Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Zweijährige Tochter entführt: Bewährungsstrafe für Vater

Amtsgericht Leipzig Zweijährige Tochter entführt: Bewährungsstrafe für Vater

Mit acht Monaten Haft auf Bewährung endete am Mittwoch ein Prozess um Freiheitsberaubung und Kindesentziehung am Amtsgericht Leipzig. Ein 26-jähriger Vater hatte nach einem Streit mit seiner Lebenspartnerin die Frau ins Bad eingeschlossen und war mit der Tochter geflüchtet. Unter dem Fahndungsdruck der Polizei gab er die Zweijährige freiwillig wieder heraus.

Amtsgericht Leipzig.

Quelle: André Kempner

Leipzig. „Es war wie im Affekt“, versuchte sich Patrick B. (26) am Mittwoch vor dem Amtsgericht Leipzig zu rechtfertigen. Er gab zu, nach einem Streit seine Lebenspartnerin im Bad der gemeinsamen Wohnung in Sellerhausen-Stünz eingeschlossen und die zwei Jahre alte Tochter anschließend entführt zu haben. Die Quittung dafür: acht Monate Haft auf Bewährung, einbezogen in das Urteil wurde noch eine Vorstrafe wegen Diebstahls. Zudem soll der Lagerarbeiter als Bewährungsauflage 500 Euro an die Kinderhilfe Leipzig zahlen.

„Ich dachte an Trennung – und hatte pure Angst vor dem, was passiert“, schilderte der Angeklagte. An dem Tattag – dem 8. März 2013 – war er ziemlich sauer auf seine Partnerin. Seiner Darstellung nach hatte sie ihn beim Jugendamt angeschwärzt, dort seinen Drogenkonsum publik gemacht. „Für mich war das Verrat“, so der 26-Jährige. In der Wohnung in der Bruhnsstraße packte er seinerzeit gegen 16.30 Uhr eine Tasche mit Windeln sowie Spielsachen zusammen. Sein guter Freund Mathias R. (31) wollte ihn vorübergehend bei sich in der Friedrich-Ebert-Straße aufnehmen. Und wie sollte es weitergehen? Das habe er selber nicht gewusst, räumte Patrick B. vor Gericht ein.

Seine Partnerin Lisa W. (27) hatte damals in der Wohnung immer wieder laut um Hilfe geschrien, so dass eine Nachbarin aufmerksam geworden war. „Sie hämmerte gegen die Tür. Deshalb habe ich die Polizei gerufen“, schilderte Stefanie H. als Zeugin im Prozess. Noch bevor die Beamten eintrafen, konnte sich die eingesperrte Frau nach etwa zwei Stunden selbst befreien – sie hatte ein Loch in die Badtür geschlagen. Weil ihr ziemlich schnell klar wurde, wo Mann und Kind Unterschlupf suchen würden, stand die Polizei alsbald bei Mathias R. vor der Tür. Und nahm den Serviceingenieur mit aufs Revier. Per Telefon überredete er schließlich seinen Kumpel zum Aufgeben. „Unter dem Druck der Polizeifahndung gab der Angeklagte das Kind schließlich freiwillig heraus“, sagte Staatsanwältin Jana Neitzsch. Das war damals noch am selben Tag um 21.45 Uhr. „Er brachte die Frau in allerhöchste Not.“ Eine Freiheitsstrafe sei unerlässlich, meinte sie. Das Strafverfahren gegen Mathias R. wurde bereits vor längerer Zeit eingestellt. Im Gegenzug musste er 500 Euro zahlen.

Patrick B. und Lisa W. hatten sich 2013 aus den Augen verloren; die Justiz lange Zeit weder ihn noch sie ausfindig machen können. Gestern stellte sich heraus: Beide wohnen wieder zusammen, allerdings in Rendsburg in Schleswig-Holstein. Die kleine Tochter lebt jetzt in einer Pflegefamilie, offiziell anerkannt hat Patrick B. die Vaterschaft bislang nicht. Wegen seines Geständnisses verzichtete das Gericht auf die Vernehmung der Frau, die inzwischen eine weitere Tochter zur Welt gebracht hat. Mit dem drei Monate alten Baby, das nicht sein leibliches Kind sei, so Patrick B., soll der Neustart gelingen.

 

Von Sabine Kreuz

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Polizeiticker Leipzig
Feuerwehren: Rufnummern und Adressen

Bei Bränden und Notfällen erreichen Sie hier die Feuerwehren vor Ort. mehr

Schmutz vor der Haustür, Graffito an Wand. Informieren Sie das Leipziger Ordnungsamt. mehr