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Vermummte Polizisten im Kindergarten - Kritik am Einsatz in Leipzig-Connewitz

Vermummte Polizisten im Kindergarten - Kritik am Einsatz in Leipzig-Connewitz

Die Kritik am Polizeieinsatz vergangenen Freitag im Leipziger Stadtteil Connewitz wird immer lauter. Jetzt melden sich Eltern der an die Stockartstraße angrenzenden Integrativen Kindertagesstätte in der Biedermannstraße zu Wort.

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Mit einem Großaufgebot ist die Polizei am Freitag gegen mutmaßliche Drogendealer in Leipzig vorgegangen.

Quelle: Volkmar Heinz

Leipzig. Sie verurteilen, dass Polizisten in Kampfmontur vor den Augen der Kinder ohne Vorwarnung über die Mauer der Einrichtung geklettert sind.

Die Beamten hatten an diesem Tag gegen 16 Uhr zeitgleich eine Drogenrazzia in fünf Leipziger Wohnungen gestartet. Einer der Haupteinsatzpunkte war die Stockartstraße. Zur Absicherung für ihre Kollegen gegen Steinewerfer kletterten dort Spezialkräfte auf Häuserdächer. Eines der Gebäude erreichten sie über das Gelände des benachbarten Kindergartens.

„Ich wollte gerade meine Kinder abholen und betrat das Außengelände. Plötzlich kamen mir viele weinende Kinder entgegen. Dann sah ich die vermummten Polizisten, die die Kinder anschrien, sie sollten den Garten sofort verlassen“, schildert Thomas Letzian, zweifacher Vater, seine Erlebnisse.

Letzian hat sich mit seinen Eindrücken an Dirk Feiertag gewendet. Der Rechtsanwalt und unabhängige Kandidat bei den kommenden Leipziger Oberbürgermeisterwahlen ist in Elterninitiativen vernetzt. Deshalb informierten ihn Betroffene noch während des Einsatzes.

„Die Planung der Polizei war desaströs“, sagt er. Das Vorgehen der Beamten sei eklatant rechtswidrig. Sie hätten einen Hausfriedensbruch begangen. Feiertag rät den Betroffenen, sich zu beschweren oder gleich eine Strafanzeige zu stellen. „Wildwest-Methoden mögen sich vielleicht in der Öffentlichkeit gut verkaufen, der Verbrechensbekämpfung dienen sie am Ende aber wenig“, erklärt der Kommunalpolitiker.

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Die Kita in der Biedermannstraße (Archiv).

Quelle: André Kempner

Thomas Letzian ist unbegreiflich, warum die Pädagogen im Vorfeld nicht informiert worden seien. Ein Ermittler berichtet, dass die Einsatzkräfte kurz vor ihrem Schlag gegen die mutmaßlichen Drogendealer im Kindergarten angerufen hätten. Den Hörer habe aber niemand abgehoben. Zu diesem Zeitpunkt hat sich Leiterin Anke Dieter mit Kindern und Kollegen im Außenbereich aufgehalten.

Die Kinder wurden am Freitag nach dem Auftauchen der Polizisten ins Gebäude gebracht. Dort, so Feiertag, haben die Erzieher ihre Schützlinge beruhigt, während wenige Meter entfernt der Einsatz fortgesetzt wurde. Anke Dieter wollte sich am Wochenende nicht zu den Vorfällen äußern und erst mit dem Träger der Einrichtung über das weitere Vorgehen abstimmen.

Bei der Razzia wurden insgesamt vier Männer festgenommen. Zwei Verdächtige sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. „Zwei 36-Jährige sitzen in Untersuchungshaft“, sagte Polizeisprecher Uwe Voigt gegenüber LVZ-Online. Bei ihnen sei der größte Teil des Rauschgifts in der Stockartstraße gefunden worden.

Außerdem hätten die Beamten bei den Männern Waffen sichergestellt. Über die genaue Art wollte sich Voigt nicht äußern. Die Männer erwartet nun ein Verfahren wegen des unerlaubten Handelns mit Betäubungsmitteln. Durch den Waffenfund wird die im Gesetz angedrohte Strafe noch einmal verschärft. Sollte es zu einer Verurteilung kommen, erwartet die Täter eine Freiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren.

Während die Nacht zu Sonnabend von Krawallen mit einer angezündeten Barrikade in der Prinz-Eugen-Straße überschattet wurde, blieb die Nacht danach ohne Vorfälle. Die Beamten haben vor allem im Süden der Stadt verstärkte Präsenz gezeigt. „Es gab keine Vorkommnisse“, heißt es aus dem Führungs- und Lagezentrum.

Anders als zunächst von der Polizei dargestellt, haben unbekannte Täter in der Nacht zu Sonnabend nicht nur einen Molotowcocktail auf das Polizeirevier in der Weißenfelser Straße geworfen. Laut Voigt flogen gleich mehrere Brandsätze gegen die Hausfassade. Sie hätten aber allesamt nicht gezündet. Sie seien sichergestellt worden. Spezialisten untersuchten die Brandflaschen nun.

Matthias Roth

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