Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Stadtpolitik Bekommt Leipzig eine Krystallpalast-Straße?
Leipzig Stadtpolitik Bekommt Leipzig eine Krystallpalast-Straße?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:15 25.04.2018
Der Stadtrat Leipzig entscheidet am 25. April unter anderem über neue Straßennamen. Quelle: Dirk Knofe
Leipzig

Eine Sitzung reichte nicht für die prall gefüllte Tagesordnung, deshalb setzt der Leipziger Stadtrat am 25. April um 16 Uhr den April-Entscheidungsmarathon fort. Unter anderem geht es um den Ausbau der Fernbus-Infrastruktur mit einem neuen Parkplatz am Hauptbahnhof, den Fortschritt der Sanierung des Trendviertels Plagwitz, Unterstützung für ein soziales Jugend-Wohnprojekt und die Frage, ob Leipzig eine Krystallpalast-Straße bekommt. LVZ.de gibt einen Themenüberblick:

Bekommt Leipzig eine Krystallpalast-Straße?

Der Stadtrat soll am Mittwoch (25.4.) zahlreiche Straßenbenennungen bestätigten. Für die Verlängerung der Hofmeisterstraße im Zentrum-Ost schlägt der Fachausschuss Umwelt und Ordnung nun die Bezeichnung „Krystallpalast-Straße“ vor. Das Areal wird neu bebaut. Die Straße liegt auf dem Gelände des einstigen Leipziger Vergnügungsviertels, das durch eine aufwändige Eisen-Glas-Konstruktion geprägt wurde: Architekt Carl Planer ließ dort 1881/82 den Krystallpalast errichten, Leipzigs erstes und berühmtestes Varietétheater.

Historisches Foto der Alberthalle auf dem Krystallpalast-Gelände, um 1900. Quelle: LVZ

Theatersaal, Wintergärten und Restaurants boten vielerlei Möglichkeiten zur Unterhaltung. Arwed Roßbach entwarf zudem 1886/87 einen Kuppelbau, die Alberthalle, genannt nach dem sächsischen König. Dort fanden Zirkusveranstaltungen vor rund 3000 Besuchern statt. Der Clown Grock war ebenso zu Gast wie die Don Kosaken und die Tänzerin Josephine Baker. Beim schweren Bombenangriff auf Leipzig am 4. Dezember 1943 wurden die Gebäude des Krystallpalasts zerstört. Das heutige Krystallpalast-Varieté, das an die Tradition des beliebten Viertels anknüpft, hat seinen Sitz aber in der Magazingasse in der City.

Busparkplatz am Hauptbahnhof

Lageplan: Östlich des Leipziger Hauptbahnhofs ist ein neuer Busparkplatz geplant. Quelle: Patrick Moye

Das Busterminal für den Fernbusverkehr ist eröffnet – doch noch fehlen ausreichend Abstellmöglichkeiten für Fern- und Touristenbusse. An der Ostseite des Hauptbahnhofs will die Stadt nun einige hundert Meter weiter nahe der Brandenburger Straße einen Platz mit 31 Stellplätzen schaffen. Rund 2,4 Millionen Euro soll der Stadtrat für Planung und Bau bewilligen. Dafür wird auch die Zufahrtstraße ausgebaut. Die Stellplätze werden kostenpflichtig sein. Direkt nebenan soll außerdem ein privater Investor eine Servicestation mit weiteren zehn Stellplätzen errichten. Dort soll es kostenpflichtige Angebote wie Busreiniung und die Möglichkeit zur Versorgung der Busfahrer geben.

Plagwitz-Sanierung: Satzung aufheben

Plagwitz gilt seit einigen Jahren als Boom-Viertel. Stadt und private Investoren haben zahlreiche Straßenzüge oder öffentliche Grünflächen wieder hergerichtet. Jetzt will die Stadt die Sanierungssatzung im südlichen Teil aufheben: Das Quartier ist überwiegend renoviert. Der neue Stadtteilpark Plagwitz, eine frisch sanierte Siedlung in der Weißenfelser Straße oder Mehrfamilienhäuser in der Merseburger Straße sind nur einige Beispiele für den Wandel.

Das von der Satzungsaufhebung betroffene Areal wird im Norden durch die Karl-Heine-Straße, im Westen durch die Zschochersche Straße, südlich durch die Naumburger Straße und im Osten durch die Gießerstraße und den Karl-Heine-Kanal begrenzt. Ein Block vor der König-Albert-Brücke ist aber davon ausgenommen.

Kleinod: Der Felsenkeller in Leipzig/Plagwitz. Quelle: Kempner

Über die Satzung konnte die Verwaltung die Entwicklung des Quartiers stadtplanerisch steuern und hatte die Grundlage für Fördergelder geschaffen. Nach der Aufhebung kann die Kommune Ausgleichsbeiträge von Eigentümern erheben, die von der Wertsteigerung ihres Grundstücks profitieren. Diese Einnahmen sollen erneut investiert werden, fließen zum Beispiel in die Erneuerung der denkmalgeschützten Fassade des Felsenkellers, die Sanierung der Philippuskirche und in neue Fuß- und Radwegverbindungen an der neuen Grundschule Gießerstraße.

Projekt Jugendwohnen sichern

Der Verein Jugendhaus engagiert sich gemeinsam mit der kommunalen Wohnungsgenossenschaft LWB für das Projekts „Leipziger JugendWohnen“. Der Verein stellt jungen Erwachsenen bis 27 Jahren, Alleinerziehenden oder Familien, die von Obdachlosigkeit bedroht sind, kurzfristig und unbürokratisch eine Unterkunft auf Zeit zur Verfügung. Derzeit unterstützten die LWB für das Projekt mit dem Mehrfamilienhaus in der Bornaischen Straße 98. Bewohner, Auszubildende und Teilnehmer des Projekts „Netz kleiner Werkstätten“ sanieren Wohnungen auf einfachem Standard.

Voraussetzung für das Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekt sei aber die sozialpädagogische Begleitung der Bewohner. Dafür benötigt der Verein im laufenden Jahr finanzielle Unterstützung für Personal und Sachmittel von der Stadt in Höhe von knapp 62.000 Euro. Damit das Projekt Bestand hat, streben LWB und der Verein Jugendhaus einen 10-Jahres-Mietvertrag an.

Musikalische Komödie wird runderneuert

Für rund 7,6 Millionen Euro inklusive Fördermitteln soll Leipzigs Musikalische Komödie runderneuert werden. Von der Bestuhlung im Zuschauersaal über einen höhenverstellbaren Orchestergraben über Bühnentechnik, sanitäre Anlagen bis zur Brandschutz und Außenanlagen reichen die Baumaßnahmen. Zwischen Juli 2019 bis zum Herbst 2020 kann die MuKo als Spielstätte nicht genutzt werden – die Künstler weichen auf Ersatzräume aus. Die Stadt geht in dieser Spielzeit von finanziellen Einbußen von rund 900.000 Euro aus.

Weitere Themen (ursprünglich 18.4.):
Zieht das Jugendamt auf die Alte Messe? / Mehr Platz für die 60. Schule / Neue Oberschule in Meusdorf / 640.000 Euro für Betreuung in Privat-Kitas / Kita und Wohnung am Lindenauer Hafen

Von Evelyn ter Vehn

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wie stehen die Chancen von OBM für einen Wechsel an die Spitze des Ostdeutschen Sparkassenverbandes? Und was würde das für Leipzig bedeuten?

27.04.2018

Die Straßenausbaubeitragssatzung wird gekippt und Bienen in der Stadt sollen besser geschützt werden - diese Entscheidungen fällte der Stadtrat am Mittwoch auf seiner April-Sitzung. Ein Überblick.

18.04.2018

Das Bildnis von Erich Zeigner bekommt seinen Platz in der Porträt-Galerie der Leipziger Oberbürgermeister im Neuen Rathaus. Das hat der Stadtrat gestern gegen die Stimmen von CDU und AfD beschlossen.

18.04.2018