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Polizeiticker Leipzig Versuchter Totschlag: Marokkaner terrorisiert zweifache Mutter
Leipzig Polizeiticker Polizeiticker Leipzig Versuchter Totschlag: Marokkaner terrorisiert zweifache Mutter
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23:45 18.12.2017
In Handschellen zum Prozessauftakt: Angeklagter Jaouad Z. kam nach dem Messerangriff auf seine Lebensgefährtin in Untersuchungshaft.   Quelle: Foto: André Kempner
Leipzig

 Er war ihre Urlaubsliebe und wäre fast zu ihrem Mörder geworden: Ein Marokkaner (32) soll seine deutsche Lebensgefährtin im Mai dieses Jahres mehrere Stunden lang in der gemeinsamen Gohliser Wohnung gefangengehalten und schließlich auf sie eingestochen haben. Der rasend eifersüchtige Nordafrikaner war womöglich im Drogenwahn. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Totschlag, Freiheitsberaubung, Bedrohung und Körperverletzung vor. Am Montag begann am Landgericht der Prozess gegen ihn.

Nach Erkenntnissen der Ermittlungsbehörden beendete das Paar am 5. Mai seine Beziehung einvernehmlich. Jaouad Z. sollte demnach die gemeinsame Wohnung in der Virchowstraße verlassen. Doch am nächsten Tag eskalierte die Situation. Laut Anklage verriegelte der Marokkaner Schlafzimmer- und Wohnungstür, stellte einen Tisch vor die Balkontür, um seiner Ex Sylvia C. (28) keine Fluchtmöglichkeit zu lassen. Dann soll er sie geschlagen und überdies mit einem Messer bedroht haben. Sie hätte kein Recht mehr zu leben, soll er gesagt haben. Irgendwann gelang es ihr, aus einem Fenster der Erdgeschosswohnung zu springen, doch Jaouad Z. verfolgte sie. Auf offener Straße schlug er ihr nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit dem Messerknauf auf den Kopf, so dass Sylvia C. eine Schwellung und Blutungen erlitt. Und dann stach er laut Anklage mit Wucht zu, wollte die zwölf Zentimeter lange Messerklinge in die rechte Hüftseite seiner langjährigen Partnerin rammen. Doch die zweifache Mutter hatte Glück: Offenbar traf das Messer auf ihren Nietengürtel, so dass die Klinge abbrach und sie keine Stichverletzung erlitt.

Doch an den psychischen Folgen des massiven Übergriffs leidet die Heilpädagogin noch immer. Die Vernehmung vor Gericht kostete die Frau sichtbar viel Kraft. Sie schilderte, wie sie sich 2013 im Marokko-Urlaub in den Pferdetrainer verliebte, sich später um seine Einreise nach Deutschland bemühte, bevor im November 2014 der gemeinsame Sohn zur Welt kam. Doch der Marokkaner sei nie richtig in seiner neuen Heimat angekommen, habe das wohl auch nicht so sehr gewollt. „Er war von Anfang an stark von den kulturellen Unterschieden überfordert“, so Sylvia C., „er widmete sich nicht der Familie, war intensiv im Nachtleben unterwegs.“ Ihr sei bekannt gewesen, dass er seit seinem 16. Lebensjahr Cannabis konsumiert. Doch in Deutschland habe er dann exzessiv Kokain, Crystal und auch Alkohol zu sich genommen, dafür auch ihr Geld gestohlen. Mehrere von ihr organisierte Sprachkurse habe er abgebrochen, ebenso wie Entgiftungen. Selbst als Sylvia C. im März 2016 das zweite gemeinsame Kind, eine Tochter, bekam, habe er „das gar nicht mitgekriegt“. Mit dem Tod seines Freundes im November 2016 hätten dann auch die gewaltsamen Übergriffe begonnen. „Das lief im Grunde immer gleich ab“, schilderte die Frau ihre Pein. „Erst schlug er mich und wenn ich dann am Boden lag, hat er mich getreten.“ Einige Male blieb ihr nichts anderes übrig, als in höchster Not die Polizei zu rufen. Zwischendurch floh sie für ein paar Tage mit ihren Kindern in ein Frauenhaus, weil der Wahn ihres Partners immer bizarrere Züge annahm. „Er hörte Stimmen und glaubte, ich sei von einem Dschinn besessen“, so Sylvia C., „außerdem bildete er sich ein, ich hätte alle möglichen Affären, was aber nie der Fall war.“ Ein Problem sei für ihn auch gewesen, dass sie nicht dem Islam angehörte und die Kinder unehelich zur Welt kamen.

Dennoch wollte sie ihn offenbar bis zum Schluss schützen – selbst dann noch, als er auf sie eingestochen hatte. „Deshalb habe ich bei der Polizei auch nicht gesagt, dass es schon davor zwei Situationen gab, in denen er mich mit einem Messer bedroht hat“, so Sylvia C. vor Gericht. „Ich habe mich nach der Tat gefragt, ob ich nicht schuld an allem bin.“

Der Prozess wird am 4. Januar fortgesetzt. Für diesen Tag hat die Verteidigung eine Erklärung des Angeklagten angekündigt.

Von Frank Döring

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