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Stadtpolitik Lößnig wird älter und kleiner: Fast keine Freizeitmöglichkeiten für junge Leute
Leipzig Stadtpolitik Lößnig wird älter und kleiner: Fast keine Freizeitmöglichkeiten für junge Leute
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19:42 01.10.2015
Jugendklub Paradise in Lößnig. Holger Lindner (steht im Tor) spielt mit den Kids Fußball. Quelle: Andre Kempner
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Leipzig

Hypezig macht einen Bogen um das Viertel Lößnig. Das geht aus dem jetzt vorgestellten Planungsraumkonzept Mitte/Süd hervor. Die Stadt plant Abhilfe: Eine stärkere Förderung des Jugendhauses Südpol und der Kindervereinigung in Lößnig bis zum kommenden Jahr und ein neues Jugendbüro bis 2017 sollen frischen Wind in den Stadtteil bringen.

„Lößnig ist das neue Problemviertel Leipzigs“, sagt Stadträtin Katharina Schenk (SPD) zu den Ergebnissen des Planungsraumkonzepts Mitte/Süd. Kürzlich wurde das Papier im Jugendhilfeausschuss vorgestellt. Lößnig fällt darin negativ auf. Im 11 000-Einwohner-Stadtteil werden in zehn Jahren 6,4 Prozent weniger Menschen leben, so die Prognose. Mit dieser Entwicklung steht Lößnig im Widerspruch zum sonst ausnahmslos wachsenden Süden und der Mitte Leipzigs.

„Es gibt halt fast nix in Lößnig, schon gar nicht für Junge“, erklärt Jan Erbsmehl vom Jugendhaus Südpol. Er betreut die Lößniger Teenager seit zehn Jahren. „Immer mehr Jugendliche hängen am Moritz-Hof rum, trinken und rauchen“, sagt Erbsmehl. Er oder einer seiner Kollegen vom „Südpol“ kommen einmal die Woche nach Lößnig und organisieren zum Beispiel einen Kick in der Halle der Lene-Voigt-Oberschule. Der Moritz-Hof hat sich für viele Jugendliche zum Stadtteilzentrum entwickelt, das Lößnig so nicht hat. Die Geschäfte dort freut das nicht. „Im Sommer sitzen die Jugendlichen häufig vor unserem Café, trinken Bier und machen Krach“, berichtet Mandy Schumer vom Eiscafé Moritz im Einkaufszentrum.

Vom Aufblühen Leipzigs in den letzten zehn Jahren ist hier, vor dem Moritz-Hof, nichts zu spüren. Beispielsweise gibt es keinen Sportverein in Lößnig. Der einzige Treffpunkt für Lößniger Teenies ist der Jugendklub Paradise, betreut von der Kindervereinigung Leipzig. Holger Lindner arbeitet seit 2003 dort. Über den Plan, ein Jugendbüro spätestens 2017 aufzumachen, kann Lindner nur den Kopf schütteln. „Ich frage mich, was das bringen soll?“ Er schlägt eine Parcours- oder Skateranlage vor, die von einem Jugendverein betreut wird. Die Idee dahinter: Damit könne man den Jungen etwas bieten und sie gleichzeitig betreuen. Elias Müller (14) und Pascal Oehme (15), die sich fast jeden Tag am Moritz-Hof treffen, finden die Idee „richtig cool“. Nach Angaben der beiden ist der Jugendklub das einzige, was das Wohngebiet für sie bietet.

Und noch eine Tatsache macht Lößnig zum Problemviertel: Mehr als die Hälfte der Schulanfänger haben Sprachprobleme, jeder dritte ist verhaltensauffällig. In keinem anderen Bereich in Mitte/Süd sind es so viele. Auch das macht der Bericht des Jugendhilfeausschusses klar. Holger Lindner würde auch dieses Thema mit seiner Arbeit im Jugendklub Paradise angehen. Insgesamt fühlt er sich aber bislang zu wenig eingebunden in die Zukunftsplanung des Stadtteils. Lindner ergänzt, dass Pläne am Geld scheiterten, die Lößnig für junge Leute attraktiver machen würden.

Während Lößnig für viele Jugendliche out ist, gibt es in benachbarten Stadtteilen ein großes Angebot für diese Altersgruppe. In Connewitz zum Beispiel gibt es Fußball-, Volleyball- und Tennisvereine, aber auch einen großen Skaterpark. Das sorgt für ein „klar besseres Flair“ in Connewitz, meint die Schulleiterin der Lene-Voigt-Schule, Grit Wukasch. Und das findet auch der 15-jährige Pascal Oehme, der hier lernt: „Müsste ich mich zwischen Connewitz und Lößnig entscheiden, würde ich Connewitz wählen.“

Miguel Helm

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