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Umgestürzter Kran geborgen – Leipziger Nikolaistraße ab Dienstagabend passierbar

Umgestürzter Kran geborgen – Leipziger Nikolaistraße ab Dienstagabend passierbar

Der umgestürzte Kran in der Leipziger Innenstadt ist am Dienstagnachmittag geborgen worden.

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Trümmerfeld in der Nikolaistraße: Nach dem tödlichen Kran-Unglück in Leipziger Innenstadt läuft die Suche nach der Ursache.

Quelle: dpa

Leipzig. Danach wurde mit der Reinigung der Unglücksstelle begonnen. Wie Polizei und Stadt mitteilten, soll die Nikolaistraße ab Dienstagabend, 20 Uhr, wieder für die Fußgänger und den Lieferverkehr geöffnet werden. Das Baufahrzeug war am Sonntagmorgen umgekippt, dabei wurde der Führer des Krans getötet. Die Suche nach der Unglücksursache läuft.

Bereits am Montag nach dem Aufrichten des Fahrzeugs nahmen Ermittler der Kriminalpolizei, Dekra-Gutachter und Arbeitsschutz-Spezialisten der Landesdirektion die Arbeit auf. Noch ist unklar, warum der 100-Tonnen-Koloss in der Nikolaistraße umstürzte und den 53-jährigen Kranfahrer in den Tod riss. Der Unfall hätte nach Informationen von LVZ-Online jedoch noch weitaus schlimmer enden können.

Augenzeugen zufolge war die Absperrung rund um den Autokran nicht vorschriftsmäßig eingerichtet. Demnach war nur ein kleiner Bereich der Nikolaistraße kurz vor der Ecke zum Brühl für Fußgänger dicht. Die Absperrung umfasste lediglich den direkten Arbeitsbereich wenige Meter vor und hinter dem Kran, nicht jedoch die gesamte Reichweite des bis auf 52 Meter Länge ausfahrbaren Teleskopauslegers. Dies hätte jedoch der Fall sein müssen.

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Leipzig. Der ist am Dienstagnachmittag geborgen worden. Danach wurde mit der Reinigung der Unglücksstelle begonnen. Wie Polizei und Stadt mitteilten, soll die Nikolaistraße ab Dienstagabend, 20 Uhr, wieder für die Fußgänger und den Lieferverkehr geöffnet werden. Das Baufahrzeug war am Sonntagmorgen umgekippt, dabei wurde der Führer des Krans getötet. Die Suche nach der Unglücksursache läuft.

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Ausleger begrub Freisitz unter sich

„Der Arbeitsbereich des Kranes ist abzusperren“, bestätigte Wolfgang Beringer vom Hersteller Liebherr am Montag im Interview mit der LVZ. Bei dem Unglück krachte der ausgefahrene Kranarm auf die Nikolaistraße und begrub den Freisitz eines italienischen Restaurants unter sich. Das Lokal war zum Unglückszeitpunkt geschlossen. Wie durch ein Wunder wurden keine Fußgänger verletzt.

Laut Verkehrs- und Tiefbauamt hatte der Bauherr eine Sperrung von der Einmündung Brühl bis zu den Hausnummern 33/37 in der Nikolaistraße beantragt und für den vergangenen Sonntag auch die Erlaubnis bekommen. "Das Arbeiten ist nur innerhalb der genehmigten Fläche zulässig", erklärte Amtsleiter Michael Jana. Darüber hinausgehende Gefährdungen seien nicht absehbar gewesen.

Ulrike Thamm, die kurz vor dem Unglück noch durch die Nikolaistraße gelaufen war, berichtete gegenüber LVZ-Online: „Ich wusste nicht einmal, dass die Straße am Baukran nicht passierbar war, denn das Schild ‚Kein Durchgang für Fußgänger’ ist relativ klein und war für mich erst zu erkennen, als ich schon ein ganzes Stück die Straße hinuntergegangen war.“ Die Absperrung vor dem Ausleger sei erst nachträglich von der Polizei eingerichtet worden.

Hersteller hält Überlastung für unmöglich

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Der am Sonntag umgekippte Kran wurde bis zum Montagmorgen aufgerichtet.

Quelle: Dirk Knofe

Ob der Kran überlastet wurde, ist bislang noch unklar. Vom Hersteller wird dies jedenfalls ausgeschlossen. Bei dem 2008 ausgelieferten Fahrzeug vom Typ LTM 1100-5.2 sei so etwas technisch nicht möglich, so Liebherr-Sprecher Beringer. Der Kran habe eine Überlastanlage, die eine selbstständige Abschaltung auslöse, wenn das Fahrzeug in einen kritischen Zustand gebracht werde. „Die Technik erkennt, wenn der Kran an diese Grenze herankommt und schaltet die Bewegung ab. Das heißt, der Kranfahrer kann den Kran nicht überlasten“, so Beringer.

Die Bergung des Fahrzeugs gestaltet sich komplizierter als gedacht. „Nach derzeitigen Erkenntnissen wird der Einsatz wesentlich länger dauern“, teilte Polizeisprecherin Birgit Höhn mit. Da das Fahrzeug zunächst wieder fahrbereit gemacht und teilweise demontiert werden müsse, sei frühestens am Dienstag oder Mittwoch damit zu rechnen. Durch den Umsturz liefen große Mengen an Hydraulikflüssigkeit aus. Der Ausleger wurde mit schwerem Gerät abgetrennt, um ein Aufrichten des Krans zu ermöglichen. Für die Dauer der Bergungsarbeiten bleibt die Nikolaistraße gesperrt. Der Kran soll beschlagnahmt und auf einem Firmengelände kriminaltechnisch untersucht werden.

Kran hatte schwere Betonplatten am Haken

Das Unglück ereignete sich am Sonntag gegen 9.50 Uhr, als ein größerer Baukran im Innenhof eines neuen Hotels in der Nikolaistraße abgebaut werden sollte. Mehrere Gegengewichte aus Beton hatte der der fünfachsige Autokran am Haken, als sich die Front des Fahrzeugs hob und das Fahrzeug mit ausgefahrenen Stützfüßen nach hinten kippte. Der 53-jährige Kranführer wurde in seiner Kanzel eingeklemmt und tödlich verletzt.

Die Leiche des Mannes, die erst nach 19 Stunden in der Nacht zum Montag geborgen werden konnte, wird nun in der Rechtsmedizin untersucht. Ein Bauarbeiter, der auf dem Kran arbeitete, hatte sich in letzter Sekunde noch durch einen Sprung retten können. Der schwer verletzte 57-Jährige sowie zwei 34 und 53 Jahre alte Kollegen, die das Unglück mit angesehen hatten, wurden in eine Klinik gebracht.

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In München kam es am Montag ebenfalls zu einem Kran-Unglück, bei dem ein Fahrzeug ins Kippen geriet.

Quelle: dpa

In München kam es am Montag zu einem ähnlichen Unglück. Hier kippte ein Kran ebenfalls mit ausgefahrenem Ausleger längs auf eine im Rohbau befindliche Baustelle, stürzte jedoch nicht komplett um. Verletzt wurde bei dem Unfall im Stadtteil Berg am Laim niemand. Die Ursache ist auch hier noch unklar.

Das vollständige Interview mit Liebherr-Sprecher Wolfgang Beringer lesen Sie in der Dienstagsausgabe der LVZ oder im E-Paper.

nöß/mro/A.T.

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