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Verdursteter Junge: Gericht lehnt sämtliche Beweisanträge ab

Prozess Verdursteter Junge: Gericht lehnt sämtliche Beweisanträge ab

Im Prozess um den Tod des zweijährigen Kieron-Marcel und seiner drogensüchtigen Mutter Christin F. (26) wird es keine zusätzlichen Zeugenvernehmungen geben. Die 9. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Klaus Kühlborn lehnte gestern sämtliche Beweisanträge der Staatsanwaltschaft sowie einen Antrag der Verteidigung ab.

Der angeklagte Sozialarbeiter bei einer Gerichtsverhandlung.

Quelle: Wolfgang Zeyen

Leipzig. Im Prozess um den Tod des zweijährigen Kieron-Marcel und seiner drogensüchtigen Mutter Christin F. (26) wird es keine zusätzlichen Zeugenvernehmungen geben. Die 9. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Klaus Kühlborn lehnte gestern sämtliche Beweisanträge der Staatsanwaltschaft sowie einen Antrag der Verteidigung ab.

Anklagevertreterin Wienke Naumann wollte unter anderem Zeugen laden lassen, die bestätigen sollten, dass Christin F. unter den Augen des Jugendamtes zunehmend die Kontrolle über sich und ihr Leben verlor. Etwa, dass ihre Wohnung in der Möckernschen Straße "knietief im Dreck versank" und beim Fund der beiden verwesten Leichen am 17. Juni 2012 "mindestens zehn Spritzen mit Betäubungsmitteln" herumlagen, sogar unter dem Spielzeug-Lkw des kleinen Kieron-Marcel.

Für das Gericht wären solche Zeugenaussagen jedoch unerheblich, erklärte Kühlborn. Denn der angeklagte Sozialarbeiter Tino H. (42) sei nur bis 30. April 2012 als Eingangsmanager für die Problemfamilie zuständig gewesen. Maßgeblich für eine Entscheidung sei deshalb, ob bei der letzten Begegnung des Angeklagten mit Christin F. am 10. April die rechtlichen Voraussetzungen dafür vorgelegen hätten, dass das Einschreiten des Jugendamtes erforderlich gewesen wäre. Damals hatte sich die junge Mutter mit einem neuen Lebensgefährten in augenscheinlich gutem Zustand bei Tino H. verabschiedet, weil sie aus Leipzig wegziehen wollte.

Knapp zwei Monate später ereignete sich die Tragödie. Wie die Auswertung einer Anrufliste des Handys von Christin F. nahelegt, hatte sie noch am 6. Juni bis zum späten Nachmittag dutzende Anrufe. Doch schon in den frühen Abendstunden war sie nach Einschätzung des Gerichts "nicht mehr in der Lage, Anrufe entgegenzunehmen". Laut Obduktionsbericht starb sie zwischen dem 7. und 10. Juni 2012 an einem Mix aus Heroin und Kokain, Kieron-Marcel verdurstete und verhungerte zwischen dem 13. und 14. Juni.

Der Prozess wird am 27. Juli fortgesetzt, am 12. August sollen nach bisheriger Planung die Plädoyers gehalten werden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 11.07.2015

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