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Leipzig Sachsen gehen früh in Rente
Leipzig Sachsen gehen früh in Rente
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22:00 07.10.2018
Eine Seniorengruppe ist in Richtung Schloss Moritzburg unterwegs. In Mitteldeutschland gehen prozentual weit mehr Menschen vorzeitig in Altersrente als bundesweit. Quelle: dpa
Leipzig

In Mitteldeutschland gehen prozentual weit mehr Menschen vorzeitig in Altersrente als bundesweit. Ein Grund dafür ist, dass in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mehr Versicherte die Voraussetzungen für die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte (Rente mit 63) erfüllen. Zudem gibt es zwischen Ost und West große Unterschiede in den Erwerbsbiografien.

In den drei Ländern sind nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) Mitteldeutschland im Jahr 2017 nur 22,1 Prozent aller Versicherten, die sich aus dem Arbeitsleben verabschiedet haben, in die Regelaltersrente gegangen. In Gesamtdeutschland waren das mit 42,1 Prozent fast doppelt so viele. Die Regelaltersrente (auch normale Rente genannt) wird seit 2012 schrittweise von 65 auf 67 Jahre angehoben.

Die „Rente mit 63“ wurde 2017 in Gesamtdeutschland von 31,2 Prozent aller Altersrentner in Anspruch genommen – in Mitteldeutschland jedoch von 43,3 Prozent. Wobei „Rente mit 63“ nicht mehr ganz zutrifft, da sich die Grenze des Renteneintritts mit steigendem Geburtsjahrgang erhöht, und zwar um jeweils zwei Monate. Wer 1954 geboren ist, geht mit 63 Jahren und acht Monate in Rente und ab Geburtsjahr 1964 mit 65 Jahren.

Zudem nehmen in Mitteldeutschland mehr Versicherte Abschläge in Kauf, um vorzeitig in den Ruhestand zu gehen. Die Gründe, warum jemand – sei es mit oder ohne Abschläge – in Altersrente geht, können verschieden und sehr individuell sein, meint der Geschäftsführer der DRV Mitteldeutschland, Jork Beßler. „Dass in Mitteldeutschland beziehungsweise im Osten die Rente mit 63 deutlich öfter in Anspruch genommen wird, hängt vor allem damit zusammen, dass mehr Ostdeutsche prozentual die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen. Sie weisen in der Regel eine längere Erwerbsbiografie auf als Westdeutsche“, so Beßler. „Arbeitslosigkeit gab es de facto nicht, und die Frauen sind nach der Geburt eines Kindes sehr schnell wieder arbeiten gegangen.“

Das lässt sich anhand von Zahlen belegen: So ist die durchschnittliche relevante Erwerbsbiografie der Männer in den neuen Ländern mit 44,5 Jahren gut vier Jahre länger als die von Männern in den alten Ländern (40,4 Jahre). Bei den Frauen ist dieser Unterschied mit mehr als 13 Jahren deutlich größer. Während ostdeutsche Frauen durchschnittlich 41 Arbeitsjahre aufweisen können, sind es bei den westdeutschen Frauen nur 27,6 Jahre. „In der DDR war es durchaus üblich, unmittelbar nach der Schule eine Ausbildung zu beginnen und somit ins Erwerbsleben einzutreten“, sagt die Sprecherin der DRV Mitteldeutschland, Ursula Wächter. Dies geschah meist im Alter von 16 bis 17 Jahren. Auch dadurch hätten sich im Osten durchschnittlich längere Erwerbsbiografien ergeben.

Ein weiterer Unterschied ist, dass es für den Osten typisch war, dass Frauen einer Vollzeit-Erwerbstätigkeit nachgegangen sind und damit Frauen und Männer im Osten jeweils eigene Rentenansprüche erworben haben, sagt Joachim Ragnitz vom Ifo-Institut in Dresden. „Pro Haushalt gibt es demzufolge zumeist zwei Rentenbezieher.“ Gingen beide frühzeitig in Rente, fielen die Einkommenseinbußen aufgrund von Abschlägen pro Haushalt nicht so stark ins Gewicht.

Von Andreas Dunte

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