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Polizeiticker Leipzig Entführung in Leipzig: Täter in Haft - Ermittlungen wegen Sexualdelikt
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Entführung in Leipzig: Täter in Haft - Ermittlungen wegen Sexualdelikt
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17:42 08.06.2017
Bild vom Zugriff durch die Polizei am Mittwochabend. Quelle: Lucas Schneider
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Leipzig

Nach der vereitelten, mutmaßlichen Entführung einer Zwölfjährigen aus dem Leipziger Südwesten am Mittwoch wurde Haftbefehl gegen den Festgenommenen erlassen. Ihm wird Freiheitsberaubung in Verbindung mit einem Sexualdelikt und Körperverletzung vorgeworfen. Um das Mädchen zu schützen, werden keine weiteren Details zu den Tatumständen veröffentlicht, erklärten Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Mitteilung. Die Zwölfjährige sei inzwischen wieder bei ihren Eltern, so die Polizei. Das Kind sei erstaunlich gefasst gewesen, erklärte ein Sprecher. Das Mädchen habe sich sehr clever verhalten.

Der 36-jährige mutmaßliche Täter hatte das Kind am Mittwochnachmittag gegen 15.30 Uhr aus dem Stadtteil Hartmannsdorf-Knautnaundorf mitgenommen. Die Zwölfjährige konnte per Handy einen Notruf an die Polizei absetzen, eine Großfahndung wurde ausgelöst. Gegen 18.30 Uhr gelang es den Beamten dann, den 36-Jährigen erst auf der A38 in einem Miettransporter zu lokalisieren und später das Fahrzeug bei Söhesten (Sachsen-Anhalt) zu stoppen. Das Mädchen konnte unverletzt befreit werden. Wie Polizeisprecher Andreas Loepki sagte, wurde der Mann im Anschluss ausführlich vernommen. „Es handelte sich offenkundig um eine Freiheitsberaubung“, so der Behördensprecher. Das Mädchen habe sich sehr clever verhalten.

Entführer wegen Kinderpornografie aktenkundig

Konkrete Angaben zur Motivation der Entführung wurden bisher nicht gemacht. „Eine familiäre Verbindung zwischen der Geschädigten und dem vorläufig Festgenommen ist nicht bekannt“, sagte Staatsanwalt Mezger. Dass für die Tat sexuelle Beweggründe ausschlaggebend gewesen waren, wollte Mezger zunächst weder bestätigen noch ausschließen. „Es ist aber richtig, dass der Festgenommene bereits ein Verfahren wegen des Erwerbs und Besitzes von Kinderpornografie hatte“, so Mezger am Vormittag. Der Mann lebte zuletzt in Leipzig, stammt ursprünglich aber aus Sachsen-Anhalt.

Vor einem Jahr war unweit der Entführungsstelle vom Mittwoch ein neunjähriges Mädchen in ein Auto gezerrt und missbraucht worden. Die Tat ereignete sich im benachbarten Ortsteil Knautkleeberg-Knauthain. Der Täter flüchtete damals ebenfalls in Richtung A38. Die Behörden suchten den Mann per Großfahndung und schalteten dabei auch die Öffentlichkeit ein, ließen ein Phantombild verbreiten. Nach monatelanger Suche konnte der 46-Jährige letztlich im September 2016 gefasst werden und gestand bei der Vernehmung, noch ein weiteres Kind missbraucht zu haben.

Wie Polizeisprecher Andreas Loepki erklärte, sehen die Behörden aufgrund der Nähe zur A38 zumindest keine besondere Gefahrenlage nur im Südwesten Leipzigs. „Der Autobahnring um die ganze Stadt ist von überall in wenigen Minuten zu erreichen“, so Loepki. Generell seien Straftaten dieser Art nicht zu verhindern, alle Eltern müssten mit dem Risiko leben. Allerdings sollte die Eigenständigkeit der Kinder durch die möglichen Gefahren nicht eingeschränkt werden. Vielmehr sollte mit den Kindern der Umgang mit dem Risiko und das richtige Verhalten geübt werden. „Oftmals kann lautes Schreien schon helfen“, so der Behördensprecher.

Präventionstipps in Schulen und im Internet

Hilfestellung bei der Prävention von Kindesentführungen und sexuellem Missbrauch geben zahlreiche behördliche, aber auch private Initiativen. So tourt beispielsweise das ursprünglich aus Bayern stammende interaktive Theaterprojekt „Hau ab“ auf Anfrage durch Leipziger Schulklassen und zeigt dort innerhalb von spielerischen Szenen unter anderem Handlungsmöglichkeiten für Kinder gegen Grenzüberschreitungen durch Fremde und Familienmitglieder auf.

Bund und Länder geben auf dem Portal missbrauch-verhindern.de ebenfalls Ratschläge, wie Sexualstraftaten vorzubeugen ist, aber auch wie im Fall der Fälle Signale des sexuellen Missbrauchs zu erkennen sind. Denn in 80 Prozent der Fälle gehören die Täter bei Kindesmissbrauch bereits zum Bekanntenkreis der Kinder. Nicht zuletzt bietet auch die Sächsische Polizei umfangreiches Informationsmaterial zur Missbrauchs-Prävention an, hat innerhalb von Broschüren und auf der Webseite www.polizei.sachsen.de Tipps für Eltern und Pädagogen veröffentlicht.

Unter anderem heißt es in den Empfehlungen: „Grundsätzlich ist es wichtig, dass Sie mit den Kindern über bestimmte Verhaltensweisen bzw. Regeln im Umgang mit anderen Menschen sprechen. Der Fokus sollte auf fremden und bekannten Personen gleichermaßen liegen.“ Das Einhalten von festen Absprachen gehört ebenso zu den vorbeugenden Maßnahmen, wie ein gemeinsames Ablaufen von Schulwegen und das Festlegen von Orten, an denen Kinder unter Umständen Hilfe holen können. In Leipzig gibt es dafür seit 2011 auch die inzwischen mehr als 170 Hilfepunkte des Kommunalen Präventionsrates – in Geschäften, Restaurants, Vereinen und öffentlichen Gebäuden. Erkennbar sind diese Hilfepunkte durch das gemeinsame Logo.

Matthias Puppe

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