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Polizeiticker Leipzig Vergewaltigte Joggerin: Kein Tatverdacht
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Vergewaltigte Joggerin: Kein Tatverdacht
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12:23 29.08.2018
Das Rosental am Dienstagnachmittag: Nach Einschätzung der Polizei herrscht hier und an anderen Parkanlagen der Stadt keine besondere Gefährdungslage mehr. Vor einem Jahr war hier eine 69-jährige Joggerin brutal vergewaltigt worden. Quelle: André Kempner
Leipzig

Eine 69 Jahre alte Frau wird an einem Sommermorgen beim Joggen in einer der beliebtesten Parkanlagen Leipzigs zu Boden gerissen. Wie von Sinnen schlägt der Täter auf die Dame ein, tritt ihr ins Gesicht, vergewaltigt sie brutal. Das Opfer wird lebensbedrohlich verletzt, muss notoperiert werden. Wohl kaum ein Verbrechen der jüngsten Zeit hat in der Stadt für so viel Entsetzen und Angst gesorgt wie dieser unfassbare Gewaltexzess am 31. August 2017 gegen 9.20 Uhr im Rosental. Und jetzt, ein Jahr danach, ist der Täter noch immer auf freiem Fuß.

Angst vor Serientäter

„Ein Tatverdächtiger konnte bislang nicht ermittelt werden“, sagt Staatsanwalt Felix Mezger auf LVZ-Anfrage. Mehr als 50 Hinweise aus der Bevölkerung seien eingegangen und geprüft worden, berichtet Polizeisprecher Andreas Loepki. „Leider führte bisher kein Hinweis zur Klärung der Tat.“

Dabei ging zeitweise die Angst vor einem Serientäter um, denn die Vergewaltigung der Joggerin war nicht der erste sexuelle Übergriff im Rosental. Am 14. August 2017 fasste hier ein Unbekannter einer Läuferin (40) von hinten in den Schritt. Kurz darauf attackierte ein Unbekannter eine Rentnerin (84) von hinten und warf sie zu Boden, ohne dass ihr etwas gestohlen wurde. Beide Fälle ereigneten sich in unmittelbarer Umgebung des Joggerinnen-Tatorts. „Im Zuge der Ermittlungen erfolgte auch ein Abgleich mit im Ansatz ähnlich gelagerten Sachverhalten, wie es kriminalistischer Praxis entspricht“, berichtet Mezger. „Im Ergebnis hat jedoch auch dies noch nicht zur Aufklärung der Identität des Täters geführt.“

Ermittler skeptisch wegen Polizeipräsenz

Hat die massive Polizeipräsenz nach der Tat womöglich die Ermittlungen erschwert, weil der Rosental-Vergewaltiger dadurch aus seinem Revier verdrängt wurde, anstatt ihn zu fassen? Mit etwas Abstand räumt die Polizei inzwischen ein: „Die Maßnahmen sind tatsächlich zwiespältig zu betrachten“, so Behördensprecher Loepki. Immerhin habe die verstärkte Streifentätigkeit bis Ende Oktober 2017 angedauert. Daran beteiligt waren Beamte des Polizeireviers Zentrum und der Fahrradstaffel sowie Außendienstleiter, der Fachdienst Einsatzzüge, die Diensthundestaffel, die Operative Fahndungsgruppe, die Polizeireiterstaffel der Bereitschaftspolizei und der Stadtordnungsdienst. „Wir wissen um das Sicherheitsbedürfnis der Bürger, dem sehr umfänglich Rechnung getragen wurde“, sagt Loepki. „Dies gelingt aber nur mit sichtbarer Präsenz – also uniformiert.“ Völlig klar sei aber, dass damit „ vorzugsweise eine Verdrängung des Täters an einen unbekannten Ort bewirkt wird, anstatt die Zugriffswahrscheinlichkeit an seinem auserkorenen Handlungsort zu erhöhen“. Aus diesem Grund hätten gerade die mit dem Fall befassten Ermittler „eher skeptisch auf die getroffenen Maßnahmen geschaut“.

Wie schwierig die Aufklärung dieses Verbrechens ist, zeigt auch der Umstand, dass es noch immer kein Phantombild des Täters gibt. „Die Geschädigte konnte leider keine hinreichenden Angaben machen“, erläutert Loepki. Ihrer Beschreibung nach ist der Täter südländischen Typs, 25 bis 35 Jahre alt, 1,70 bis 1,75 Meter groß, hat eine stämmige Statur, dunkle Haare und einen kurzen, dunklen Bart.

Fünf Beamte mit Fall betraut

Noch immer sind fünf Beamte des auf die Aufklärung von Sexualdelikten spezialisierten Fachkommissariats K 13 mit dem Fall betraut – allerdings aufgrund des ohnehin erheblichen Arbeitsumfangs nicht mehr ausschließlich. „Die Ermittlungen sind aber keinesfalls am Ende angelangt“, betont Loepki. „Es bestehen nach wie vor Ermittlungsansätze, zu denen ich aufgrund der laufenden Ermittlungen aber keine näheren Ausführungen vornehme.“ Sollten sich daraus Aspekte ergeben, wodurch die Tätersuche wieder zeitaufwendiger würde, stünden die fünf Ermittler und weitere Kollegen erneut ausschließlich für den Rosental-Fall zur Verfügung.

Keine besondere Gefährdungslage

Obwohl der brutale Vergewaltiger bislang nicht gefasst wurde, gibt die Polizei vorsichtig Entwarnung. „Aktuell sehen wir im Rosental oder innerhalb anderer Grünanlagen keine besondere Gefährdungslage“, schätzt Loepki ein. Gleichwohl hätten die Beamten des Reviers Leipzig-Zentrum weiterhin ein Auge aufs Rosental. „Es ist jedoch schlicht illusorisch, an jedem Baum, hinter jedem Busch, auf jedem Weg oder in jedem Park polizeiliche Präsenz gewährleisten zu können – auch nicht temporär“, stellt der Behördensprecher klar. „Mithin sind vergleichbare oder andere Delikte nie auszuschließen.“

Von Frank Döring

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