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Polizeiticker Leipzig Unscharf und überbelichtet: Leipziger Polizei kritisiert Bilder aus Überwachungskameras
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Unscharf und überbelichtet: Leipziger Polizei kritisiert Bilder aus Überwachungskameras
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23:17 23.04.2014
Überwachungskameras liefern oftmals unscharfe Aufnahmen, mit denen die Leipziger Polizei dann fahnden muss. Quelle: Michael Kappeler (Symbolbild)

Die Leipziger Kripo muss mit teilweise unscharfen Fotos zum Beispiel seit Anfang März nach zwei bewaffneten Bankräubern fahnden, die im Dezember 2013 und im Februar 2014 Filialen der Sparkassen in der Lützner Straße und in der Arnoldstraße überfallen haben.

"Kann die Sparkasse denn nicht in ordentliche Überwachungskameras investieren?", fragte deshalb etwa LVZ-Leser Werner Pollandt. "Moderne Kameras liefern inzwischen selbst in fast völliger Dunkelheit exzellente Fotos und Videos, aber die veröffentlichten Überwachungsbilder sehen meist aus, als wären sie mit einer Camera obscura aufgenommen."

Doch nach Auskunft der Sparkasse ist kaum noch Luft nach oben. "Um für unsere Kunden ein modernes und sicheres Beratungs- und Serviceangebot zu gewährleisten, investieren wir jedes Jahr hohe sechsstellige Beträge in die Instandhaltung und Modernisierung unserer Standorte und unserer Technik", so eine Sprecherin auf Anfrage. Allein 2010 habe die Sparkasse Leipzig für sechs Millionen Euro ihre Datennetzwerke und das Automatennetz komplett modernisiert.

"Auch die eingesetzten Kameras entsprechen dem aktuellen Standard der Technik und werden regelmäßig gewartet", versicherte die Sprecherin. "Unsere Kameras liefern Bilder mit einer Auflösung, die grundsätzlich eine gute Erkennbarkeit sicherstellt. Werden Einzelbilder aus Videoaufnahmen für Veröffentlichungen oder Reproduktionen verwendet, so kann dies zu einer geminderten Qualität führen."

In Polizeikreisen wird man deutlicher. "Gerade die Sparkasse gehört zu den Einrichtungen, die mit die schlechtesten Bilder haben", so ein Ermittler gegenüber der LVZ. "Allerdings hat sie auch mit Abstand die meisten Filialen, was bei der modernsten Technik einen enormen Kostenfaktor bedeutet." Zwar gebe es durch spezielle Software auch Möglichkeiten, dürftiges Bildmaterial aufzuwerten. Jedoch keineswegs in dem Umfang, wie es in TV-Krimiserien zu sehen ist, wo völlig verpixelte Fotos mit einem Mausklick knackscharf werden.

Allerdings sei die Qualität der Aufnahmen aus Überwachungskameras generell überwiegend schlecht, so die Polizei, die Sparkasse stehe mit dem Problem keineswegs allein da. Beispielsweise seien die wachenden Linsen häufig so ungünstig platziert, dass die Aufnahmen aufgrund der Raumbeleuchtung hoffnungslos überbelichtet sind.

In nicht wenigen Fällen verzichten die Ermittlungsbehörden aus Qualitätsgründen darauf, Aufnahmen zur Öffentlichkeitsfahndung an regionale oder bundesweite Medien zu geben. Und selbst wenn: "Manche der Gesuchten werden erkannt", so ein Beamter, "viele aber auch nicht." Es gebe jedoch auch positive Beispiele: Selbst einige kleinere Geschäfte haben nach Informationen der Polizei in hochwertige Überwachungstechnik investiert, um effizient gegen Taschen- und Ladendiebe vorgehen zu können. Auch Tankstellen verfügten überwiegend über Spitzentechnik, damit die Kameras bei Spritklau verwertbare Beweise liefern.

Limitiert sind hingegen die Möglichkeiten, durch bessere Technik EC-Karten-Betrug einzudämmen. "Wenn man die Geldautomaten mit Erkennnungstechnik so ausrüstet, dass nur an Personen ausgezahlt wird, die eindeutig zu erkennen sind, hätten Kriminelle, die sich mit Sonnenbrille und Schal vermummen, keine Chance", glaubt LVZ-Leser Pollandt. "Die Geldkartendiebstähle würden dadurch von heute auf morgen aufhören." Tatsächlich gibt es nach Auskunft der Polizei sogar Technik, die eine solche Gesichtserkennung ermöglicht. Diese würde etwa auf bestimmten Flughäfen eingesetzt, sei jedoch sehr teuer.

Für eine Einrichtung wie die Sparkasse mit einem gewaltigen Netz an Geldautomaten wäre dies finanziell wohl nicht zu stemmen. "Die Geldautomaten der Sparkasse Leipzig sind mit zahlreichen Sicherheitsmodulen ausgerüstet, um möglichen Manipulationen vorzubeugen", so eine Sprecherin. "Eine Prüfung der Verfügungsberechtigung der Sparkassen-Card am Geldautomaten erfolgt wie üblich über die PIN. Eine Identifikation am Geldautomaten über Kameras ist nach allgemeinem technischen Stand nicht vorgesehen und würde unter Umständen bestimmte Bevölkerungsgruppen diskriminieren."

Von den zwei bewaffneten Räubern fehlt nach den Überfällen auf Sparkassen im Dezember und Februar übrigens noch immer jede Spur. Es gebe keinerlei Hinweise, so die Polizei, weder ohne noch mit Fahndungsfoto.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.04.2014

Frank Döring

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