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„Alle Kitas, die jetzt geplant und gebaut werden, benötigen wir langfristig“

Sozialbürgermeister Thomas Fabian im Interview „Alle Kitas, die jetzt geplant und gebaut werden, benötigen wir langfristig“

Leipzig ist im Kita-Bauboom. Dennoch reichen aufgrund des Geburtenzuwachses und des Zuzugs zahlreicher junger Familien die Plätze nicht aus. Im Interview äußert sich Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD), wie die Stadt das ändern will.

Wäre das Bauen von Kitas doch so einfach wie das Spielen mit einem Puppenhaus. Szene aus einer Leipziger Kindereinrichtung.

Quelle: André Kempner

Leipzig. Leipzig ist im Kita-Bauboom. Dennoch reichen aufgrund des Geburtenzuwachses und des Zuzugs zahlreicher junger Familien die Plätze nicht aus. Im Interview erläutert Sozialbürgermeister Thomas Fabian (SPD), wie die Stadt das ändern will.

Der Stadtrat hat zugestimmt, zwölf Kitas bis 2019 zusätzlich mit kommunalem Geld zu errichten. Die Entscheidung über die Nr. 13 wurde verschoben. Es geht um die Eigenheimstraße, da Anwohner der Siedlung Johannishöhe um ihre Grünfläche kämpfen. Warum verzichten Sie nicht einfach darauf?

Die Nachfrage nach Plätzen steigt ständig. Deshalb benötigen wir jede Kita, die wir planen. Und zwar so schnell wie möglich. Gemeinsam mit privaten Investoren, freien Trägern und kommunalen Unternehmen haben wir zwar viele Projekte auf den Weg gebracht, die nach und nach fertig werden. Mittelfristig reichen diese Kitas allerdings nicht aus. Die Kita in der Eigenheimstraße könnte sehr schnell gebaut werden. Und der Standort ist für Kinder gut geeignet.

Knapp 900 Betreuungsplätze fehlen nach wie vor. Bis wann hat sich die Situation entspannt?

Wenn die Leipzig-Kitas und die ohnehin seit Längerem geplanten Bauprojekte umgesetzt sind, haben wir 2019 ausreichend Plätze. Davon gehe ich aus. 2018 und 2019 sollen jeweils mehr als 1500 Plätze pro Jahr neu entstehen. Mit den Leipzig-Kitas kommen weitere 1685 Plätze obendrauf. Immerhin werden in den Jahren 2018/19 insgesamt gut 100 Millionen Euro investiert. Danach muss es aber trotzdem rasch weitergehen. Sonst haben wir zwei Jahre später wieder zu wenig Plätze.

Bis 2030 – so sagt die aktuelle Prognose – braucht Leipzig 40 Neubauten. Können Sie das überhaupt stemmen?

Das müssen wir. Es gibt schließlich einen Rechtsanspruch auf eine Betreuung der Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr. Und wir wollen das auch stemmen. Aber wir werden weiterhin darauf angewiesen sein, dass private Investoren und auch freie Träger uns dabei unterstützen.

Schon jetzt gibt es Streit um Grünflächen wie in der Eigenheimstraße in Dölitz-Dösen. Wo kommen die ganzen Grundstücke her?

Die Mindestgröße von Neubauten darf inzwischen 160 Plätze unterschreiten. Wir haben die Untergrenze jetzt auf 90 Plätze festgelegt. Für diese Kitas sind auch kleinere Grundstücke geeignet. Die benötigen eine geringere Fläche. Und wir müssen Kitas mehrstöckig bauen, auch wenn das teurer wird. Für Elterninitiativen, die auch kleinere Einrichtungen betreiben wollen, sind wir offen. Das habe ich zugesagt. Da waren wir immer zögerlich, weil die ganz kleinen Kitas schwieriger zu bewirtschaften sind. Bei guten Konzepten muss dies aber künftig möglich sein.

Die Grünen drängen auf Mehrfachnutzungen von Gebäuden. Wie stehen Sie dazu?

Wir streben seit Langem an, Wohnbebauung und Kitas in einem Gebäude umzusetzen. Dazu gibt es Gespräche mit der LWB und anderen Akteuren auf dem Wohnungsmarkt. Ich hoffe sehr, dass solche Projekte bald umgesetzt werden.

Die Stadt wird immer dichter bebaut. Gibt es künftig mehr Kitas mit Freiflächen auf Dachterrassen?

Einen Teil der Freifläche auf einer Terrasse halte ich nicht für ausgeschlossen. Die gesamte Freifläche auf dem Dach kann ich mir nicht vorstellen. Aber ich hoffe, dass Architekten hier kluge Lösungen finden.

Der Neubau von Kitas klemmt weniger am Geld. Vielmehr an der Umsetzung ...

Das stimmt. Wir haben im Moment kein Finanzierungs-, sondern vielmehr ein Umsetzungsproblem. Das hängt damit zusammen, dass Planungsprozesse oft sehr lange dauern. Eine gute Planung ist aber notwendig. Dies haben Erfahrungen der vergangenen Jahre gezeigt. Nicht jede Baumaßnahme wird zum geplanten Termin fertig, andere stellen sich als nicht realisierbar heraus.

Wie wollen Sie Prozesse beschleunigen?

 Entscheidungsprozesse haben wir schon sehr beschleunigt. Durch die Steuerungsgruppe beim Oberbürgermeister geht vieles inzwischen schneller. Grob gesagt sparen wir bei Schul- und Kitabauten mittlerweile ein halbes Jahr. Mittlerweile erkennen alle an, dass Kitas und Schulen eine hohe Priorität innerhalb der Verwaltung haben. Es bewegt sich viel. Wir müssen aber trotzdem weitere große Schritte gehen, um mit der demografischen Entwicklung Schritt zu halten.

Bekommen Sie überhaupt noch genügend Handwerker?

 Das wird zunehmend bei Kita- und Schulbauten zum Problem. Die lokale Wirtschaft hat eine so gute Auftragslage, dass es immer schwieriger wird, unsere Bauten so schnell wie möglich umzusetzen.

Viele bestehende Kitas müssten dringend saniert werden. Ist bei all den Neubauten dafür überhaupt noch Geld da?

Parallel zu den Neubauten haben wir in den vergangenen Jahren immer auch saniert. Oder Ersatzneubauten geschaffen. Jahr für Jahr haben wir viele Maßnahmen umgesetzt und werden es auch weiter tun.

Es könnte aber passieren, dass der Geburtenboom nachlässt. Haben Sie dann zu viele Kindergärten?

Wir können guten Gewissens davon ausgehen, dass Geburtenzahlen auch nach 2019 steigen. Alle Kitas, die jetzt geplant und gebaut werden, benötigen wir langfristig. In einer Situation, wo noch viele Eltern verzweifelt einen Platz suchen, kann ich mir nicht vorstellen, dass wir zu viele Kitas bauen. Das übersteigt meine Fantasie. Langfristig sollen Eltern sich eine Kita auch nach einem der unterschiedlichen pädagogischen Konzepte auswählen können. Das ist erst möglich, wenn ein gewisses Maß an Überkapazitäten vorhanden ist.

Von Mathias Orbeck

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