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Vater muss zehn Monate ins Gefängnis – achtjährigen Sohn geschlagen

Landgericht Leipzig urteilt Vater muss zehn Monate ins Gefängnis – achtjährigen Sohn geschlagen

„Er machte, was er wollte“, sagt der Vater über seinen Sohn. Da war der Kleine acht Jahre alt. Als es mal wieder schlechte Nachrichten aus der Schule gab, rastete der Alleinerziehende in der Wohnung im Leipziger Osten aus. Er versetzte dem Kind mehrere Faustschläge gegen den Brustkorb, holte zudem mit einem Gürtel aus.

Ein Fall für Strafrichter des Landgerichts – Kindesmisshandlung in Leipzig.

Quelle: dpa

Leipzig. „Er machte, was er wollte“, sagt der Vater über seinen Sohn. Da war der Kleine acht Jahre alt. Als es mal wieder schlechte Nachrichten aus der Schule gab, rastete der Alleinerziehende aus. Er versetzte Ben (Name geändert) mehrere Faustschläge gegen den Brustkorb, holte zudem mit einem Gürtel aus. Der Junge hatte Hämatome und Schmerzen. Es tue ihm sehr leid, er sei überfordert gewesen, so der 37-jährige Expresskurierfahrer nun am Montag vor dem Landgericht Leipzig.

Mehr als zwei Jahre ist der massive Übergriff in der Wohnung im Leipziger Osten her. Eduard R., Vater von zwei Söhnen, hatte beide Jungen (damals acht und sieben Jahre alt) bei sich aufgenommen. Seine geschiedene Ehefrau sei wegen Problemen – trotz gemeinsamen Sorgerechts – nicht dazu imstande gewesen.

Ben war laut Vater ein schwieriges Kind, besucht inzwischen eine Förderschule. „Gespräche haben nicht viel geholfen.“ Der Junge habe sogar mal sein Zeugnis weggeworfen. „Er wollte es mir nicht zeigen.“ Dass er an jenem 21. April 2015 in der Wohnung in Sellerhausen-Stünz zuschlug, hat Eduard R. bereits in erster Instanz vor dem Amtsgericht eingeräumt. Er bereut sein Fehlverhalten, entschuldigt sich beim Sohn. Dem Ersturteil zufolge soll Eduard R. wegen gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung Schutzbefohlener für zehn Monate hinter Gitter. Keine Bewährung – ein Schock für den Angeklagten. Er geht in Berufung.

In der Berufungsverhandlung nun am Montag vor dem Landgericht müht sich Verteidiger Alexej Danckwardt, alle positiven Aspekte herauszustellen. Der Anwalt spricht von einem „Augenblicksversagen“ seines Mandanten, davon, dass sich Eltern ungern die Schwäche der Überforderung eingestehen. Für Eduard R. sei bereits der Verlust beider Kinder „eine schwere Folge der Tat“, so der Verteidiger. Ben lebt jetzt bei seiner Mutter, sein Bruder in einem Heim. Zudem absolviert der Angeklagte gerade eine Verhaltenstherapie. Für Staatsanwältin Christiane Knauert reichen diese Argumente jedoch nicht: „Der Angeklagte neigt dazu, in bestimmten Situationen mit Gewalt zu reagieren. Das können und wollen wir nicht hinnehmen.“ Der gelernte Tischler, der 2002 mit Eltern und Geschwistern aus der russischen Föderation nach Deutschland zog, ist bereits siebenmal vorbestraft, darunter dreimal wegen Gewaltdelikten. So verbüßte er zwischen 2003 und 2006 eine dreijährige Strafe nach sexueller Nötigung und räuberischer Erpressung. 2009 verurteilte ihn das Leipziger Amtsgericht aufgrund einer Körperverletzung zu sieben Monaten Haft – auf Bewährung. Er hatte einen Straßenbahn-Fahrscheinkontrolleur so massiv getreten, dass dieser einen Kreuzbandriss erlitt und viermal operiert werden musste. 2014 folgten zwei Monate Haft – wieder auf Bewährung. Grund: Diesmal hatte er einem Nebenbuhler einen Faustschlag versetzt. 2015 vergriff er sich dann am Sohn. „Das Kind war dem Vater weit unterlegen. Man löst Konflikte nicht mit Gewalt“, so die Staatsanwältin. Auch für das Landgericht wiegen einschlägige Vorverurteilungen und Bewährungsbruch schwer: Es verwirft die Berufung. „Es gibt viele ungünstige Prognosefaktoren“, sagt der Vorsitzende Richter Michael Dahms. „Nur mit dem Strafvollzug können wir eine Verhaltensänderung herbeiführen.“

Von Sabine Kreuz

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