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Überraschung in Leipziger Mordprozess – Leiche aufgetaucht

Wende am Landgericht Überraschung in Leipziger Mordprozess – Leiche aufgetaucht

Überraschung im Prozess um den sogenannten „Mord ohne Leiche“ am Leipziger Landgericht: Wie am Mittwoch bekannt wurde, ist der Leichnam des Mordopfers in Sachsen-Anhalt entdeckt worden. Länger unterbrochen oder gar ausgesetzt wird die seit August 2016 laufende Verhandlung aber nicht.

Der Leichenfund hat die Prozessbeteiligten am Landgericht am Mittwoch überrascht.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig.  Als am Mittwoch um 13 Uhr am Landgericht der 19. Verhandlungstag im Prozess um den Mord an einem afghanischen Dolmetscher begann, hatte Staatsanwalt Klaus-Dieter Müller die wichtigste E-Mail des Tages noch gar nicht gelesen. Um 12.38 Uhr war das Gutachten der Rechtsmedizin zu einem Leichenfund in Sachsen-Anhalt eingegangen. Bei dem Toten handelt es sich einer DNA-Analyse zufolge um Farhad S. (30) – jenen Mann, den die drei Angeklagten aus Habgier getötet haben sollen. Der Fall um den sogenannten „Mord ohne Leiche“ hatte eine überraschende Wendung erfahren.

Bislang war die seit 16. August 2016 laufende Hauptverhandlung gegen die drei Syrer Entessar A. (39), Tochter Santa (17) sowie deren Freund Mohammad A. (22) ein zäher Indizienprozess. Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Flüchtlingen vor, Farhad S. sowohl mit bloßen Händen als auch mit einem Messer umgebracht zu haben. Als Tatort sehen die Ermittler die Wohnung von Entessar A. und ihrer Tochter Santa im Leipziger Gerichtsweg an. Laut Staatsanwaltschaft hatte die damals 14-jährige Santa A. den Dolmetscher, der für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) tätig war, im August 2013 in einem Asylbewerberheim in Chemnitz kennengelernt und mit dem deutlich älteren Mann eine sexuelle Beziehung. Obwohl Mutter und Tochter im Juni 2014 nach Leipzig gezogen waren, blieb das Mädchen mit dem wohlhabenden Dolmetscher in Kontakt. Unter dem Vorwand, dass ihn Santa A. noch immer lieben würde, soll Farhad S. nach Leipzig gelockt und hier ermordet worden sein. Die Anklage geht von einer Tatzeit zwischen dem 27. November 2015, 21.30 Uhr, und dem 28. November, kurz nach 2 Uhr, aus. Anschließend räumten die Angeklagten nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft das Konto des Opfers leer und plünderten dessen Chemnitzer Wohnung. Den Audi A 3 des Afghanen verkauften sie. Mit dem weißen BMW 6er des Mordopfers wurde Mohammad A. geblitzt. Gegenüber der Kripo erklärte der syrische Flüchtling, sein guter Freund Farhad S. habe Geld gebraucht und ihm deshalb den Wagen für 45 000 Euro verkauft, berichtete ein Ermittler gestern im Prozess. Das Geld habe er von seinem Vater, der in Saudi-Arabien gut verdiene. Zu den Tatvorwürfen schwiegen die Angeklagten bisher.

Ob der Leichenfund neue Erkenntnisse zur Aufklärung des Falles liefert, war am Mittwoch zunächst noch offen. Eine Forstarbeiterin hatte den skelettierten Leichnam bereits am Mittwoch voriger Woche in einem Waldstück im Külzauer Forst an der Autobahn 2 bei Burg entdeckt, berichtete die Magdeburger „Volksstimme“, dessen Identität war anfangs aber noch unklar. „Wir wissen bislang nicht mehr als Sie, haben noch nichts Beweisbares“, sagte gestern der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Verteidiger Endrik Wilhelm und seine Kollegen beantragten eine Unterbrechung der Hauptverhandlung aufgrund einer „völlig neuen Prozesssituation“. Bevor weitere Zeugen gehört werden, müsse das Ergebnis der Obduktion bekannt gegeben werden. Aus Sicht der Staatsanwaltschaft habe sich durch den Fund des Leichnams an der Grundlage des Verfahrens nichts geändert. Am Mittwochnachmittag wurde der Prozess für etwa eine halbe Stunde unterbrochen, um allen Verfahrensbeteiligten das rechtsmedizinische Gutachten aushändigen zu können. Laut Gericht soll das Ergebnis der Obduktion an einem der nächsten Verhandlungstage von einem Rechtsmediziner vorgestellt werden. Davon abgesehen soll der Prozess wie geplant fortgesetzt werden – bis weit in den Sommer hinein mit einer Vielzahl von Zeugen.

Von Frank Döring

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