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Stadtpolitik Leipzig verhängt Abriss-Stopp für die ganze Stadt
Leipzig Stadtpolitik Leipzig verhängt Abriss-Stopp für die ganze Stadt
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00:30 18.06.2015
Abrissarbeiten am Plattenbau (Archivbild) Quelle: Thomas Kube
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Leipzig

Weit über 10.000 Wohnungen wurden in Leipzig seit der Jahrtausendwende abgerissen. Doch damit soll es jetzt vorbei sein. Wie Karsten Gerkens, Leiter des Amtes für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW), auf LVZ-Anfrage erläutert, hat die Stadt ein flächendeckendes „Abbruch-Moratorium“ verhängt. „Wenn wir bei den Debatten zum neuen wohnungspolitischen Konzept über starke Zuwanderung oder Gentrifizierung sprechen, macht es keinen Sinn, gleichzeitig mit öffentlichen Geldern weitere Abrisse zu fördern“, sagt er.

Über das Bund-Länder-Programm „Stadtumbau Ost“ werden nach wie vor Abrisse und Aufwertungen gefördert. In Leipzig werde die Stadt aber vorerst nur noch Anträge für Aufwertungen unterstützen, so Gerkens. Wer dennoch abreißen will, bekomme dafür kein Geld.

Diese Kehrtwende schafft einige massive Probleme. „Wir verschließen uns nicht neuen Entwicklungen“, versichert Kristina Fleischer, Finanzvorstand der Wohnungsgenossenschaft Lipsia. „Doch im konkreten Fall wäre das wirtschaftlich für uns ein schwerer Schaden.“ Gemäß dem Stadtentwicklungskonzept für Grünau wolle die Lipsia noch zwei unsanierte Plattenbauten in der Lilienstein- und Uranusstraße abreißen. Und damit das Wohnumfeld für ihre Nachbarhäuser verbessern. „Es ist nicht gegen Grünau gerichtet“, betont Vorstand Wilhelm Grewatsch. „Schließlich waren wir die ersten, die hier neue Gebäude errichtet haben.“ Ab 2017 komme sogar noch ein Hochhaus an der Brackestraße hinzu.
Für die Liliensteinstraße 3-9 plante man indes seit letztem Jahr den Abriss, weil das Haus mit 48 Wohnungen hohen Leerstand aufweist und stark verschlissen sei. „Eine Sanierung ohne Fahrstuhl-Anbau würde nur bei Kaltmieten von sechs Euro funktionieren. Das ist in dieser Lage nicht durchsetzbar“, glaubt er.

An der Liliensteinstraße gibt es auch ein großes Asylbewerberheim. Der Lipsia gehören daneben mehrere Häuser. Das, was sie abreißen will, steht am weitesten von dem Heim entfernt. Noch im März habe das ASW bei einem Gespräch erneut keinerlei Einwände gegen den Abriss geäußert, sagt Fleischer. „Durch Zufall erfuhren wir später von dem Abriss-Stopp, was uns vor zwei Wochen offiziell bestätigt wurde.“ Inzwischen habe die Genossenschaft aber längst allen Mietern gekündigt und für sie mit hohem Aufwand Ersatzwohnungen hergerichtet. Die Fördermittel stünden bereit. Auch jene Firmen, die das Haus von Fernwärme- und Wasserrohren trennen sollten. „Im Genossenschaftsrecht ist es uns verboten, Häuser leerzuräumen, um sie an Dritte zu verkaufen“, betont Grewatsch.

Amtsleiter Gerkens sagt, die Stadt wolle „im nächsten halben Jahr“ mit dem Verein Haus- und Wagenrat prüfen, ob das Haus für alternative Wohnprojekte und dezentrale Flüchtlingsunterkünfte hergerichtet werden könne. Ein konkretes Projekt dafür gebe es noch nicht.

(Jens Rometsch)

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