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"Wirklich katastrophal": Eltern verwahrloster Kinder stehen vor Gericht

"Wirklich katastrophal": Eltern verwahrloster Kinder stehen vor Gericht

Nur dank aufmerksamer Nachbarn wurde das traurige Schicksal von zwei kleinen Jungs offenbar. Die Brüder erregten am Morgen des 16. Juli 2013 große Aufmerksamkeit.

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Quelle: dpa

Denn der knapp zwei Jahre alte Levin spielte völlig nackt in einem Hinterhof in Volkmarsdorf, sein älterer Bruder Elias, viereinhalb, trug zumindest ein Shirt. Weil sich aber niemand um die Geschwister kümmerte, wurde die Polizei alarmiert. Sie machte die Eltern Susan N. (27) und Daniel R. (27) ausfindig, die sich nun gestern wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht vor dem Amtsgericht verantworten mussten - sich zu den Vorwürfen allerdings nicht äußern wollten.

Polizist Jenö F., damals mit einer Kollegin zuerst vor Ort, zeichnete ein erschütterndes Bild einer völlig verwahrlosten Wohnung: "Das Schlimmste war das Kinderzimmer. An den Wänden befand sich keine Tapete. Es existierten nur zwei Bettgestelle mit halb zerfetzten Matratzen. Und überall lagen Kothaufen, in die die Kinder offenbar hineingetreten sind. Der Geruch - unerträglich. Es war wirklich katastrophal." Zudem sei der ältere Junge nicht in der Lage gewesen, auf Fragen zu antworten, habe sich durch Affengebärden artikuliert. "Das ist völlig untypisch für sein Alter", so der Beamte, der selbst auch Vater ist. "Für uns war klar: Wir müssen das Jugendamt, den Allgemeinen Sozialdienst, informieren. Die wollten erst gar nicht kommen. Wir mussten Druck machen", berichtete der Polizist. Auch seine Kollegin Beate B. sprach vom "nicht gerade engagierten Jugendamt". Ihr war außerdem aufgefallen, dass der kleine Junge gar keinen Laut von sich gab. "Er war einfach nur stumm."

Das Jugendamt übergab die beiden Kinder zunächst dem Vater - trotz Bedenken der Beamten, da sie ja auch ihn in der verwahrlosten Wohnung angetroffen hatten. Er verfügte jedoch über eigene vier Wände. Im Anschluss wurden die Jungs einem Arzt vorgestellt, der bei beiden Entwicklungsrückstände feststellte. Wie aus Berichten des Jugendamtes hervorging, die gestern verlesen wurden, besucht Elias mittlerweile seit einigen Monaten eine Kindertagesstätte und erhält spezielle Fördermaßnahmen. Auch sein Bruder wird voraussichtlich ab September dieses Jahres einen Kita-Platz erhalten. Beide Jungs leben längst wieder bei der Mutter - bei Kontrollen sei alles in Ordnung gewesen, hieß es.

Staatsanwalt Eike Gildemeister plädierte wegen des "krassen und nachhaltigen Verstoßes" für je neun Monate Haft auf Bewährung für das arbeitslose Paar, das Hartz IV bezieht. Amtsrichterin Irmgard Seitz verhängte jeweils eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 10 Euro. Die Richterin sprach von einem "mehr als schäbigen Verhalten" der Eltern, würdigte ausdrücklich das Engagement von Nachbarn und Polizei.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 17.04.2014

Sabine Kreuz

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