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Stadtpolitik Preiswerte Ateliers sind knapp – jetzt sollen Künstler in Ex-Autohaus
Leipzig Stadtpolitik Preiswerte Ateliers sind knapp – jetzt sollen Künstler in Ex-Autohaus
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07:01 20.12.2018
Dieses ehemalige Autohaus in der Lindenthaler Straße sollte mal ein Flüchtlingsheim werden. Jetzt ist es als Refugium für Künstler im Gespräch. Quelle: André Kempner
Leipzig

Künstler und Kreativschaffende sollen den Gebäudekomplex in der Lindenthaler Straße 61 bis 65 beleben. Das hat der Stadtrat gebilligt. Ursprünglich war das ehemalige Autohaus in Gohlis, das über eine Fläche von etwa 10 000 Quadratmeter verfügt, als Flüchtlingsunterkunft vorgesehen. Die Stadt hat dafür einen langfristigen Mietvertrag über zwölf Jahre abgeschlossen. Doch für Flüchtlinge wird das Gebäude nicht mehr benötigt. Und die Atelier-Situation für Künstler in Leipzig wird angesichts der Knappheit an preiswertem Wohnraum zusehends schwieriger. Gerade ältere Fabrikgebäude, die von Kreativen seit Jahren genutzt werden, verwandeln sich immer öfter in teure Gewerbeflächen oder Lofft-Wohnungen. Dabei sind die meisten Künstler, die laut dem Bund der Bildenden Künstler, der größten Künstlervereinigung in Leipzig und der Region, über ein monatliches Einkommen von ca. 850 bis 1000 Euro verfügen, auf preiswerte Angebote angewiesen.

Vielen Künstlern wurde gekündigt

„Wir schmücken uns in Leipzig mit einer vielfältigen Kunst- und Kulturszene und mit Start ups. Aber wenn wir genau hinschauen, fehlen überall Räume“, sagt Annette Körner (Grüne), die Vorsitzende des Kulturausschusses.

Mandy Gehrt (Linke), die an den Verlust von Ateliers im Westwerk erinnert, hat weitere Beispiele parat: So wurden circa 20 Ateliers und Studios im Kohlrabizirkus über dem Institut für Zukunft gekündigt. „Das Atelierhaus in der Nikolaistraße 57 wurde verkauft. Kündigung und Bauarbeiten werden 2019 erwartet“, sagt sie.

Auch Künstler in der Naumburger Straße 36 müssen weichen, selbst auf dem Gelände der Baumwollspinnerei sind sie nicht verschont. „Die Gekündigten werden keine Ateliers mit ähnlichem Preis finden. Im Gegenteil: Zehn Euro pro Quadratmeter für Ateliers sind keine Seltenheit mehr“, so Gehrt.

Wie geht es nach 2029 weiter?

Die Freibeuter-Fraktion hat keine Probleme, die freie Kunstszene zu fördern. „Die Verwaltung muss aber ein Konzept vorlegen, wie es nach den zwölf Jahren weitergeht“, fordert Sven Morlok (FDP) von der Freibeuter-Fraktion. Darüber müsse man sich langfristig Gedanken machen. Beschlossen wurde, so ein Konzept bis 2022 zu erarbeiten und dem Stadtrat vorzulegen.

Die AfD lehnte das Ansinnen ab, da sie laut Holger Hentschel in der Ateliers-Vermietung lediglich „eine Schadensbegrenzung“ sieht, da das Geld ohnehin schon ausgegeben wurde. „Das Amt für Wirtschaftsförderung hätte prüfen können, das Gebäude einem Gewerbe, also einem Handwerker, oder einem Orchester als Proberaum anzubieten“, so AfD-Mann Jörg Kühne.

Auch die Post soll mit ins Kreativhaus

Die Stadt hat das ehemalige Autohaus bis 2029 gemietet. Und muss dafür Aufwendungen von 7,5 Millionen Euro für Miete, inklusive Betriebs- und Nebenkosten, zahlen. Für die Umsetzung des Projektes schließt die Stadt einen Untermietvertrag als Künstler- und Kreativhaus mit der LGH Service GmbH ab. Um Geld zu erwirtschaften, soll ein Teil der Fläche auch an Unternehmen wie die Post vermietet werden, die in Gohlis ein Verteilerzentrum benötigt.

„Ich hoffe, es entsteht ein buntes, lebendiges Haus, das auch in den Stadtteil hinein ausstrahlt“, so Körner. Für die Grünen ist die Vermietung des Ex-Autohauses ein Anfang. um Kreative zu fördern. Zumindest die Weichen seien in die richtige Richtung gestellt. Auf dem Areal in der Lindenthaler Straße gibt auch Flächen, auf denen Ausstellungen veranstaltet werden können, sowie grüne Freiflächen. Das Objekt ist bezugsfertig – ab Januar 2019 sollen die ersten Verträge abgeschlossen werden, hieß es im Rathaus.

Laut Kulturamt leben in der Stadt und Region Leipzig momentan rund 1500 bildende Künstler. Nachfragen nach preiswerten Ateliers gibt es zudem von den jährlich 40 bis 60 Absolventen der Hochschule für Grafik und Buchkunst. Leipzigs Kunstszene zieht darüber hinaus auch auswärtige Künstler an.

Von Mathias Orbeck

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