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Leipziger Grünen-Politiker Weichert fordert: Schulmuseum raus der Runden Ecke

Streit um Stasi-Gebäude Leipziger Grünen-Politiker Weichert fordert: Schulmuseum raus der Runden Ecke

Im Streit zwischen dem Bürgerkomitee und dem Schulmuseum um die Nutzung der Runden Ecke gibt es nach Ansicht von Michael Weichert (62, Grüne) nur eine Lösung: Die Stadt soll für das Schulmuseum einen anderen Standort finden. „Das Schulmuseum darf nicht auf Kosten der Friedlichen Revolution weiterentwickelt werden“, sagte der frühere Landtagsabgeordnete gegenüber LVZ.

Michael Weichert vor der Runden Ecke. Der Bürgerrechtler empfiehlt der Stadt, einen neuen Standort für das Schulmuseum zu finden, damit der „authentischen Ort“ ohne Einschränkungen erhalten bleibt.
 

Quelle: André Kempner

Leipzig.  
 

Wie berichtet, streiten das Bürgerkomitee, das die Stasi- Gedenkstätte in der "Runden Ecke" betreibt, und das Schulmuseum um die Nutzung des ehemaligen Kinosaals in dem früheren Geheimdienstkomplex am Ring. Nach dem Willen der Stadt sollen beide Seiten den Saal gemeinsam nutzen. Seit 2009 ist darin die Ausstellung des Bürgerkomitees „Leipzig auf dem Weg zur Friedlichen Revolution“ zu sehen, die einzige Dokumentation in Leipzig über die Geschichte der Montagsdemos. Ab 17. Oktober will das Schulmuseum dort jedoch eine Ausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung über Muslime zeigen.

Weichert empfiehlt der Kommune, das Schulmuseum generell an einem anderen Ort zu etablieren. Er hält dafür das Spinnereigelände, wo auch das neue Naturkundemuseum entsteht, für geeignet. Dort sieht er sogar Synergien. „Beide Museen sprechen dieselbe Klientel an“, sagte er. Eine andere Alternative: der geplante Campus Ihmelsstraße. Dort wäre das Museum eine gute Ergänzung der neuen Bildungseinrichtungen.

Der Stadt warf Weichert vor, den historischen Standort – die Runde Ecke mit dem Kinosaal war Sitz der Bezirksverwaltung der Stasi – zu überfrachten. Denn neben dem Schulmuseum soll das Gebäude künftig auch vom Zentrum für politische Bildung sowie als Geschäftsstelle des Jugendparlamentes und Organisationszentrale für die Leipziger Internationale Demokratiekonferenz genutzt werden. Für Weichert ein Irrweg. „Dieser Ort ermöglicht die einzige authentische Darstellung von Repression und Revolution“, erklärte er, „den kann man nicht einfach zerstückeln.“

Für ihn war die Friedliche Revolution „das wichtigste Ereignis in meinem Leben“, so Weichert. Er lebt seit 1961 in Leipzig. 1978 wurde er von der Stasi verhaftet, er war Mitbegründer des Neuen Forums. Nach der Wende wurde er Mitglied der Grünen, gehörte viele Jahre dem Stadtrat und dem Landtag an. Auf seine Initiative hin wurde in Sachsen der 9. Oktober ein kommunaler Feiertag. „Was Leipzig ausmacht, ist seine Bürgergesellschaft. Die Leipziger haben es immer verstanden, weltliche und geistliche Macht von sich fernzuhalten“, so Weichert. Dass der wissenschaftliche Beirat des Schulmuseums jetzt davon spricht, das Bürgerkomitee instrumentalisiere die Friedliche Revolution „als Deckmantel für den seit Jahren anhaltenden Bruch von Vereinbarungen und Entscheidungen städtischer Gremien“, empfindet der Bürgerrechtler als blanke Provokation.

Die Ausstellung „Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland“ war im August 2014 bereits in Leipzig zu sehen, damals im Berufsinformationszentrum in der Georg-Schumann-Straße. „Die Wanderausstellung kann auf Einladung an verschiedenen Orten gezeigt werden“, sagte der Sprecher der Bundeszentrale, Daniel Kraft, „sofern einige Mindeststandards erfüllt sind: Sie muss vor Ort betreut werden und es sollte eine Fläche von 150 bis 200 Quadratmetern zur Verfügung stehen.“ All das erfüllt der geplante Ausstellungsort. Schulmuseumsleiter Thomas Töpfer wies gegenüber der LVZ darauf hin, „dass ein bindender Kooperationsvertrag zwischen Stadt und Bundeszentrale existiert, in dem das Schulmuseum als Ausstellungsort und als Betreuer der Ausstellung festgelegt ist und die Verpflichtungen des Schulmuseums bei der museumspädagogischen Begleitung der Ausstellung aufgeführt werden“. Zudem seien eine ganze Reihe von Begleitveranstaltungen geplant.

Von Klaus Staeubert

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