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Stadtpolitik Leipzig erteilt Zirkussen mit Wildtieren eine Absage
Leipzig Stadtpolitik Leipzig erteilt Zirkussen mit Wildtieren eine Absage
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23:34 24.02.2016
Die Leipziger Initiative wildtierfreier Zirkus protestierte am Mittwoch vor dem Ratssaal. Quelle: LVZ
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Leipzig

Leipzig zeigt Zirkusbetrieben, die Wildtiere wie Elefanten, Großbären oder Giraffen halten, die rote Karte. Auf kommunalen Flächen dürfen diese Zirkusse ihr Zelt nicht mehr aufschlagen. Das hat am Mittwoch der Stadtrat beschlossen und folgte damit im Kern einer Petition mit mehr als 3600 Unterzeichnern, die sich um die artgerechte Haltung sorgen.

Enge Transportwagen, Käfige, und Funktionieren zu den Shows auf Knopfdruck - die Unterstützer der Petition halten eine artgerechte Haltung von Wildtieren unter den Bedingungen eines Wanderzirkus für unmöglich. Der Petitionsausschuss folgte dem Anliegen und zitiert den Bundesrat: Der habe festgestellt, dass exotische Tiere schwerwiegende Störungen und Belastungen erleiden. Deshalb unterstützte der Petitionsausschuss unter Leitung von Michael Schmidt von der Grünen-Fraktion das Anliegen, das zunächst grundsätzlich ein Verbot von Wildtieren auf kommunalen Flächen forderte.

Das Gesuch drohte allerdings in dieser Form zu scheitern. Die Stadt stufte die Regelung als rechtswidrig ein, weil sie in die Berufsfreiheit der Dompteure eingreife. Für ein generelles Verbot von Zirkuswildtieren habe die Kommune keine Rechtsgrundlage. Das Tierschutzgesetz sei Bundessache.

Tierschutzbeirat sagt "Nein"

Der Tierschutzbeirat hatte die Petition ebenfalls wegen rechtlicher Bedenken abgelehnt. "Aber auch, weil das Verbot nur auf öffentlichen Plätzen greift, nicht auf privaten. Soll das dann heißen: Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass?", so Beiratsvorsitzende Sabine Heymann von der CDU-Fraktion. Heymann empfahl am Mittwoch, dem Verwaltungsstandpunkt zu folgen.

Das Ordnungsdezernat wollte lediglich die bundesweit geltende Tierschutzrichtlinie zum Vertragsbestandteil für Zirkusbetriebe machen und seine Kontrollen verschärfen.

Zu wenig für die Befürworter der Petition. Grünen-Fraktionschef Norman Volger war empört, warf der Verwaltung unter anderem eine zeitliche Verschleppung des Themas vor - die Petition war rund ein halbes Jahr in der Schwebe. Vor allem verstecke sich die Verwaltung aber hinter der Diskussion um juristische Finessen, so Volger. Der Kommune stehe es frei, die Nutzung ihrer eigenen Flächen zu versagen. "Als Eigentümer kann ich mir das aussuchen."

Konkrete Liste für Wildtiere bringt Durchbruch

Den Weg für ein weitgehendes "Nein" zu wilden Zirkustieren auf kommunalen Flächen in Leipzig ebnete schließlich ein Änderungsantrag der Sozialdemokraten. Die grenzte die Absage für Zirkusse mit wilden Tieren konkret ein: Sobald ein Betrieb nichtmenschliche Primaten, Elefanten, Großbären, Nashörner, Flußpferde oder Giraffen hält, besteht keine Chance mehr für ein Campieren auf kommunalem Areal.

Die Liste folgt der Empfehlung des Bundesrats und wurde so auch von Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) akzeptiert. Ob die Regelung auf Dauer rechtssicher sei, müsse sich zeigen, so der OBM. Der Petitionsausschuss hatte darauf hingewiesen, das zahlreiche Städte, darunter Köln, München, Düsseldorf oder Potsdam, das Verbot für wilde Zirkustiere bereits erfolgreich umsetzen.

Vor Ort unterstützte die Leipziger Initiative wildtierfreier Zirkus das Anliegen der Petition. Teilnehmer postierten sich mit einem Plakat, auf dem Elefanten zu sehen sind, mit dem Schriftzug "We hate to entertain you" vor dem Ratssaal.

Dressur-Befürworter veröffentlichen Erklärung

Befürworter von Dressur und wilden Zirkustieren meldeten sich bereits am Dienstag zu Wort. So veröffentlichte das Aktionsbündnis "Tiere gehören zum Circus" einen Appell an den Leipziger Stadtrat, sich von dem Wildtierverbot zu distanzieren.

Das Aktionsbündnis beruft sich auf Zoologen und Tierärzte und kommen zu dem Schluss: "Eine tiergerechte Haltung von Wildtieren im Zirkus ist möglich". Gute Dressur fördere die psychische und physische Fitness der Tiere, heißt es weiter in dem Schreiben der im süddeutschen Kirchheimbolanden ansässigen Initiative. Sie wendet sich vor allem dagegen, das Zirkusse in Zukunft ohne Tiere auskommen sollen. In Leipzig wird der Auftritt von Elefant & Co. prinzipiell weiter möglich sein - aber nur noch auf privaten Grundstücken.

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