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Vater getötet: Sohn bittet um Bewährung

Prozess in Leipzig Vater getötet: Sohn bittet um Bewährung

Weil er seinen pflegebedürftigen Vater erschlagen haben soll, will die Staatsanwaltschaft einen Leipziger (39) zwölf Jahre hinter Gitter schicken. Doch der Angeklagte bat das Gericht vor der Urteilsverkündung um eine Bewährungsstrafe.

Angeklagter Maik V. kommt in Handschellen in den Gerichtssaal. Er soll seinen Vater getötet haben.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Der hilflose Rentner starb qualvoll, während sein Sohn daneben saß und jede Hilfe versagte: Ein 39 Jahre alter Leipziger soll wegen des gewaltsamen Todes seines Vaters für zwölf Jahre hinter Gitter. Die Staatsanwaltschaft forderte am Freitag im Prozess gegen Maik V. eine Verurteilung wegen Totschlags sowie Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung. Die Verteidigung plädierte hingegen auf eine Bewährungsstrafe.

Laut Anklage soll Maik V. am 28. März dieses Jahres seinen an Alzheimer, Demenz und Diabetes leidenden Vater mit einem Kantholz erschlagen haben, nachdem er ihn bereits Tage zuvor damit traktiert hatte. Paul V. (72) erlitt stark blutende Wunden an Kopf und Oberkörper, eine Hirnprellung und ein Hirnödem. Am frühen Morgen des 30. März starb der Rentner. „Es ist bei solchen Fällen immer ein ganz großer Schuss Tragik dabei“, so Staatsanwalt Ulrich Jakob in seinem Plädoyer. „Aber die tragische Figur ist hier nicht der Angeklagte, sondern sein Vater.“

Maik V. lebte bereits zeitweise nach dem Tod der Mutter mit seinem Vater im Elternhaus. Als der Senior Ende 2016 in einem stark verwahrlosten Zustand aufgegriffen wurde und ein Notarzt die Einweisung in ein Krankenhaus veranlasste, schaltete sich auch die Stadt Leipzig ein. Die Folge: Paul V. erhielt einen Platz im Städtischen Altenpflegeheim „Martin Andersen Nexö“. Rund 950 Euro habe der Aufenthalt monatlich gekostet, so Jakob, 1400 Euro Rente habe Paul V. erhalten. „Es war bezahlbar, aber der Angeklagte brauchte das Geld seines Vaters“, erklärte der Staatsanwalt. Maik V. soll durch seine Kaufsucht und aufgrund früherer Straftaten erhebliche Schulden durch Gerichts- und Anwaltskosten haben. „Es war mitnichten pure Nächstenliebe, dass er ihn in seine Wohnung holte.“ Denn in einem Betreuungsverfahren sei es auch darum gegangen, dass dem stark pflegebedürftigen Paul V. ein Betreuer zugeteilt worden wäre und sein Sohn den Zugriff auf das Vermögen seines Vaters verloren hätte. Ende Februar 2017 wurde der Heimplatz gekündigt und Maik V. quartierte seinen Vater im Wohnzimmer seiner Wohnung in der Lindenauer Josephstraße ein.

Aus Sicht der Anklagebehörde war es schließlich eine Mischung aus Verärgerung und Überforderung, durch die sich Maik. V., der zur Tatzeit unter laufender Bewährung stand, zu den massiven Übergriffen auf seinen Vater hinreißen ließ. Für Staatsanwalt Jakob ist auch ein Tötungsvorsatz gegeben. Und was besonders schwer wiege: Maik V. ließ seinen Vater mit den stark blutenden Wunden einfach liegen und beschäftigte sich keine zwei Meter entfernt mit seinem Computer.

Noch im Ermittlungsverfahren hatte Maik V. gegenüber der Polizei ein weitreichendes Geständnis abgelegt und Schläge auf den Kopf seines Vaters eingeräumt. Vor Gericht wollte er davon nichts mehr wissen und gab lediglich Schläge gegen den Oberkörper zu. Die Kopfverletzungen seien durch Stürze entstanden. Verteidigerin Vanina Seidel berief sich auf den Sachverständigen, der die Todesursache nicht sicher eingrenzen könne. „Ein Totschlag durch aktives Tun ist nicht gegeben. Man kann nicht zweifelsfrei sagen, dass er verantwortlich dafür ist, dass sein Vater nicht mehr lebt.“ Zudem sei nicht nachweisbar, dass Paul V. länger am Leben geblieben wäre, wenn sein Sohn sofort medizinische Hilfe angefordert hätte. Ihr Mandant sei deshalb lediglich wegen gefährlicher Körperverletzung und unterlassener Hilfeleistung zu verurteilen. Seidel plädierte auf 17 Monate Haft auf Bewährung und forderte eine Aussetzung des Haftbefehls, da sich Maik V. einer Operation unterziehen müsse.

Der Angeklagte gab am Ende eine umfassende Erklärung ab, in der er beteuerte, die Untersuchungshaft zu nutzen, um sein Leben in den Griff zu bekommen. „Ich habe mit meiner kriminellen Karriere abgeschlossen. Für den Verstoß meiner Betreuungspflicht entschuldige ich mich.“ Sein Vater habe nach dem Tod der Mutter jeglichen Lebensmut verloren und keinen Arzt gewollt. Mehrfach bat er das Gericht um eine Bewährungsstrafe – und vergaß nicht, um die Herausgabe seines beschlagnahmten Computers und seiner Handys zu bitten. Die 1. Strafkammer verkündet ihr Urteil am nächsten Mittwoch.

Von Frank Döring

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