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Unfallopfer falsch beatmet: Leipziger Notarzt wird nach Tod eines Patienten freigesprochen

Unfallopfer falsch beatmet: Leipziger Notarzt wird nach Tod eines Patienten freigesprochen

Der Prozess gegen einen Notarzt aus Leipzig endete am Mittwoch mit Freispruch vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung eines Patienten. Das Amtsgericht folgte damit der Ansicht der Verteidigung; die Anklagebehörde indes hatte auf schuldig plädiert.

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Quelle: dpa

Leipzig. Amtsrichterin Claudia Webers wie auch Staatsanwältin Tanja Lötschert waren zunächst einhelliger Meinung, dass ein Fehler bei der Beatmung eines Unfallpatienten am 12. Juni 2013 in der Südvorstadt zu seinem Tod geführt hatte. Bei dem verunglückten Motorradfahrer (48), einem Bauunternehmer aus Leipzig, war der Tubus in die Speise- statt Luftröhre eingeführt worden. Aufgrund des Sauerstoffmangels erlitt der Patient einen irreparablen Hirnschaden. "Diese Fehl-Intubation war todesursächlich", sagte die Staatsanwältin. An der Kausalität hatte auch das Gericht keinen Zweifel. Dass der Beatmungsschlauch beim Transport verrutscht sein könnte, wie Verteidigerin Constanze Dahmen argumentiert hatte, schloss Richterin Webers "selbst bei diesen Schlaglöchern in der Stadt aus".

Unterschiedlich waren dann jedoch die Auffassungen darüber, ob der Notarzt - von Hause aus Facharzt für Chirurgie - den Fehler hätte erkennen und beheben können. Staatsanwältin Lötschert sagte "ja", weil der 52-Jährige die Kohlendioxidmessung mit einem EKG-Gerät, dem Lifepak 15, unterlassen habe. Der Rettungswagen der Johanniter sei damit laut Ralph Schröder, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Leipzig, ausgestattet worden. "Dem Angeklagten war gar nicht bewusst, dass diese Methode zum medizinischen Standard gehört", so Lötschert. Richterin Webers war (wie auch die Verteidigerin) aber nicht davon überzeugt, dass dieses Gerät an dem Unfalltag auch tatsächlich an Bord war. "Dieser Nachweis kann nicht geführt werden", sagte sie. Rettungssanitäter sowie weitere Zeugen waren unschlüssig oder konnten keine Angaben dazu machen. Webers zeigte sich daher "mit dem Ergebnis der Beweisaufnahme unzufrieden".

Einige Dinge würden im Dunkel liegen. Auch der Notarztwagen vom Krankentransport Ost/West habe seinerzeit nicht über ein Kohlendioxidmessgerät verfügt, was die Richterin als "in höchstem Maße irritierend" bezeichnete, weil es vorgeschrieben war. Einem Sachverständigen zufolge gab es bereits seit 2005 Leitlinien und Vorschriften, doch in der Stadt Leipzig habe sich bei der Fahrzeugausstattung über Jahre nichts getan. Die Witwe war "sehr enttäuscht" über den Ausgang des Prozesses. "Ärzte stehen offenbar unter einem besonderen Schutz. Es hätte mir sehr geholfen, wenn der Angeklagte gesagt hätte, es tue ihm leid", so die Frau.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.04.2015

Sabine Kreuz

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