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Erster Unternehmer in Leipzig will E-Autos abschaffen

Technik und Infrastruktur enttäuschen Erster Unternehmer in Leipzig will E-Autos abschaffen

Der große Durchbruch bei den Elektroautos bleibt bisher aus. Einige Leipziger Unternehmer überlegen sogar, die E-Mobilität wieder abzuschaffen. Die Nachteile sind zu groß, die Infrastruktur dafür einfach nicht weit genug.

Die Möglichkeiten zum Aufladen der Elektroautos sind in Leipzig begrenzt. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Die Bundesregierung will bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen bringen. Bislang fällt ihre Bilanz allerdings mager aus: Von den 45 Millionen zugelassenen Kraftfahrzeugen in Deutschland werden nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie gerade mal 25 300 elektrisch betrieben. Und der große Durchbruch ist mangels wirtschaftlicher Anreize auch nicht in Sicht. Mehr noch: „Wenn in den nächsten zwei Jahren nichts Gravierendes passiert, bin ich von der E-Mobilität wieder weg“, steht für Klaus-Dieter Bugiel (54), Geschäftsführer von Fox-Courier Leipzig, schon heute fest.

Dabei will Leipzig doch Hauptstadt der Elektromobilität werden. Zur Flotte des Kurierdienstes, der seinen Sitz am Airport hat, gehören seit 2011 auch E-Autos. Bugiel war der erste Unternehmer im Raum Leipzig, der auf die neue Antriebsart setzte. Er wollte den Trend nicht verschlafen und beweisen, dass sich mit umweltschonender Technologie Wirtschaftsverkehr und Lebensqualität durchaus vereinbaren lassen.

Vom geräuschlosen Fahren ist Bugiel nach wie vor begeistert. Gerade nahm er an der Lipsia-E-Motion-Tour teil. Bei der Elektromobilitätsrallye belegte sein Team einen zweiten Platz. Dennoch macht sich bei ihm nach vier Jahren Ernüchterung breit. „Wir betreiben mit diesen Autos großen Aufwand, müssen unsere Fahrten so planen, dass wir nicht auf Säulen angewiesen sind, weil es keine Ladeinfrastruktur gibt“, erklärt Bugiel. „Und wenn man eine Säule findet, ist sie defekt oder belegt oder der Parkplatz wird von einem Auto mit Verbrennungsmotor besetzt.“

Es sind die geringen Reichweiten, die den gewerblichen Einsatz erschweren. Zurzeit nutzt Fox zwei Fahrzeuge eines „renommierten Herstellers“. Mit einer Batterieladung schafft ein Pkw im Optimalfall 190 Kilometer. Bei Kälte im Winter ist der Saft nach 70 Kilometern raus. Bugiel: „Dann müssen aber auch Heizung und Radio aus sein.“

Er vermisst nicht nur deutliche Fortschritte bei der Entwicklung von Fahrzeug- und Ladetechnik. „Der Einsatz von E-Autos bringt auch keinen Vorteil“, konstatiert er. Ein Anreiz wäre für ihn schon, dürfte er mit seinen Stromern in die Innenstadt fahren und dort Kunden beliefern. Aber Ausnahmen gebe es nicht. Bugiel kassierte beim Aufladen vorm Rathaus sogar Knöllchen. Ändere sich nichts, lasse er die Leasingverträge für seine E-Autos auslaufen.

Marcell Kuhl (38) begleitet mit seiner Firma „Notwehr Management“ kleine und mittelständische Unternehmen in strategischen Fragen wie der E-Mobilität. Er will zwischen Wirtschaft und Politik vermitteln, denn auch er vermisst „zukunftsträchtige und alltagstaugliche Ladestrukturen“ in der Stadt. Diese brauche es für einen „unterbrechungsfreien Betrieb dieser Unternehmen“. Einzelne Firmen könnten sich sogar eine Co-Finanzierung der Ladeinfrastruktur vorstellen. Es fehle jedoch an Lösungsansätzen auf politischer Ebene. Dass Leipzig bislang nicht auf induktives (also kabelloses) Laden setzt, versteht er nicht. Diese Technologie, bei der Batterien ähnlich einer elektrischen Zahnbürste kontaktlos über ein Magnetfeld zwischen zwei Spulen aufgeladen werden, sei in vielen Städten seit Langem im Einsatz. Kuhl: „Nur zu sagen, wir wollen Hauptstadt der Elektromobilität sein, reicht nicht.“

So weit ist Leipzig

Die Stadtwerke haben nach den Worten von Christoph Hansel, in der Kommunalholding LVV unter anderem für E-Mobilität zuständig, an 39 Standorten in und um Leipzig bereits 64 Ladestationen errichtet – die meisten auf dem Gelände von Betrieben, die wenigsten im öffentlichen Raum wie etwa am Rathaus oder vor dem Naturkundemuseum. Die Verkehrsbetriebe beginnen gerade mit dem Aufbau von 25 Mobilitätsstationen. Diese Schnittstellen von öffentlichem Nahverkehr, Auto und Fahrrad werden jeweils auch über eine Ladesäule verfügen. In den Betrieben der LVV sind etwa 25 E-Autos in Betrieb. „Die LVV will das Thema befördern“, sagt Hansel.

Induktives Laden sei jedoch „im Moment nicht das Thema“. Das könne aber schon in ein paar Jahren anders sein. Noch seien nicht alle Sicherheitsfragen zur dieser Technologie beantwortet. Es sei zudem nicht absehbar, in welche Richtung sich sowohl Technik als auch Nutzerverhalten entwickeln würden. Hansel: „Das muss man erst lernen. Dafür gibt es keine Blaupause. Deshalb tasten wir uns Schritt für Schritt vor.“

Klaus Staeubert

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