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Zerstörerische Demo in Leipzig-Plagwitz: Suche nach Verantwortlichen – „Protest läuft ins Leere“

Zerstörerische Demo in Leipzig-Plagwitz: Suche nach Verantwortlichen – „Protest läuft ins Leere“

Nach einer zerstörerischen Spontandemo am Donnerstagabend im Leipziger Westen fahndet die Polizei intensiv nach den Verantwortlichen. Bisher gebe es noch keine konkreten Verdachtsfälle, hieß es am Freitag.

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Die Haltestelle Karl-Heine-Straße/Merseburgerstraße wurde am Donnerstagabend von Randalierern zerstört.

Quelle: Michael Frömmert

Leipzig. „Wir waren schnell vor Ort, aber die Beteiligten waren auch schnell wieder weg“, so Polizeisprecher Uwe Voigt gegenüber LVZ-Online.

Übrig blieben am Freitagabend auf der Karl-Heine-Straße nur die verursachten Schäden: Aufgerissene Gehwege, beschädigte Hausfassaden, der zerstörte Eingangsbereich eines Unternehmens, eine entglaste Haltestelle der Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB) und ein schwer beschädigter Linienbus – der fahrgastlos und auf dem Weg ins Depot war. Zwischenzeitlich hatten die Demonstranten sogar mit Mülltonen Barrikaden errichtet und diese in Brand gesteckt. Nach Polizeiangaben entstand ein Schaden in mittlerer fünfstelliger Höhe. Verletzt wurde niemand.

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Leipzig. Eine Gruppe von 25 bis 30 schwarz gekleideten Personen hat am Donnerstagabend im Stadtteil Plagwitz randaliert. Wie die Polizei gegenüber LVZ-Online bestätigte, waren die Unbekannten kurz nach 22 Uhr mit Masken und Helmen vermummt aufgetaucht und beschädigten unter anderem eine Haltestelle, Geschäfte und einen Bus. Der aufgesprühte Schriftzug "Free Josef" legt nahe, dass die Randalierer einen Zusammenhang zur Inhaftierung eines jungen Mannes in Wien herstellen wollten. 

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Barrikaden durch Anwohner beseitigt – Zusammenhang mit Prozess in Wien

Ein Großteil der aufgetürmten Mülltonnen war beim Eintreffen der Polizei schon durch Anwohner notdürftig beseitigt. Das mache die Fahndung und die kriminaltechnische Tatortarbeit nicht einfacher, so Voigt weiter. Es werde noch absolut ergebnisoffen ermittelt, so der Behördensprecher. Anwohner wurden befragt, Zeugenaussagen aufgenommen.

Das mutmaßliche Thema der Spontandemo bietet zumindest Grund für Spekulationen. Die Beteiligten sollen mehrfach „Free Josef“ gerufen haben, es wurden später auch Graffiti mit der gleichen Forderung gefunden. Dies dürfte sich auf den Jenaer Studenten Josef S. beziehen, der seit Monaten in österreichischer Untersuchungshaft sitzt. Dem 23-jährigen Aktivisten einer SPD-nahen Jugendorganisation wird vorgeworfen, bei Ausschreitungen gegen Rechtsextreme Anfang des Jahres in Wien als Rädelsführer aufgetreten zu sein. Die Beweislast gegen den Thüringer ist zwar gering, die österreichischen Behörden trotzdem hartnäckig. Auch deshalb wächst die Solidarität für den 23-Jährigen seit Wochen. So hat beispielsweise die Stadt Jena dem Studenten zuletzt einen Preis für Zivilcourage verliehen.

Zwei Stunden vor den Zerstörungen am Freitag auf der Karl-Heine-Straße soll in der nahen Zollschuppenstraße eine Informationsveranstaltung zu dem Prozess stattgefunden haben. Ob die Randalierer von hier gekommen sein könnten, ließ Uwe Voigt offen. „Diese Ermittlungsrichtung ist nur eine von vielen“, so der Polizeisprecher weiter.

Anwältin von Josef S.: Ausschreitung kein Einfluss auf Prozess in Wien

Ungeachtet dessen mögen die Ausschreitungen dem Leipziger Engagement für eine Freilassung von Josef S.  nicht gerade hilfreich gewesen sein. „Solch eine Form des Protests läuft absolut ins Leere“, kritisierte Linken-Stadträtin Juliane Nagel auf Anfrage von LVZ-Online. Dem entgegen wurde auf einem österreichischen Internetblog, der die Solidaritätsaktionen für Josef S. bündelt, am Freitag auch Aufnahmen aus Leipzig präsentiert. Dass die Ausschreitungen sogar Einfluss auf den Prozess haben könnten, glaubt Kristin Pietrzyk, Anwältin von Joseph S., zumindest nicht: „Die Richter haben sich bisher ja überhaupt von nichts beeinflussen lassen. Sie haben ja nicht mal auf die Kritik von Amnesty International reagiert“, so die Jenaerin am Freitag.

Der Prozess gegen Josef S. war Anfang Juni mit großer Medienanteilnahme eröffnet worden. Die Wiener Staatsanwaltschaft wirft dem Thüringer Studenten vor, bei einer Demonstration gegen den „Akademiker-Ball“ der rechtspopulistischen FPÖ Landfriedensbruch, schwere Sachbestätigung sowie schwere Körperverletzung gegenüber Polizisten begangen zu haben. Nach Prozesseröffnung sind am 21. und 22. Juni die nächsten Verhandlungstage geplant. „Erst danach lässt sich absehen, wie lange der Prozess noch gehen wird. Ich denke, das kann sich noch bis Ende des Jahres hinziehen“, so Anwältin Pietrzyk.

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Matthias Puppe

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