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Weniger Straftaten in Leipzig – aber nur auf dem Papier

Polizeiliche Kriminalstatistik 2015 Weniger Straftaten in Leipzig – aber nur auf dem Papier

Die Zahl der Straftaten in der Stadt Leipzig ist im Jahr 2015 um 5621 Fälle zurückgegangen. Wurden 2014 noch 79 235 Delikte registriert, waren es ein Jahr darauf noch 73 614. Einen Grund zur Freude sehen Experten darin allerdings nicht.

Die Zahl der Straftaten in Leipzig ging zurück – für die Experten die Statistik aber trügerisch.

Quelle: dpa-Zentralbild

Leipzig. Die Zahl der Straftaten in der Stadt Leipzig ist im Jahr 2015 um 5621 Fälle zurückgegangen. Wurden 2014 noch 79 235 Delikte registriert, waren es ein Jahr darauf noch 73 614. Einen Grund zur Freude sehen Experten darin allerdings nicht. „Die Zahlen lassen zwar einen Rückgang erkennen, doch jener muss im Verhältnis zur parallel angestiegenen Anzahl offener Vorgänge betrachtet und bewertet werden“, rückte Leipzigs Polizeipräsident Bernd Merbitz am Donnerstag den Eindruck gerade. Wie berichtet, stieg bei der Leipziger Polizei die Zahl der unerledigten Vorgänge, die daher noch nicht in der Kriminalitätsstatistik erfasst sind, innerhalb eines Jahres um 8000 auf aktuell 30 000. „Insofern ist real eher von einem gleichbleibenden Niveau auszugehen“, so Merbitz. „Die Polizeidirektion Leipzig und hier speziell das Territorium der Stadt Leipzig bleiben die absoluten Schwerpunkte der Kriminalitätsentwicklung im Freistaat Sachsen.“ Zum Vergleich: In der gesamten PD Leipzig mit den Landkreisen Leipzig und Nordsachsen wurden 2015 insgesamt 101 673 Straftaten erfasst, in der PD Dresden waren es 87 252, in der PD Chemnitz gerade mal 55 306.

Diebstahl: Mit 38 293 Delikten war in der Stadt ein Rückgang im Vergleich zum Vorjahr um 2666 zu verzeichnen. Gesunken sind vor allem Beutezüge von Ladendieben (von 6389 auf 5929) sowie Diebstähle aus Büros, Lagern und Werkstätten (von 1856 auf 1408). Registriert wurden zudem 6851 gestohlene Fahrräder (2014: 6933) und 1793 Diebstähle aus Wohnungen (2014: 2045). Die Zahl der geklauten Autos sank von 613 auf 564, die der Diebstähle aus Fahrzeugen von 6403 auf 5983.

Straßenkriminalität: Insgesamt 19 919 Fälle ereigneten sich 2015 im Stadtgebiet. Auch hier ist ein Rückgang zu verzeichnen: Im Jahr zuvor waren es noch 21 120 Fälle. G ewaltkriminalität:
1782 Delikte führt die Statistik auf, im Jahr zuvor waren es 1839. Die Zahl der Morde wuchs 2015 von sieben auf zehn. Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung gingen von 363 auf 341 zurück, so gab es 17 bekannt gewordene Vergewaltigungen und 115 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern.Weniger Delikte gab es etwa bei Bedrohung (von 833 auf 689), vorsätzlicher Körperverletzung (von 4083 auf 3914), Raub (von 668 auf 605) und Nötigung (von 736 auf 659).

Vermögens- und Fälschungsdelikte: Auffällig ist hier, wie stark der Betrug mit Debit-Karten ohne PIN zurückging. Bei Delikten mit rechtswidrig erlangten unbaren Zahlungsmitteln waren es 2015 noch 1643 Fälle (2014: 2275). Sonstige Betrugsdelikte gingen von 3046 auf 2675 zurück.

Rauschgiftdelikte: 1432 Straftaten im Zusammenhang mit Drogen erfasste die Polizei 2015, im Jahr zuvor waren es 1888. Die Aufklärungsquote in diesem Deliktbereich liegt bei 92,8 Prozent (insgesamt: 46 Prozent). Die mit Abstand häufigsten Drogen sind Amphetamine (536 Fälle) und Cannabis (657).

Angesichts der nach wie vor hohen Fallzahlen gebe es für die Beschäftigten der Polizeidirektion „eine deutlich überdurchschnittliche Arbeitsbelastung“, erklärte Merbitz. Gleichwohl seien 2015 besondere Maßnahmen getroffen worden, um der Kriminalitätslage Rechnung zu tragen. Etwa mit dem Haus des Jugendrechts, das gemeinsam mit Staatsanwaltschaft Leipzig und Jugendgerichtshilfe betrieben wird. Oder auch mit einer speziellen Einheit, die den gesamten Deliktbereich der Eigentumskriminalität zentral bearbeitet. Merbitz nannte als weiteres Beispiel auch die Sicherheitskooperation mit der Handwerkskammer und der Industrie- und Handelskammer zu Leipzig gegen die vermehrten Einbruchsdiebstähle.

Trotz dieser Bemühungen in der sächsischen Kriminalitätshochburg sieht der Bund Deutscher Kriminalbeamter einen „sich immer mehr abzeichnenden Ermittlungsnotstand“, wie es in einer gestern veröffentlichten Mitteilung heißt. „Beständige Einsparungen an Personal und technischer Ressourcen zeigen Wirkung.“ Wie der sächsische Landesvorsitzende Peter Guld erklärte, verbiete es sich angesichts der Zahlen von einem Rückgang im Kriminalitätsaufkommen zu sprechen. „Allenfalls wird eine Verschiebung im Aufkommen deutlich, eine Verschiebung in Bereiche, die nachteiligere Wirkungen für den Bürger und die Gesellschaft entfalten, teils im Verborgenen bleiben.“

Von Frank Döring

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