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Polizeiticker Leipzig Zweifacher Mordversuch: Ehefrau schweigt - stundenlange Befragung des Angeklagten
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23:59 02.03.2015
Der Angeklagte Djamal A. im Gerichtssaal. (Archivfoto) Quelle: André Kempner

(42) beinahe getötet wurde, die Aussage vor Gericht verweigert.

Eigentlich war die Vernehmung von Anisa (40, Name geändert) schon am Morgen geplant, doch die Befragung ihres Ehemanns dauerte erneut mehrere Stunden. Djamal A. sprach von Streitigkeiten zwischen ihm und seiner Frau, wobei die Aggressionen stets von ihr ausgegangen seien. Beschimpft und bespuckt habe sie ihn und gedroht, ihn bei der Polizei anzuschwärzen. Ihr Onkel und dessen Frau hätten sie gegen ihn aufgebracht, sagte er, "seitdem war mein Leben eine Hölle".

Weil ihr Vater im Sterben lag, habe sie ihn am 19. Juli 2014 gegen seinen Willen in den Irak geschickt. Rund um das umkämpfte Mossul habe er Massaker des Islamischen Staats miterleben müssen. "Da starben auch viele Kinder", so der Angeklagte. "Ich kann nicht darüber sprechen." Aufgrund des Krieges habe er erst am 25. August wieder nach Leipzig zurückkehren können - eine Woche vor dem blutigen Familiendrama in der Lützner Straße. "Ich stand noch unter Schock", so Djamal A. "Als ich im Irak war, habe ich nicht gedacht, meine Frau und meine Kinder jemals wiederzusehen." Doch auch die Probleme in ihrer neuen Heimat waren noch da, Streitereien seien weiter an der Tagesordnung gewesen. Auch am 31. August, als Djamal A. laut Anklageschrift geplant hat, seine Frau und seine älteste Tochter (15) umzubringen, weil beide gegen seinen strikten Machtanspruch innerhalb der Familie aufbegehrten.

An jenem Morgen sei er mit seinen Kindern zu McDonalds gegangen, weil sie es sich gewünscht hatten. Seine Frau habe noch im Bett gelegen und ihn dann wegen des Fastfood-Ausflugs beschimpft. Erneut sei die Lage aus dem Ruder gelaufen. "Sie hat gedroht, mich umzubringen und wollte schon ein kleines Küchenmesser nehmen", so der Angeklagte. "Ich konnte das Messer wegtun." Dann habe sie in der Küche nach einem großen Fleischmesser gegriffen, was er ebenfalls verhindert habe.

Doch was nun passierte, daran will er keinerlei Erinnerung mehr haben. "Plötzlich war mir schwindelig, ich wusste nicht mehr, was los ist", erzählte der Iraker vor Gericht. Plötzlich habe er sich im Flur wiedergefunden, seine Frau und seine älteste Tochter gesehen. "An beiden war Blut", schilderte er die Situation. "Dieser Moment war für mich eine Katastrophe." Er habe gebetet für sie, dass sie durchhalten bis der Krankenwagen kommt und versprochen, ein Tieropfer zu erbringen. "Ich habe meine Frau und meine Tochter getötet", teilte er dem Gericht zufolge danach per Notruf mit. "Bitte kommen sie schnell!"

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft stach der Angeklagte jeweils 17 Mal auf seine Frau und seine Tochter ein. Die Tatwaffe, ein Küchenmesser mit 20 Zentimeter langer Klinge, verursachte schwerste innere Verletzungen. Nur durch sofort eingeleitete Notoperationen blieben Mutter und Tochter am Leben.

Noch gestern früh soll Anisa nach Informationen der Nebenklage fest entschlossen gewesen sein, zu dem Familiendrama auszusagen. Aber dann machte sie doch noch von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. "Ich will nicht", sagte sie. Bleibt noch die älteste Tochter als Zeugin der Tat. Der Prozess ist bis Ende nächster Woche geplant.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.03.2015

Frank Döring

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