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Wieder Randale an der Thomaswiese: Dehoga bringt Alkoholverbot ins Spiel

Wieder Randale an der Thomaswiese: Dehoga bringt Alkoholverbot ins Spiel

Neuer Zoff um die Thomaswiese in der Innenstadt: Nachdem es dort monatelang keine Randale und Saufgelage mehr gab, ist es nun wieder mehrfach zu Ausschreitungen gekommen.

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Wiese am Thomaskirchhof

Quelle: Wolfgang Zeyen

Der stadtbekannte Imbiss "Curry Cult" an der Petersstraße hat bereits einen privaten Sicherheitsdienst engagiert, um seine Mitarbeiter zu schützen. Mike Demmig vom Café Pascucci macht sich große Sorgen, Leipzigs Dehoga-Geschäftsführer Holm Retsch bringt ein Alkoholverbot ins Spiel.

Es waren bis zu 25 Jugendliche, die am 13., 18. und 20. September abends vor dem "Curry Cult" randalierten. "Unsere Kunden fühlten sich bedroht und verließen verängstigt den Freisitz", berichtet Geschäftsführer Dirk Gottschalk. Die Betrunkenen hätten Mitarbeiter bedroht, mit Aschenbechern geworfen und gegen die Scheiben gehämmert. "Wir haben Anzeige gegen Unbekannt erstattet", so Gottschalk. "Zur Sicherheit für unsere Mitarbeiterinnen und Kunden arbeiten wir jetzt mit einem privaten Sicherheitsdienst zusammen." Denn nach den jüngsten Vorfällen trauten sich die Angestellten abends nach Schließung nicht mehr allein aus dem Imbiss heraus.

"Es handelt sich nach bisherigen Erkenntnissen immer wieder um dieselben Jugendlichen", sagt Polizeisprecher Uwe Voigt, der zwei Einsätze am 18. und 20. September bestätigte. "In diesem Jahr waren das aber die einzigen auffälligen Ereignisse rund um die Grünfläche."

Nach der im Juni 2012 beendeten Umgestaltung des Areals für 270 000 Euro sei die Zahl der jungen Leute auf der Wiese in den vergangenen Monaten "erheblich gesunken", erklärt Ordnungsamtschef Helmut Loris. In einem Lagebild hatte die Stadt voriges Jahr noch festgestellt: "Die Wiese am Thomaskirchhof wird von vielen Jugendlichen als Treffpunkt und zum sogenannten "Vorglühen" vor allem Freitag- und Samstagabend genutzt. Hier wird Alkohol vereinzelt riskant, auch als entwicklungsbedingte Grenzerfahrung, konsumiert." Die Folgen: Jede Menge Lärm, reichlich Abfall und bisweilen auch Verletzte: Im Juni 2011 stach eine betrunkene 21-Jährige auf der Thomaswiese auf einen 18-Jährigen ein.

"Solche Zwischenfälle gab es 2012 nicht mehr und auch 2013 nicht in dieser Form", konstatiert Mike Demmig von der Bellavita GmbH, die das Café Pascucci betreibt. Er war einer der Initiatoren der Petition, mit der Anwohner und Gewerbetreibende gegen die Zustände auf der innerstädtischen Grünfläche Front machten. "Man kann annehmen, dass sich der störende Personenkreis durch die lange Sanierungszeit einem anderen Treffpunkt zugewandt hat."

Die Stadt verbucht es hingegen als Erfolg ihrer jüngsten Maßnahmen. "Durch die verstärkten Kontrollen des Ordnungsamtes befinden sich meist nicht mehr als 20 Personen auf der Wiese", so Amtsleiter Loris. Eine im Herbst 2012 gebildete "Dienstgruppe Zentrum" mit acht Inspektoren des Stadtordnungsdienstes und einem Leiter sei in zwei Schichten von 7 bis 21.30 Uhr, im Sommer an Freitagen und Samstagen bis 22.30 Uhr, im Einsatz zu Kontrollen und Ermittlungsverfahren. Ebenfalls in zwei Schichten sei die Operativgruppe des Ordnungsamtes aktiv, und dies sogar bis 0.30 Uhr. "Der Bereich Thomaswiese wird täglich mehrfach zu unterschiedlichen Tages-, Abend- und Nachtzeiten kontrolliert", versichert Loris. "Auch an den Wochenenden wird durch die Mitarbeiter im operativen Dienst der Bereich in die Kontrollen mit einbezogen." Zudem gebe es gemeinsame Streifen mit Einsatzkräften des Polizeireviers Leipzig Innenstadt.

Dennoch murrt die Basis. "Die Dienstgruppe Zentrum des Ordnungsamtes ist de facto unsichtbar", moniert Demmig. "Wir wünschen uns direkte Ansprechpartner und bessere Kommunikation mit den Betroffenen." Zwar seien es bislang nur wenige Vorfälle. "Aber diese sind besonders gravierend, weil hier Leute unmittelbar und massiv bedroht wurden", so Demmig. "Wir fürchten, dass es an der Thomaswiese wieder los geht und das Problem erneut sehr akut wird."

Holm Retsch sieht bereits jetzt Handlungsbedarf. "Gastronomen und andere Gewerbetreibende im Umfeld der Wiese leiden erheblich unter dem Zustand", so der Geschäftsführer des Dehoga-Regionalverbandes Leipzig. Ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen, wie von der CDU seit Jahren gefordert, könnte aus seiner Sicht Abhilfe schaffen.

Das Ordnungsamt werde bei Bedarf mit zusätzlichen Mitarbeitern die Lage intensiver überwachen, stellt Loris in Aussicht, auch Komplexkontrollen mit Polizeirevier Zentrum und Jugendamt hätten sich als effektiv erwiesen. Die Polizei hält nach den Zwischenfällen im September Kontakt zum "Curry Cult" und schickt regelmäßig Streifen ins Krisengebiet. "Seitdem", so Voigt, "ist nichts mehr vorgefallen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.10.2013

Frank Döring

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