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Stadtpolitik Leipzig: Verkehr in Karl-Tauchnitz-Straße nervt Anwohner
Leipzig Stadtpolitik Leipzig: Verkehr in Karl-Tauchnitz-Straße nervt Anwohner
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00:34 19.05.2018
Täglicher Verkehr in der Karl-Tauchnitz-Straße. Vor allem von der B 2 kommende Lkw haben keine Alternative, seit die Hartkortstraße für sie gesperrt ist. Quelle: Foto: Christian Modla
Leipzig

Dass Angelika Krüger vor 17 Jahren in die Karl-Tauchnitz-Straße gezogen war, hat sie schon manches Mal bereut. Die Nähe zur Innenstadt und der Blick auf den Clara-Zetkin-Park begeisterten sie damals, erzählt die 75-Jährige. Was sie und viele ihrer Nachbarn zu der Zeit nicht ahnten: Der Verkehr vor ihrer Haustür nahm im Laufe der Jahre immer mehr zu. Seit die Harkortstraße 2017 auch noch für Lkw gesperrt wurde, müssen von der B 2 kommende Laster und Busse nun notgedrungen durch die Karl-Tauchnitz-Straße rollen. Ausgerechnet Krügers Schlafzimmer liegt auch noch straßenseitig. Die ganze Nacht donnerten da Busse vorbei, und gegen vier Uhr beginne der morgendliche Lkw-Berufsverkehr. Krüger: „Ich schlafe nur noch mit Ohrstöpseln.“

„Stadt nutzt finanzielle Schwäche aus“

Koffer packen und weggehen – das ist für die alleinstehende Rentnerin keine Option. „Wir können hier nicht einfach ausziehen“, sagt sie. Denn wie viele andere kaufte auch sie damals ihre kleine Neubauwohnung. Im Gegensatz zur Harkortstraße, wo ein Anlieger das Lkw-Verbot gerichtlich durchsetzen ließ, könnten sie nicht gegen die Stadt prozessieren. Krüger: „Die Stadt weiß, dass wir nicht in der Lage sind, uns juristisch zur Wehr zu setzen. Sie nutzt unsere finanzielle Schwäche aus.“

Kaum Gehör in Politik und bei Behörden

Mehrfach haben die Anwohner in den vergangenen Jahren versucht, Gehör bei Behörden und Politik zu finden. Ohne Erfolg. Krüger: „Wir laufe gegen Windmühlen.“ Einige ihrer Nachbarn resignieren inzwischen, Angelika Krüger jedoch gibt nicht auf. Wieder schrieb sie eine Petition an den Stadtrat, fordert darin Tempo 30, ein Nachtfahrverbot für Lkw und einen stationärer Blitzer. Doch die Verwaltung winkte bereits ab. „Komisch nur“, sagt Krüger, „für die Berliner Straße sieht der Luftreinhalteplan Tempo 30 vor und das ist auch eine Hauptverkehrsstraße. Und hier liegen noch eine Schule und ein Kindergarten an der Straße.“ Die Stadtverwaltung argumentiert, nach ihren Rechenmodellen lägen Schadstoff- und Lärmbelastung im zulässigen Rahmen. Lärmmessungen der Anlieger belegen laut Krüger jedoch das Gegenteil.

Grüne wollen Hilfe für besondere Lärmopfer

Der Stadtrat muss am Mittwoch, 16. Mai, über die jüngste Petition abstimmen. Die Grünen beantragten die Einrichtung von Tempo 30 und einer „umweltsensitiven Verkehrssteuerung“. Je nach Belastung ließe sich der Verkehr damit wechselseitig über die Harkort- oder Karl-Tauchnitz-Straße führen. Außerdem wollen die Grünen mit dem Doppelhaushalt 2019/20 ein kommunales Förderprogramm für Schallschutzfenster mit einem jährlichen Volumen von 250 000 Euro auflegen. „Dieses Programm wurde in den 90er-Jahren erfolgreich eingesetzt, jedoch infolge knapper städtischer Kassen eingespart“, sagt der verkehrspolitische Sprecher der Fraktion, Daniel von der Heide. Mit dieser Hilfe könnten die Leipziger, „die besonders von Verkehrslärm belastet sind, durch passiven Lärmschutz zumindest ein Stück weit vom Verkehrslärm entlastet werden“.

Von Klaus Staeubert

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