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Stadtpolitik Georg-Schumann-Straße: Acht Stadträte wollen geplante Umgestaltung stoppen
Leipzig Stadtpolitik Georg-Schumann-Straße: Acht Stadträte wollen geplante Umgestaltung stoppen
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00:34 15.06.2015
Für alle reicht der Platz nicht aus: Autofahrer sollen auf den Gleisen der Straßenbahnen fahren, damit an beiden Seiten Radwege angelegt werden können. Dadurch stehen häufig Autos auf den Gleisen im Stau und die Straßenbahnen kommen deutlich langsamer voran. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Verkehrte Welt in der Georg-Schumann-Straße: Acht Stadträte der CDU, SPD und Linken proben den Schulterschluss, um zu verhindern, dass die alte Einkaufsstraße zwischen Huygensstraße und S-Bahn-Brücke fahrradfreundlich umgestaltet wird. Die Parlamentarier wollen so verhindern, dass die Straßenbahnen in der Georg-Schumann-Straße von Autos blockiert werden, die auf ihren Gleisen im Stau stehen. Denn die Stadt beabsichtigt, die Auto-Fahrspuren dauerhaft auf die Straßenbahngleise zu verschwenken, um Platz für Fahrradstreifen zu schaffen. Am kommenden Mittwoch soll der Stadtrat über den Plan entscheiden.

Um so einen Ratsbeschluss zu verhindern, haben die acht Stadträte für Mittwoch einen eigenen, fraktionsübergreifenden Antrag formuliert, der weiter eine Fahrspur neben den Schienen in jede Richtung vorschreiben soll. Dieses Papier sorgt inzwischen für erheblichen Wirbel: Mehrere Bürgervereine haben einen offenen Brief an alle Stadträte geschrieben, in dem sie „Besorgnis und Verärgerung“ über den Vorstoß der acht Stadträte äußern. Deren Änderungsantrag sei offenbar ein „ideologisch motivierter Angriff gegen das bisher erfolgreich realisierte Entwicklungskonzept für die Georg-Schumann-Straße“, heißt es in dem Schreiben.

Doch die Absender räumen gleichzeitig ein, dass der aktuelle Umbauplan für den Bereich Hygensstraße bis S-Bahn-Brücke nicht optimal ist. „Dort kommt es immer wieder zu Staus und Pulk-Bildungen“, sagt Steffen Mildner, Sprecher des Magistralenrates, und regt an, die Bedarfsschaltung der dortigen Fußgängerampel durch ein regelmäßiges Intervall zu ersetzen. „Gerade in den Hauptverkehrszeiten fordern dort ständig Fußgänger Grün an, was den Autoverkehr unnötig staut.“ Dennoch dürfe aber auf keinen Fall der von der Verwaltung vorgelegte Umbauplan verschoben oder gar gekippt werden. Denn die Verfasser des offenen Briefes argwöhnen, dass es einigen der acht Stadträte gar nicht primär um die konkrete Situation im Umbaubereich geht. „Sie wollen das gesamte Verkehrskonzept für die Straße kippen“, vermutet Mildner. Primär gehe es nicht um freie Fahrt für die Straßenbahn, sondern um freie Fahrt für die Autos auf der Georg-Schumann-Straße.

Laut Mildner hat sich das aktuelle Radwegekonzept bewährt. Die seit etwa drei Jahren provisorisch markierten Radwege hätten „eine positive Entwicklung“ in der Straße ausgelöst. Geteilt wird diese Auffassung vom Förderverein Georg-Schumann-Straße, von den Bürgervereinen Möckern-Wahren und Gohlis sowie dem Fahrgastverband Pro Bahn. Gleichzeitig räumen Mildner & Co. aber auch ein, die Georg-Schumann-Straße sei insgesamt noch „auf keinem Fall über den Berg“.

Durch diese Gesamteinschätzung fühlen sich die acht Stadträte bestätigt. Autofahrer dürften nicht aus der Trasse vertrieben werden, wenn diese attraktiver werden soll, glauben die Stadträte Heiko Bär, Nicole Wohlfahrt, Andreas Geisler (alle SPD), Frank Tornau, Gerd Heinrich, Stefan Georgi (alle CDU) sowie William Grosser und Alexej Danckwardt von den Linken. „Die Händler und Gewerbetreibenden an der Trasse sind auch auf die Kunden angewiesen, die mit dem Auto kommen“, sagt Tornau.

Der Christdemokrat hält auch den jüngst im Rat beschlossenen Stadtentwicklungsplan Verkehr für völlig verfehlt, weil mit ihm die Zahl der Autofahrten in der Stadt verringert werden soll. „Die Umgestaltungen in der Georg-Schumann-Straße lassen unsere schlimmsten Befürchtungen wahr werden“, sagt Tornau. „Auch Stadträte anderer Fraktionen sehen zunehmend, dass diese Entwicklung für eine rasant wachsende Stadt verheerend ist.“

Die CDU untermauert ihre Sicht mit einer Verkehrszählung in der Georg-Schumann-Straße. Dabei wurden an sechs verschiedenen Standorten zwischen 7 und 17 Uhr lediglich ein bis elf Radfahrer in der Stunde gezählt; dagegen zwischen 793 bis 920 Autos. „Die Umgestaltung zielt nur auf eine Minderheit – die Mehrheit hat damit Probleme“, so Tornau. „Es darf nicht zugelassen werden, dass die Stadtverwaltung mit einer Schablone im gesamten Stadtgebiet arbeitet.“

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 13.06.2015.
Andreas Tappert

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