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Stadtpolitik So sehen Leipziger Kandidaten das Scheitern von Jamaika
Leipzig Stadtpolitik So sehen Leipziger Kandidaten das Scheitern von Jamaika
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23:12 20.11.2017
Jens Lehmann (CDU, links) und Sören Pellmann (Linke). Quelle: Modla
Leipzi/Berlin

So spannend war es noch nie im Leipziger Wahlkreis 153. Bei der Bundestagswahl am 24. September holte Sören Pellmann (Linke) mit gerade 1170 Stimmen Vorsprung das Direktmandat vor Thomas Feist (CDU) im Süden der Stadt. Bei einer Neuwahl ständen beide Kandidaten erneut bereit. Dass nun gerade die Liberalen aus den Sondierungsgesprächen ausgestiegen sind, wundert Pellmann nur wenig. „Die FDP vertritt die marktradikalste Fraktion der politischen Klasse. Deren rasantes Tempo beim neoliberalen Umbau der Gesellschaft konnten oder wollten die anderen Parteien augenscheinlich nicht mitgehen“, so der 40-Jährige.

Für Christdemokrat Feist hieß es nach seinem knapp verpassten Wiedereinzug in den Bundestag: Abstand gewinnen. Mit dem Scheitern der Jamaika-Gespräche habe er sich nicht befasst. „Ich habe mir in den letzten Wochen Zeit für Dinge genommen, die in den vergangenen Jahren zu kurz gekommen sind und mich zum Beispiel in den Forschungsstand zum Thema Popularmusik eingelesen“, so der 52-jährige Musikwissenschaftler. Bei einer Neuwahl würde er wieder zur Verfügung stehen.

Thomas Feist (CDU) würde noch einmal antreten. Quelle: Kempner

Monika Lazar (Grüne) zeigte sich von den geplatzten Gesprächen enttäuscht. „Wir Grüne haben bis zum Schluss intensiv und ernsthaft sondiert, auch bis hin zu unseren thematischen Schmerzgrenzen. Dass die FDP aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen die Gespräche abgebrochen hat, wirkt inszeniert, nur der eigenen Profilierung geschuldet und wird mit der Weigerung, Lösungen zu finden, der Verantwortung und dem Ernst der Situation keinesfalls gerecht.“ Über Neuwahlen wollte die 50-Jährige noch nicht sprechen.

Jens Katzek (SPD) sieht die Ära Merkel für beendet an. „Es war abzusehen, dass eine Koalition aus so unterschiedlichen Partnern nicht funktionieren kann. Es ehrt Frau Merkel, dass sie es dennoch versucht hat. Jetzt muss sie den Weg für eine Zukunft ohne sie selber frei machen.“ Gleichzeitig gibt sich der 54-Jährige angriffslustig. „Ich habe gesagt, dass ich für die Interessen der Menschen in Leipzig kämpfen will. Das will ich auch weiterhin - und werde dies auch umsetzen, wenn ich dafür das Mandat meiner Partei bekomme.“

Siegbert Droese (AfD): „Die AfD saß bei den Sondierungsgesprächen als stiller Partner immer mit am Tisch“, ist sich der 48-Jährige sicher. Die Verhandlungspartner hätten alle Themen stets mit den Positionen der AfD abgeklopft. Nach Überzeugung Droeses hat die FDP sogar viele Positionen seiner Partei übernommen. Vor möglichen Neuwahlen hat der Leipziger keine Angst, die Umfragewerte sprächen für die AfD.

Friedrich Vosberg (FDP): „Die Kanzlerin hat nach der Bundestagswahl erst die Niedersachsenwahl ausgesessen und wollte danach auch noch die Differenzen insbesondere zwischen der CSU und den Grünen aussitzen. Das ist nicht der Politikstil, den wir Freie Demokraten wollen. Wir wollen handlungsfähige Politik, die sich auf das Machbare und Notwendige konzentriert.“ Er stehe unverändert zu seinen politischen Überzeugungen und würde erneut kandidieren.

Im Wahlkreis 152 behauptete sich Jens Lehmann (CDU) klar. Und der Rad-Olympiasieger würde sich im Leipziger Norden erneut für ein Mandat im Bundesparlament bewerben. Für Lehmann ist aber eine Große Koalition die „naheliegendste Option“. Er sieht die SPD in der Verantwortung, sich zu bewegen und sich Gesprächen mit der Union nicht zu verwehren.

Franziska Riekewald (Linke) war im September die stärkste Konkurrentin von Lehmann. Sie würde bei einem weiteren Wahlkampf den Gewinner von der CDU noch „härter attackieren“ als beim letzten Mal. „Ich denke aber, eine erneute Abstimmung wäre nicht gut für unser Land – ganz einfach, weil es dafür nach meinem Empfinden kein Verständnis beim Wähler gibt“, findet Riekewald.

Franziska Riekewald (Linke) würde ihren Konkurrenten Jens Lehman (CDU) bei Neuwahlen „härter attackieren“. Quelle: Andre Kempner

Daniela Kolbe (SPD) fordert die geschäftsführende Bundeskanzlerin zum Handeln auf. „Die Parteien der Schwampel haben unser Land in eine schwierige Lage gebracht. Der Ball liegt jetzt im Feld von Frau Merkel. Sie muss endlich Verantwortung übernehmen und eine Regierung bilden“, so die Sozialdemokratin. Sollte es zu Neuwahlen kommen, wolle sie wieder in Leipzig für den Bundestag kandidieren. Voraussetzung sei natürlich, dass die SPD-Mitglieder sie aufstellten.

Christoph Neumann (AfD) wiederholt eine Hauptforderung seiner Partei aus dem zurückliegenden Wahlkampf: „Merkel muss weg.“ Sie sei die große Verliererin und auf absehbare Zeit nicht in der Lage, eine Regierung zu bilden. Einen möglichen Nachfolger Merkels lädt Neumann ein, bei der AfD-Fraktion vorbeizuschauen. Bei Neuwahlen wolle er wieder kandidieren.

Volker Holzendorf (Grüne) bemühte zur aktuellen Lage einen Vergleich aus dem Fußball. „Am Sonntag ging es um 18 Uhr in die Verlängerung und danach ins Elfmeterschießen. Die FDP hat den entscheidenden Ball verschossen und das Spiel nicht verstanden“, sagt der Biometriker. Ob er bei einer Neuwahl wieder antrete, das entscheide seine Partei.

Marcus Viefeld (FDP) sieht die Situation naturgemäß anders als viele seiner Kollegen. Nicht an der FDP seien die Gespräche gescheitert, sondern an Angela Merkel (CDU). Die Bundeskanzlerin lasse seit Jahren ihre eigenen Positionen offen und habe auch bei den Sondierungsgesprächen nicht geführt. Viefeld würde erneut antreten. „Wahlkampf gehört zu spannendsten politischen Zeit“, erklärt der 42-Jährige.

Von mro/mpu/nöß

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