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Leipzigs Nachbarschaftsgärtner: "Werden diese Kröte nicht schlucken“

Stadtentwicklung Leipzigs Nachbarschaftsgärtner: "Werden diese Kröte nicht schlucken“

Ein Großteil der Nachbarschaftsgärten in Leipzig-Lindenau sind offenbar bereits im Frühjahr verkauft worden – trotz Stadtratsbeschluss, dass ein Erhalt der seit zehn Jahren existierenden Grünfläche angestrebt wird. Die Gärtner sammeln nun Unterschriften gegen ein drohendes Ende.

Blick auf den Vorplatz der Nachbarschaftsgärten in Leipzig.

Quelle: Dirk Knofe

Leipzig. Die Überlebenschancen für die Nachbarschaftsgärten im Stadtteil Lindenau werden immer geringer. Nach Angaben von Stadtbezirksbeirat Volker Holzendorf (Grüne) ist der Hauptteil der 6500 Quadratmeter großen Fläche zwischen Joseph- und Siemeringstraße, die den Gärtner bisher von einer Investmentgemeinschaft zur Zwischennutzung zur Verfügung gestellt wurde, im Frühjahr an ein Leipziger Immobilienunternehmen verkauft worden. Der Neueigentümer plane nun Bebauung sowohl am Rand, als auch im Innenhof.

Laut Nachbarschaftsgärtner Udo Müller habe die ImmoRE GmbH persönlich Kontakt zur Gemeinschaft gesucht, sei auch diplomatisch gewesen. „Der Ansprechpartner sagte, er findet die Gärten toll und hat uns ein Angebot gemacht – wenn wir ihm versprechen, nicht auf die Barrikaden zu gehen. Ein Teil der 4000 Quadratmeter sind im B-Plan als Grünfläche angelegt, diese könnten gepachtet oder gekauft werden“, berichtet Müller.

Die Nachbarschaftsgärten in Leipzig-Lindenau wurden 2004 als Zwischennutzung gegründet.

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Angesichts der bisherigen Bedeutung der Nachbarschaftsgärten im Viertel wollen sich die Gärtner damit aber nicht zufrieden geben. „Wir werden diese Kröte einfach nicht schlucken und nicht stillhalten“, so Müller kämpferisch. Die Nachbarschaftsgärten seien seit Jahren fest im Stadtteil verwurzelt. Sie entstanden, als Leipzig noch eine schrumpfende Stadt war, hatten anschließend ihren Anteil an der Aufwertung. „Viele der Familien sind ja gerade auch deshalb hierher gezogen, weil es die Nachbarschaftsgärten gibt“, erklärt der Vereinsvorstand. Aktuell nutzen etwa 150 Anwohner aktiv die Fläche, zudem biete die Garten- und Parkanlage auch anderen Projekten im Viertel Freiraum. „Die Buchkinder kommen an Vormittagen, die Gärtner am Nachmittag“, sagt Müller.

Beim Ringen ums Überleben der Grünfläche hofft der Verein auch auf die Unterstützung von Anwohnern und Sympathisanten. Seit gut zwei Wochen sammeln die Gärtner Unterschriften für eine Petition, haben bereits 1500 Unterstützer auf ihrer Seite. Die Petition fordert Stadtverwaltung und Stadträte unter anderem auf, einen Ratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr umzusetzen. OBM Burkhard Jung (SPD) war darin eigentlich verpflichtet worden, einen weiteren Erhalt der Nachbarschaftsgärten durch Gespräche mit den Eigentümern zu prüfen. Ein entsprechender Bericht sollte bis Jahresende vorgelegt werden. Passiert ist dies allerdings nicht.

Am kommenden Mittwoch tagt die Ratsversammlung angesichts von Einwohneranfragen und einer Vorlage von Stadträtin Juliane Nagel (Linke) nun erneut zum Thema. Der grüne Stadtbezirksbeirat Volker Holzendorf ist gespannt, was die Stadtverwaltung zum Verkauf zu sagen hat: „Die Verwaltung muss sich nun positionieren, muss erklären, was hier das Problem war“, so Holzendorf weiter. Aus dem Dezernat von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau (parteilos) war am Freitag nur zu erfahren, dass eine entsprechende Erklärung für kommende Woche vorbereitet werde.

Auch wenn es für die Nachbarschaftsgärten selbst zu spät sein könnte, schlägt Holzendorf vor, künftig die Umsetzung von Stadtratsbeschlüssen zumindest intensiver zu begleiten. „Dazu eignet sich ein Obudsmann bzw. eine Ombudsfrau“, so der Politiker. Diese könnte den Bürgern helfen, ihre Rechte gegenüber der Verwaltung einzufordern. „In diesem Fall hätte dieser geholfen, die gesetzten Fristen einzuhalten und die zu beteiligenden Personen rechtzeitig an einen Tisch zu bekommen“, sagte Holzendorf.

Petition: openpetition.de

Verein: nachbarschaftsgaerten.de

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