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Stadtpolitik Neuer Anlauf für das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal
Leipzig Stadtpolitik Neuer Anlauf für das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal
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21:52 30.12.2015
Das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal sollte auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz entstehen, wurde dann aber auf Eis gelegt. Nun gibt es offenbar einen neuen Anlauf. (Archivfoto) Quelle: André Kempner
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Leipzig

Nach rund eineinhalb Jahren Stillstand unternimmt Leipzig einen neuen Anlauf für ein Einheits- und Freiheitsdenkmal. Im Kulturamt der Stadt steht die Fertigstellung des Grundkonzepts für ein neues Verfahren kurz bevor. Bereits im Januar soll es von der Verwaltungsspitze bestätigt werden. Sprecherin Martina Menge-Buhk bestätige am Mittwoch einen entsprechenden Bericht des Evangelischen Pressedienstes gegenüber LVZ.de.  Damit scheint der Weg frei für einen neuen Austausch über eine angemessene und dauerhafte Erinnerung an die Friedliche Revolution in der DDR.

Nach einem missglückten ersten Architekturwettbewerb, der sogar die Justiz beschäftigte, hatte die Stadt die Suche nach einem Freiheits- und Einheitsdenkmal im Juli 2014 vorerst auf Eis gelegt. Das vom Kulturamt ausgearbeitete Grundkonzept ist nun der erste Schritt in einem neuen, komplizierten Prozess, dessen Ausgang noch völlig offen ist. Denn fest steht nur, dass in Leipzig eine „angemessene Würdigung der Friedlichen Revolution im öffentlichen Raum“ entstehen soll. Aus dem Kulturamt hieß es dazu knapp: „Es kann ein Denkmal werden, muss aber nicht.“

Konzept legt Leitlinien für die weitere Diskussion fest

Was genau das Grundkonzept beinhaltet, wurde noch nicht mitgeteilt. Grundsätzlich soll es die Leitlinien für die Diskussion über die Form eines Erinnerungsortes festlegen. Den Beschlüssen zufolge soll es zudem auch den personellen und finanziellen Bedarf beziffern, der für eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit notwendig ist. Die Beendigung des ersten Verfahrens hatte Leipzig viel Geld gekostet. Allein 415.000 Euro Fördermittel musste die Stadt an das Land Sachsen zurückzahlen.

Bevor das Grundkonzept dem Stadtrat vorgelegt wird, soll sich damit zunächst noch ein Bürgerforum und ein Begleitgremium befassen. Darin finden sich auch Vertreter von Vereinen und Verbänden, die sich in ihrer Arbeit den historisch bedeutsamen Ereignissen des Herbstes ’89 widmen. Die Zeit, in der sich die Bürger selbst ihre Freiheit erkämpften, gehöre als „Sternstunde“ der deutschen Geschichte dauerhaft im nationalen Gedächtnis verankert, meint etwa Uwe Schwabe, Vorstandsvorsitzender des Archivs Bürgerbewegung.

Bürgerrechtler: Entscheidungsmöglichkeit zum Denkmal „vorgespielt“

Zugleich warnt der ehemalige DDR-Bürgerrechtler aber auch davor, die Fehler des letzten Wettbewerbes zu wiederholen. Durch Bürgerbeteiligung sei den Leuten „vorgespielt“ worden, dass sie auf den Prozess der endgültigen Entscheidung einwirken könnten, sagt Schwabe. Das sei in dieser späten Phase wegen der klaren Ausschreibungskriterien aber überhaupt nicht möglich gewesen. Bei Kunst könne es sowieso keine Bürgerbeteiligung geben, „da jeder eine andere Vorstellung von Kunst hat“, führt Schwabe weiter aus: „Dieser Mut zur Wahrheit fehlte den Verantwortlichen leider.“

Die Entwürfe der Architekten hatten in dem ersten Wettbewerb für große Kritik in der Bevölkerung gesorgt. Bis zuletzt diskutiert wurde aber auch über den Ort, der für das Denkmal vorgesehen war – den Wilhelm-Leuschner-Platz am südlichen Innenstadtring. Er stehe in so gut wie keinem Zusammenhang mit den so wichtigen Demonstrationen im Herbst ’89 und sei deshalb kein authentischer Platz, so die Kritiker.

Wilhelm-Leuschner-Platz bleibt in der Diskussion

Für das neue Verfahren ist bezüglich des Erinnerungsortes nun auch wieder alles offen. Für das Kulturamt kommt der Wilhelm-Leuschner-Platz „zunächst jedoch nicht mehr in Frage“, wie Sprecherin Menge-Buhk mitteilte. Sie verwies auf den Beschluss des Stadtrates im Juli.

Allerdings scheint der Platz noch nicht so ganz aus dem Spiel zu sein, hat er sich doch in den vergangenen zwei Jahren durchaus schon als Ort der Erinnerung bewährt. Mit dem „Herbstsalon“ (2014) und dem „FREI_RAUM“ (2015) hatte die Stiftung Friedliche Revolution den Platz nämlich jeweils im Herbst mit Filmen und Diskussionen zur Geschichte und zur Demokratie heute bespielt. Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Röder sagt, nach den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre erscheine der Stiftung Friedliche Revolution der Ort „nach wie vor geeignet“. Allerdings sei er nicht der einzig denkbare Platz für das Anliegen, „für das im Grunde auch jeder andere Ort in der Stadt zur Verfügung stehen sollte“, meint Röder.

Von nöß / maf / epd

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