prozent. Unter ihnen befinden sich 2720 Tatverdächtige (Vorjahr: 6008) im Zusammenhang mit ausländerrechtlichen Vergehen wie Verstößen gegen das Asyl- und Aufenthaltsrecht.

Von Frank Döring

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