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Vor Gericht: „Er sagte, er gehört zum IS und sei hier, um uns abzuschlachten“

Prozess in Leipzig Vor Gericht: „Er sagte, er gehört zum IS und sei hier, um uns abzuschlachten“

Wurde er von mehreren Angreifern provoziert oder wollte er eiskalt morden? Seit Montagfrüh steht ein 24-jähriger Iraker wegen einer Messerstecherei am Hauptbahnhof vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft Mustava R. vor, am 7. Juli 2016 den Syrer Amjad K. erheblich verletzt zu haben. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag.

Bis kurz vor Weihnachten hat das Landgericht die Hauptverhandlung gegen den Iraker geplant.
 

Quelle: Andreas Döring

Leipzig. Wurde er von mehreren Angreifern provoziert oder wollte er eiskalt morden? Seit Montagfrüh steht ein 24-jähriger Iraker wegen einer Messerstecherei am Hauptbahnhof vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft Mustava R. vor, am 7. Juli 2016 den Syrer Amjad K. erheblich verletzt zu haben. Die Anklage lautet auf versuchten Totschlag.

Es war gegen 20.50 Uhr am Gleis 2 der Zentralhaltestelle: Amjad K., ein deutlich älter wirkender 17-Jähriger aus Damaskus, war mit rund 15 Freunden unterwegs, weil sie das EM-Spiel Deutschland-Frankreich schauen wollten. Plötzlich seien drei Männer auf sie zugekommen, darunter der Angeklagte, berichtete der Syrer. Mustava R. habe einen Freund von ihm beschimpft. „Dann kam er auf mich zu, wollte mich schlagen, das habe ich an seinem Blick erkannt“, so Amjad K.

Laut Anklage versetzte der Syrer dem Angeklagten einen derart heftigen Schlag, dass Mustava R. zu Boden ging. Der Iraker soll daraufhin ein Cuttermesser aus der Hosentasche geholt haben, um damit auf Amjad K. loszugehen. „Er wollte ihn töten“, so Staatsanwalt Ulrich Jakob. Beim Zurückweichen wurde der Syrer von einer Straßenbahn erwischt und stürzte. Schützend hielt er seine Arme hoch, während der Angreifer versucht haben soll, ihn zu fixieren. Der Messerstecher traf allerdings nicht den Hals seines Opfers, sondern Arme und Gesicht, so die Staatsanwaltschaft.

Amjad K. erlitt zwei lange Schnitte an den Oberarmen, eine Verletzung im Nacken sowie mehrere tiefe Schnitte im Gesicht, etwa über dem Augenlid. Außerdem wurde ihm bei der Bluttat ein Teil des Nasenflügels abgetrennt, was womöglich zu einer dauerhaften Entstellung führt.

„Er hat mir mein Leben ruiniert“, so Amjad K. „Nachts wache ich auf und weine, wenn ich daran denken muss.“ Angeblich soll der Angreifer dreimal „Allahu akbar!“ gerufen haben. „Er sagte, er gehöre zum IS und sei hier, um uns abzuschlachten“, berichtete er. „Ich bin vor dem Krieg aus Syrien geflohen und dann kommt jemand und will mich umbringen.“ Der Angeklagte schwieg zunächst zu den Vorwürfen. „Mein Mandant wird sich im Laufe des Verfahrens aber noch äußern“, sagte Verteidiger Malte Heise.

Mithin bleiben Fragen zu den Hintergründen der Bluttat ungeklärt. So sollen Videoaufnahmen einer Kamera an der Zentralhaltestelle zeigen, dass zwei Männer den Iraker weggeschoben und sogar festgehalten haben, bevor er von Amjad K. zu Boden geschlagen wurde. Für die Staatsanwaltschaft war das später Anlass, gegen den Syrer wegen Körperverletzung zu ermitteln. Das Verfahren wurde mittlerweile eingestellt.

Und: Mustava R. soll nach der Tat angerufen und sich beim Opfer entschuldigt haben. „Er sagte, er hätte an dem Abend Alkohol getrunken“, so Amjad K. „Was passiert ist, tue ihm leid, ich solle nicht die Polizei rufen.“

In einer polizeilichen Vernehmung betonte der Syrer laut Aktenlage noch: „Ich möchte keinen Strafantrag stellen.“ Gestern konnte er sich nicht erinnern, das gesagt zu haben. Stattdessen erklärte er gleich mehrfach: „Ich bin minderjährig und das Gericht soll mir zu meinem Recht verhelfen.“

Von Frank Döring

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