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Stadtpolitik Grüne nehmen Baubürgermeisterin Dubrau in Schutz
Leipzig Stadtpolitik Grüne nehmen Baubürgermeisterin Dubrau in Schutz
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00:30 18.06.2015
Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau Quelle: André Kempner
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Leipzig

Niemand in Leipzig steht so sehr im Kreuzfeuer wie Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (60). Der Streit um den Verkehrsentwicklungsplan und das Parkchaos in Schleußig, ihr Umgang mit der Seniorenwohnanlage in Paunsdorf und den Investoren am Lindenauer Hafen – egal, was Dubrau anpackt: Sie polarisiert nicht nur, sie scheint den ganzen Zorn der Bürgerschaft auf sich zu ziehen.

Zu Unrecht, findet man in der Grünen-Ratsfraktion, die die Parteilose vor zwei Jahren ins Rennen um das Bürgermeisteramt geschickt hatte. „So direkt wie sie spricht, geht sie auch Probleme an“, sagt Fraktionsvorsitzende Katharina Krefft. Und: „Sie macht keine Lobby-Politik, sondern das, was richtig für die Stadt ist.“ Sie orientiere sich an den Erfordernissen einer wachsenden Stadt, binde die Bürger in die Stadtentwicklung mit ein. Doch das nützt der Architektin bislang nur wenig. Vielfach entglitt die Debatte sogar. „Frau Dubrau kann nicht mehr durch die Stadt laufen, ohne dass sie von Leuten angegangen wird“, berichtet Krefft und fügt mit Verbitterung hinzu: „Aber das sind doch Beschlüsse des Stadtrates, die sie umsetzt und dafür wird sie angepöbelt und angespuckt.“

Viel Zeit, eine eigene Handschrift zu entwickeln, hatte Dubrau noch gar nicht. „Sie fand einen unaufgeräumten Schreibtisch vor, den arbeitet sie nun sukzessive ab“, sagt Co-Fraktionschef Norman Volger. Zu dem, was unter ihrem Vorgänger Martin zur Nedden (SPD) liegen geblieben sei, zählt er auch die Seniorenanlage Amalie, die zwar seit mehr als 15 Jahren in Paunsdorf betrieben wird, für die es aber gar keine Genehmigung gebe. „Was soll sie machen?“, fragt er. „Das Bauordnungsamt arbeitet weisungsungebunden, es ist für die Einhaltung von Gesetzen zuständig.“ Auch das Entwicklungsprojekt Lindenauer Hafen hat sie geerbt. Luftschloss nennt es Volger. „Sie versucht jetzt, eine realistische Planung zu machen.“

Dubrau verfüge über Erfahrungen bei brisanten Städtebauprojekten. „In Berlin hat sie das Sony-Center und das Gleisdreieck gemacht“, so der Grünen-Fraktionschef. Warum sich der Frust vieler Schleußiger, die nun nicht mehr auf Gehwegen ihre Autos parken dürfen, ausgerechnet an der Baubürgermeisterin entlädt, versteht er nicht. „Keiner mokiere sich über Ordnungsbürgermeister Heiko Rosenthal (Linke), in dessen Zuständigkeit der ruhende Verkehr fällt. Sie lasse nur die Parkflächen markieren.

„Sie macht sich angreifbar“, sagt Volger, „weil sie loyal ist. Sie wäscht keine schmutzige Wäsche und profiliert sich nicht.“ Auch nicht, als die Deutsche Bahn einem privaten Investor ein großes Siedlungsgebiet am Bayerischen Bahnhof verkaufte, das die Kommune dringend gebraucht hätte. „Das Problem wurde im Liegenschaftsamt verschlafen“, erklärt der Grünen-Politiker. Das Versagen der Behörde von Wirtschaftsbürgermeister Uwe Albrecht (CDU) dürfte die Stadt noch teuer zu stehen kommen. „Fünf Millionen sollen wir dort nun für ein Schulgrundstück zahlen“, sagt Volger, „dafür hätten wir vor zehn Jahren das ganze Areal kaufen können.“ Nur hatte die Stadt eben von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch gemacht.

Den Zugriff aufs Baudezernat bereuen die Grünen trotz allem nicht. „Da kann man was gestalten“, sagt Krefft, wohlwissend, dass das nicht immer gleich honoriert wird. Sie denkt an die Hartz-IV-Gesetze der ersten rot-grünen Bundesregierung, die Deutschland glimpflich durch die Krise brachten. „Die Geschichte bestraft einen manchmal, wenn man etwas richtig macht“, sinniert Krefft. Aber die nächste Baubürgermeisterwahl steht ja erst 2019 an.

(Klaus Staeubert)

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