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Wende in Prozess: Häftlinge gestehen Gewaltexzess in JVA Leipzig

Insassen gefoltert Wende in Prozess: Häftlinge gestehen Gewaltexzess in JVA Leipzig

Überraschende Wende am Donnerstag im Prozess um den Gewaltexzess gegenüber einem Häftling in Zelle 258 der Justizvollzugsanstalt (JVA) Leipzig: Zwei wegen der schlimmen Misshandlungen angeklagte Mitinsassen gaben am Landgericht Leipzig einen Großteil der Vorwürfe zu.

In einer Zelle der JVA Leipzig sollen zwei Häftlinge einen Mitinsassen erst gequält und dann versucht haben, die Tat durch einen angeblichen Suizid zu vertuschen.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Überraschende Wende am Donnerstag im Prozess um den Gewaltexzess gegenüber einem Häftling in Zelle 258 der Justizvollzugsanstalt (JVA) Leipzig: Zwei wegen der schlimmen Misshandlungen angeklagte Mitinsassen gaben am Landgericht Leipzig einen Großteil der Vorwürfe zu. Sie räumten ihren Verteidigern zufolge auch ein, dass sie ihrem Opfer Peer F. (38) am 14. Januar dieses Jahres wie Henker eine Schlinge um den Hals gelegt hatten und seinen Selbstmord vortäuschen wollten. Als er bereits das Bewusstsein verloren hatte, drückten sie den Notruf. Das schwer verletzte Opfer kam mit mehreren Brüchen ins Krankenhaus.

Vor dem Geständnis hatten sich die Prozessbeteiligten am Donnerstag zu einem Rechtsgespräch hinter verschlossene Türen zurückgezogen. Die 6. Strafkammer garantierte den beiden Angeklagten Sylvio H. (26) und Hannes F. (26) schließlich eine Haftstrafe zwischen sechs und sechseinhalb Jahren, sollten sie sich geständig zeigen. Ein Teil der Vorwürfe wurde allerdings fallengelassen. Dem dritten Angeklagten, der damals bei der Quälerei und Demütigung in der Zelle zuschaute und nichts dagegen unternahm, kündigte der Vorsitzende Richter Jens Kaden sechs bis neun Monate Haft wegen unterlassener Hilfeleistung an. Auch Stefan H. (36) gestand. „Damals war er aufgrund der Gesamtsituation überfordert“, so sein Verteidiger Stephan Flemming. „Es tut ihm leid.“

Von den beiden vielfach vorbestraften Hauptangeklagten kam indes kein Wort der Reue. Dabei hatten sie Peer F. fast umgebracht. Sie schlugen und traten ihn massiv. Ingo Stolzenburg, Verteidiger von Hannes F., beschreibt das so: „Beide hatten sich entschlossen, den Mithäftling in seiner körperlichen Integrität zu schädigen.“ Einige Handlungen hätten auch Sexualbezug gehabt. Demnach schnitten sie dem Opfer mit einem erhitzten Messer in den Penis, stachen mit einer Gabel zu. „Sie wollten die Tat vertuschen und einen Suizid vortäuschen, daher musste der Geschädigte einen Abschiedsbrief verfassen“, sagte Stolzenburg. „Sie forderten ihn auf, sich von der Fensterbank mit der Schlinge um den Hals fallenzulassen.“

Das Motiv für die Folter blieb unklar. Anwalt Lutz Einsporn, der Sylvio H. verteidigt, sagte dazu: „Es gab Differenzen. Warum, das konnte mir mein Mandant aber nicht erklären.“ Sie hätten damals zu verhindern versucht, dass das spätere Opfer in ihre Zelle verlegt wird – vergeblich. Die Beteiligten kannten sich wohl aus Grimma. Peer F., ein zu fünf Monaten verurteilter Dieb, war gerade in die JVA Leipzig verlegt worden, weil er bei einem Prozess aussagen sollte.

Noch strittige Anklagepunkte nahm die Staatsanwaltschaft zurück: Einige Verfahren wurden eingestellt oder die Strafverfolgung beschränkt. Dabei handelte es sich darum, dass die Häftlinge ihren Mitinsassen gezwungen haben sollen, sich Dinge wie etwa eine Klo-Bürste in den After zu schieben, Kot zu essen und sich, mit einer Leine um den Hals, wie ein Hund im Haftraum zu bewegen. Bei früheren Vernehmungen hatte auch das Opfer genau diese Misshandlungen bestritten, so Richter Kaden. Freiwillig erschien der Geschädigte bislang nicht als Zeuge. Und auch die Vorführungen scheiterten. Am Donnerstagfrüh sollte ihn die Polizei in Grimma in seiner Wohnung überraschen. Weil aber ein Bürgerpolizist im Vorhinein den Termin bekanntgab (Peer F. könne sich doch schon mal an die Tür stellen …), war der Zeuge verschwunden. Urteil: 16. November.

Von Sabine Kreuz

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