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Verdursteter Junge in Leipzig: Drogenspritze unter dem Spielzeugauto

Dritter Prozesstag Verdursteter Junge in Leipzig: Drogenspritze unter dem Spielzeugauto

Was geschah wirklich in der Gohliser Parterrewohnung, in der am 17. Juni 2012 die verwesten Leichen einer drogensüchtigen Mutter (26) und ihres zweijährigen Sohnes entdeckt wurden?

Hinter dieser Tür starben Christin F. und ihr zweijähriger Sohn.

Quelle: Christian Modla

Leipzig. Was geschah wirklich in der Gohliser Parterrewohnung, in der am 17. Juni 2012 die verwesten Leichen einer drogensüchtigen Mutter (26) und ihres zweijährigen Sohnes entdeckt wurden? Zum dritten Prozesstag am Landgericht brachte allein die Anklage dazu sieben Beweisanträge vor. So benannte Staatsanwältin Wienke Naumann drei Zeugen, die bestätigen sollen, dass die Wohnung von Christin F. in der Möckernschen Straße „knietief im Dreck versank“.

Geladen werden sollen auch Polizeibeamte, die beim Fund der beiden Leichen in der Wohnung waren. Denn dort sollen „mindestens zehn Spritzen mit Betäubungsmitteln“ herumgelegen haben, so Naumann, unter anderem an der Couch im Wohnzimmer und sogar unter dem Spielzeug-Lkw des kleinen Kieron-Marcel. Ferner will die Staatsanwältin Rechtsmediziner zur Zeugenvernehmung holen. Diese könnten aus ihrer Sicht bestätigen, dass Kieron-Marcel schon mindestens einen Monat vor seinem Tod mangelernährt war und nicht erst mit dem Tod seiner Mutter.

Wie berichtet, starb die seit ihrem 16. Lebensjahr drogenabhängige Christin F. zwischen dem 7. und 10. Juni 2012 an einem Mix aus Heroin und Kokain, Kieron-Marcel verdurstete und verhungerte zwischen dem 13. und 14. Juni. Anzeichen für eine länger andauernde Unterernährung hätten die Experten auch anhand des Zustands der Organe festgestellt.

All dies sollen Belege sein für ein Versagen des Jugendamtes, insbesondere des angeklagten Sozialarbeiters Tino H. (42). Er war 2014 vom Amtsgericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt worden, weil er, so die erste Instanz, zu wenig unternommen habe, um das Leben des Jungen zu schützen. Da sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung gegen das Urteil in Berufung gegangen waren, ist nun die 9. Strafkammer des Landgerichts unter Vorsitz von Richter Klaus Kühlborn mit dem tragischen Fall befasst.

Auf Anregung von Rechtsanwalt Stephan Flemming, dem Verteidiger von Tino H., soll dabei auch das zweite anhängige Strafverfahren im Zusammenhang mit dem Tod von Mutter und Kind eine Rolle spielen. Die Staatsanwaltschaft hat bekanntlich einen 37 Jahre alten Drogendealer wegen Mordes, Mordes durch Unterlassen und Abgabe von Drogen mit Todesfolge angeklagt. Der Beschuldigte soll Christin F. den tödlichen Drogencocktail, in der Szene bekannt als „Hot and cold“, geliefert haben.

Als die im dritten Monat schwangere Frau kollabierte, war er nach Überzeugung der Anklagebehörde womöglich noch in ihrer Wohnung, sei dann jedoch gegangen und habe den hilflosen Jungen seinem Schicksal überlassen. Mangels Beweisen ließ das Landgericht die Anklage gegen den Dealer aber nicht zur Hauptverhandlung zu. Nach einer Beschwerde der Staatsanwaltschaft muss nun das Oberlandesgericht entscheiden (die LVZ berichtete). Flemming will dennoch zumindest die Anklage gegen den Dealer verlesen lassen, weil sie seinen Mandanten zusätzlich entlasten könnte.

Bittere Vorwürfe gegen das Jugendamt erhob gestern erneut Monika K. (75), die Oma von Christin F.: „Ich finde, dass Leute, die Verantwortung getragen haben, auch zur Verantwortung gezogen werden sollten“, sagte sie in Richtung des damaligen Jugendamtsleiters Siegfried Haller.
Der Prozess läuft noch bis 12. August.

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