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Zweiter Prozesstag am Landgericht Leipzig gegen Brandstifter: Bei Frust Feuer gelegt

Zweiter Prozesstag am Landgericht Leipzig gegen Brandstifter: Bei Frust Feuer gelegt

Nur stockend rückte er gestern mit der Sprache raus. Marco H., der nach seiner fristlosen Kündigung in einer Pizzeria im Mai 2013 nachts im Wohnhaus der beiden Chefs in Connewitz einen Brand legte und sich deshalb wegen zehnfachen Mordversuchs verantworten muss, offenbarte am zweiten Prozesstag: Bei Frust auf Freundin, Freund oder Familie - manchmal auch auf den Arbeitgeber - lege er Feuer.

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Wegen Brandstiftung und Mordversuch muss sich der Angeklagte Marco H. vor dem leipiger Langericht verantworten.

Quelle: André Kempner

Leipzig. "Ich weiß nicht, warum. Ich kann es mir nicht wirklich erklären", sagte der 24-Jährige am Landgericht.

Die Serie seiner Brandstiftungen setzte bereits am 3. Oktober 2012 ein. Laut Anklage zog er nach Zoff mit einem Kumpel durch Markkleeberg, zündete an verschiedenen Gebäuden Mülltonnen an. Auch am Einfamilienhaus seiner Mutter kokelte er. Mit Hilfe einer Gaskartusche setzte H. einen Holzstapel in Brand, wodurch auch eine Mauer Schaden nahm. "Und warum das Ganze?", hakte der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf immer wieder nach. "Es gab Probleme mit meiner Freundin, sie hatte mich rausgeschmissen. Und meine Mutter wollte mich nicht aufnehmen." Allerdings: Bei ihr geklingelt hatte er gar nicht.

Bereits 2000 trennten sich die Eltern des Angeklagten, da war er elf Jahre alt. Zunächst blieb Marco H. bei der Mutter. "Wegen meiner Verhaltensauffälligkeiten war sie aber überfordert. Danach wohnte ich bei meinem Vater." Bis er, inzwischen 18-jährig, wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Diebstahl ins Gefängnis musste.

"Haben Sie auch schon als Kind aus Wut über Lehrer gekokelt?", will Jagenlauf wissen. - Marco H. verneint zwar. Doch Alkohol sei schon seit einem Jahrzehnt sein ständiger Begleiter. Träfen Frust und Bier aufeinander, dann passiere irgendetwas.

So wie auch am 6. April 2013 wiederum in Markkleeberg. Vorwurf: Einbruch in einen Autohandel. "Ich war bei einer Strandparty am Cospudener See und betrunken, wollte nicht bis Connewitz nach Hause laufen, sondern einen Pkw klauen, fand dort aber keine passenden Schlüssel." Aus Wut darüber verschüttete er eine Flüssigkeit und wollte sie anzünden - das schlug aber fehl.

Nur wenige Tage später, am 13. April, ließ Marco H. aus einer Kfz-Werkstatt in Lößnig einen Bunsenbrenner mitgehen, mit einem Auto hatte es nach seinen gestrigen Angaben erneut nicht geklappt. Auf seinem Heimweg fackelte er in der Hans-Otto-Straße einen VW Polo ab. Die Flammen griffen auch noch auf einen Skoda über.

Und weil er als Angestellter einer Pizza-Filiale in der Bornaischen Straße gefeuert worden war (er war ohne Erlaubnis mit dem Firmenfahrzeug bis nach Halle kutschiert), zündete H. im Wohnhaus seiner beiden Chefs einen Fahrradanhänger an (die LVZ berichtete). Ein Rauchmelder schlug an, so dass Schlimmeres verhindert werden konnte. "Es sollte wie ein kleiner Schrecken für sie sein. Sie sollten sich auch so ärgern wie ich mich." Tötungsabsichten jedoch bestritt er. Laut Verteidiger Ingo Stolzenburg sei seinem Mandanten mittlerweile bewusst, dass er bei Frust zündelt. "Feuer ist für ihn das Mittel, um Konflikte zu lösen - mangels anderer Strategien." Darüber werde sich jedoch ein Psychiater bei den Prozessfortsetzungen Ende Januar äußern.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.01.2014

Kreuz, Sabine

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