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Vergewaltigung von Schülerin in Leipzig: Mann muss für knapp sieben Jahre in Haft

Urteil am Landgericht Vergewaltigung von Schülerin in Leipzig: Mann muss für knapp sieben Jahre in Haft

Wegen Vergewaltigung eines zwölf Jahre alten Mädchens muss ein 36 Jahre alter Mann für knapp sieben Jahre in Haft. Das Gericht blieb deutlich unter der Forderung der Anklage.

Das Landgericht Leipzig hat einen 36-Jährigen Mann wegen Vergewaltigung einer Zwölfjährigen verurteilt. Verteidiger Malte Heise (links) hatte maximal sechs Jahre, die Anklage elf Jahre gefordert.

Quelle: Kempner

Leipzig. Er ist süchtig nach Pornos und wollte das, was er in den Filmen sah, selbst erleben: Der Entführer eines zwölfjährigen Mädchens ist am Mittwoch am Landgericht Leipzig zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und elf Monaten verurteilt worden. Dies entspricht der Forderung der Verteidigung.  Die 3. Strafkammer schickte Frank L. (36) wegen schwerer Vergewaltigung, schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern, Freiheitsberaubung, vorsätzlicher Körperverletzung und Entziehung Minderjähriger hinter Gitter. Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten auf elf Jahre Gefängnis plädiert.

Der Angeklagte – er ist vorbestraft wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften – hatte die erheblichen Tatvorwürfe in der Hauptverhandlung gestanden. Demnach überfiel er die Schülerin am 7. Juni 2017 gegen 15.30 Uhr in der Knautnaundorfer Straße. Das Mädchen war gerade auf dem Weg von der Schule nach Hause – und ein Zufallsopfer.  Der Fremde zerrte sie in einen Miettransporter, den er zuvor ausbruchsicher präpariert hatte, und fuhr mit ihr zu einem Feldweg. Hier missbrauchte er sie. Weil er jedoch bei aller akribischen Vorbereitung vergessen hatte, seinem Opfer das Handy abzunehmen, konnte die Zwölfjährige geistesgegenwärtig während der Fahrt den Notruf wählen. Nachdem die Polizei den Entführer lokalisiert hatte, wurde er gegen 18.30 Uhr in Söhesten/Sachsen-Anhalt gestoppt. „Wir haben alle unsere Gedanken, wie das möglicherweise zu Ende gegangen wäre, wenn die Polizei nicht rechtzeitig eingegriffen hätte“, sagte Opferanwältin Ina Alexandra Tust nach Ende des Prozesses. „Aber es gibt keine Beweise dafür.“ Die Staatsanwaltschaft war davon ausgegangen, dass der Sextäter die Zwölfjährige an einem anderen Ort erneut missbrauchen wollte.

Tust bezeichnete das Urteil als nicht angemessen. „Mir persönlich ist die Strafe zu niedrig“, sagte die Anwältin des missbrauchten Mädchens. Aber das Ziel der Nebenklage sei in erster Linie der Schutz der Persönlichkeitsrechte des Opfers gewesen. Insofern sei das Verfahren gut gelaufen, weil dem Mädchen ein Auftritt vor Gericht erspart blieb und das Verfahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand. „Sie ist heilfroh, dass sie hier nicht auftreten musste und dass dieses Verfahren beendet ist“, so Tust.  „Zu Hause ist sie sehr behütet und lebt ihren Alltag.“ Der dreitägige Prozess fand nahezu komplett hinter verschlossenen Türen statt. Sogar die Begründung ihres Urteils gab die 3. Strafkammer am Mittwoch ohne Presse und Zuschauer bekannt, um schutzwürdige Interessen des minderjährigen Opfers zu wahren, wie die Vorsitzende Richterin Sylvia Bittner erklärte.

Für Verteidiger Malte Heise war das umfassende Geständnis des Angeklagten „ein tragendes Moment bei der Strafzumessung“. Sein Mandant habe dem Mädchen eine Aussage vor Gericht erspart. „Eine solche Einvernahme hätte den Heilungsprozess des Kindes erheblich gestört und zu einer Destabilisierung führen können.“ Der Tat sei eine „Kette falscher Entscheidungen“ vorausgegangen, so Heise. Frank L. stamme aus einem bürgerlichen Elternhaus und habe als Kraftfahrzeugmechaniker jahrelang bei verschiedenen guten Firmen in Leipzig gearbeitet. Doch sein massiver Pornografiekonsum habe zu einem Suchtverhalten geführt. „Das komplette Leben dieses Mannes war letztlich auf den Konsum von Pornos verengt“, sagte Heise. „Er hat alle anderen Bereiche seines Lebens völlig vernachlässigt. Am Ende wollte er das, was er in Filmen sah, selbst erleben.“ So seien auch langjährige Beziehungen in die Brüche gegangen. Mit einer Partnerin habe Frank L. sogar zehn Jahre zusammen gelebt und einen heute neunjährigen Sohn. Seinen letzten Job schmiss er wenige Wochen vor der Tat hin.  Spätestens da hatte die Porno-Sucht vollkommen Besitz von ihm ergriffen.

Verteidigung und Nebenklage gehen davon aus, dass die Staatsanwaltschaft auf eine Revision verzichtet und das Urteil damit rechtskräftig wird. Die Anklagebehörde äußerte sich nach Ende des Prozesses zunächst nicht dazu. Frank L. will während der Haftzeit eine Sozialtherapie machen. „Auf mich hat der Angeklagte reuig gewirkt“, sagte Opferanwältin Tust. „Er hat sich für seine Tat entschuldigt.“

Frank Döring

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