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Stadtpolitik Ökolöwe Leipzig: Kein Verständnis für das Aus von Linie 9
Leipzig Stadtpolitik Ökolöwe Leipzig: Kein Verständnis für das Aus von Linie 9
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15:29 17.09.2015
Bis zum Wildpark soll die Linie 9 bald nicht mehr fahren. Quelle: André Kempner
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Leipzig

Der Stadtratsbeschluss zur Straßenbahnlinie 9 vom Mittwoch schlägt Wellen. Der Leipziger Umweltbund Ökolöwe kritisierte die Entscheidung, nach der die Tram mit der Fahrplanumstellung im November nicht länger durch das westliche Connewitz fahren soll.

Ein solcher Entschluss könne nicht ohne Bürgerbeteiligung fallen, erklärte Tino Supplies, verkehrspolitischer Sprecher des Bundes, auf Anfrage von LVZ.de. „Die Linie 9 hat einen der am besten ausgelasteten Außenäste in Leipzig“, so Supplies.

Während Grüne und Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) im Stadtrat unter anderem den Fahrgastschwund als Argument zur Stilllegung vorbrachten, ist das für Supplies kein ausreichender Grund. Diese Aussage sei nur ein Vorwand, sagte er. „Zwischen 2003 und 2009 hatte die Linie 9 einen Fahrgastzuwachs von 600 Prozent. Da kann ein Einbruch im Jahr 2014 um 20 Prozent kein Grund sein, Connewitz abzukoppeln.“

Für den Zeitraum 2010 bis 2013 lägen den Bürgern und damit auch dem Ökolöwen überhaupt keine Zahlen vor. Auch das kritisierte Supplies. Sein Vorwurf lautet, die Stadt wolle die Investitionskosten nicht tragen. „Dabei würden gar keine höheren Betriebskosten anfallen, wenn die Linie 9 bis zur Leipziger Stadtgrenze, also dem Forsthaus Raschwitz, fährt", sagt er. Nach Erkenntnisstand des Ökolöwen soll die Tram ab dem Connewitzer Kreuz wie die Linie 11 in Richtung Klemmstraße verkehren. Das bringe laut Ökolöwen keinen Gewinn an Fahrgästen, koste aber ebenso viel wie der Betrieb der Linie auf der alten Strecke.

Offener Brief der Grünen

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen äußerte sich am Donnerstag zu ihrer Entscheidung im Stadtrat. Die Fraktion hatte den weiteren Betrieb bis Markkleeberg abgelehnt. In einem offenen Brief wendet sich die Fraktion an den Ökolöwen und die Unterzeichner der vom Umweltbund initiierten „Petition zur Rettung der Linie 9“. Darin heißt es unter anderem, allein die Instandhaltung der in Leipzig liegenden Schienen würde innerhalb eines Jahres eine Million Euro kosten. Hinzu kämen innerhalb der nächsten 20 Jahre weitere 12 Millionen. Für den Betrieb der Tram bis zum Forsthaus Raschwitz müsste außerdem eine Wendeschleife gebaut werden. Damit wären zusätzlichen Kosten verbunden.

Des Weiteren erklärte die Ratsfraktion, die alternative Buslinie 70 und die regelmäßig verkehrende S-Bahn sei ausreichend, damit Markkleeberg und Connewitz weiterhin gut an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden sind. „Ökologisch wertvoll ist letztlich das, was für das Gesamtsystem ÖPNV am besten ist“, heißt es weiter.

Kritik von der Linkspartei

Die Fraktion der Linkspartei kritisierte noch am Mittwochabend die Entscheidung des Leipziger Stadtrates. Verwunderlich sei die Summe, die Oberbürgermeister Jung zur Instandhaltung und Betreibung der Linie angeführt hatte. Er hätte auf den bestätigten Haushalt 2016 verwiesen, obwohl dort von der Streichung keine Rede gewesen wäre. Das erklärte Franziska Riekewald, verkehrspolitische Sprecherin der Linken. „Transparenz sowie Glaubwürdigkeit sind mehr als zweifelhaft.“

Zudem kritisierte Riekewald die anderen Fraktionen. SPD und Grüne hätten zunächst Zustimmung zum Antrag der Linkspartei signalisiert, aber nach der „Intervention des Oberbürgermeisters“ ihr Abstimmverhalten komplett geändert. „Das ist schon ein eigenartiges Demokratieverständnis.“

Die Linkspartei hatte zuvor den Erhalt der Linie beantragt. Diesen hatte der Stadtrat in seiner Sitzung am Mittwoch abgelehnt.

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